REINER SCHWOPE

Kategorie: Atmung

  • COLD: Atemkontrollübungen ja oder nein?

    COLD: Atemkontrollübungen ja oder nein?

    Helfen Atemkontrollübungen bei einer obstruktiven Lungenerkrankung? Das war die Frage einer neuen Studie. Oder reicht ein normales Rehabilitationsprogramm? Untersucht wurde dies im Rahmen einer Rehabilitationsgruppe bei Patienten mit einer schweren obstruktiven Lungenerkrankung nach einer akuten Verschlechterung der Symptome.

    Inhaltsübersicht (aufklappen)
    COLD: Atemkontrollübungen ja oder nein? 1

    Was ist COLD?

    Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine chronisch entzündliche Lungenerkrankung. Sie schwächt den gesamten Organismus. Sie führt zu einer Behinderung des Luftstroms in den Luftwegen (Bronchien) der Lunge. Diese kann sich nicht mehr zurück bilden und ist damit irreversible. Bei der Verschlimmerung handelt es sich um eine mindestens zweitägige Verschlechterung (Exazerbation) der Symptome.

    Die Symtptome bei COLD

    Die Symptome bei COLD sind unterschiedlich stark ausgeprägt:

    Atemnot / Dyspnoe

    Bei körperlicher Belastung, später schon einfacher Betätigung und letztendlich bei geringer Anstrengung kommt es zu Atemnot.

    Vermeidung von Leistung

    Diese Leistungseinschränkung spüren PatientInnen im Gegensatz zu anderen Lungenerkrankungen (Fibrose) deutlich. Aus diesem Grund wird die Abforderung von Leistung semi-bewusst vermieden. Die Vermeidungshaltung führt zur Abnahme der Skelettmuskulatur und anderer Leistungsparameter. Das erschwert die Leistungserbringung zusätzlich und erhöht den Sauerstoffbedarf. Das führt neben der Grunderkrankung zu einer weiteren Dekonditionierung. Bei sehr geringem Leistungsvermögen wird eine sitzende Schonhaltung eingenommen.

    Leistungsvermeidung führt zur sozialen Isolation

    Neben der umfassenden Dekonditionierung in allen motorischen Bereichen und der Leistungsvermeidung kommt es zunehmend zu einer sozialen Isolation. Sie hat starke negativen psychologischen Folgen und fördert ihrerseits das Fortschreiten der Leistungsmeidung und somit auch das Voranschreiten der Einschränkung. Die Aktivitäten des täglichen Lebens (Activity of daily life ADL) nehmen immer mehr ab. So ist die Sitzaktivität um den Faktor 1,4 erhöht{Cavalheri, V.; Straker, L.; Gucciardi, D.F.; Gardiner, P.A.; Hill, K. Changing physical activity and sedentary behaviour in people with COPD. Respirology 2016, 21, 419–426}{Schneider, L.P.; Furlanetto, K.C.; Rodrigues, A.; Lopes, J.R.; Hernandes, N.A.; Pitta, F. Sedentary Behaviour and Physical Inactivity in Patients with Chronic 0Obstructive Pulmonary Disease: Two Sides of the Same Coin? COPD 2018, 15, 432–438}.

    Weniger Leistung und soziale Isolation mindern die Lebensqualtität

    Die Dyspnoe, die Leistungsminderung, die Aktivitätseinschränkung und die soziale Isolation beeinträchtigen die Lebensqualität von PatientInnen mit COPD. Entgegen der früheren Zielsetzung Verbesserung der Lungenfunktion ist mittlerweile eindeutig der Verbesserung der Lebensqualität im Fokus der Therapie. Die pulmonale Rehabilitation ist somit ein interdisziplinärer Vorgang. Sie umfasst neben der Linderung von Dyspnoe

    • Soziale Teilhabe und Verbesserung der Lebensqualität
    • Verbesserung der ADL auf multiple Weise (nicht nur motorisch) unter anderem mit:
      • Sauerstofftherapie zielgerichtet und nur bei Notwendigkeit
      • Energieverbrauch und Leistungsvermögen abzugleichen
      • Kurzatmigkeit verringern und Atemkompetenz erhöhen
    • Stärkung der Selbstwirksamkeit zur Bewältigung der Krankheit

    Weitere Symptome

    • Schleimbildung
    • chronischer Husten
    • Gefühl der Enge in der Brust
    • Leistungsminderung
    • Einschränkungen der Lebensqualität
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    Hilft Atemkontrolle?

    In einem Sonderheft „Physiotherapie und kardiothorakale Versorgung in der akuten und chronischen Versorgung“ der Zeitschrift Healthcare erschien eine Studie über die Atemkontrollübungen in einer Gruppeneinstellung für PatientInnen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung{Sibylle Cazorla, Yves Busegnies, Pierre D’Ans, Marielle Héritier, William Poncin. Breathing Control Exercises Delivered in a Group Setting for Patients with Chronic Obstructive Pulmonary Disease: A Randomized Controlled Trial. Healthcare 2023, 11(6), 877}. Es handelt sich dabei um eine randomisierte kontrollierte Studie*.

    *Die Personen wurden also zufällig in die verschiedenen Gruppen gewählt (randomisiert). Ohne kontrollierte Designs mit Zufallszuweisung von PatientInnen lassen sich keine verlässlichen Aussagen zur Wirksamkeit von Maßnahmen machen. Dabei ist es wichtig, den kausalen Zusammenhang deutlich zu machen, also das Verhältnis zwischen Ursache und Wirkung.

    Bekannt ist, dass Lungenrehabilitationsprogramme zur Verbesserung bei COPD wirksam sind. Ziel dieser Studie war es, die Wichtigkeit von Atemkontrollübungen zu beurteilen. Zudem sollte der Effekt des Übens in einer Gruppe aufgezeigt werden. Damit sollte der Aspekt der Sozialisation mit anderen Personen in der Gruppe optimiert werden.

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    Die Studie

    Teilnehmer

    Von 40 ausgewählten nahmen 37 PatientInnen an der Studie teil. Das Alter war durchschnittlich 69 Jahren. Die Altersspanne betrug +/- sieben Jahre. Die Teilnehmer hatten eine COPD im Stadium III oder IV*. Zustand nach akuter Verschlechterung (Exarzerbation).

    *Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD)

    Die demografischen Daten und Charakteristika zu Studienbeginn unterschieden sich zu Studienbeginn nicht signifikant zwischen den beiden Gruppen, mit Ausnahme der Prävalenz von Osteoporose.

    Ausschlusskriterien

    • Komplikation: Herz/Orthopädisch
    • Rauchen
    • Sprachbarrieren
    • Bekannte kognitiven Beeinträchtigungen

    Ort

    Das spezielle Zentrum für COLD am J. Bracops Krankenhaus in Brüssel, Belgien.

    Dauer und Vergleich

    Die Dauer der Studie betrug sechs Wochen. Es wurde verglichen, ob zusätzliche Sitzungen mit Atemkontrollübungen einen signifikanten Effekt haben. Es handelte sich um konkret 20 Gruppensitzungen mit 30-minütigen Atemkontrollübungen.

    Standardprogramm für beide Gruppen

    Ausdauer

    Das tägliche Ausdauertraining sind 30 Minuten kontinuierlichem Gehen auf einem Laufband oder Radfahren auf einem Fahrradergometer. Die Intensität beträgt 4 bis 6 auf der modifizierten Borg-Skala (subjektive Leistungseinschätzung), mit maximaler Anstrengung bei 10.

    Kraft

    Das Krafttraining sind 30 Minuten Widerstandsübungen an Geräten für Muskelgruppen der oberen und unteren Extremitäten. Jede Muskelgruppe absolviert 3 Sätze mit 10 Wiederholungen. Die Intensität beträgt 4 bis 6 auf der modifizierten Borg-Skala (subjektive Leistungseinschätzung), mit maximaler Anstrengung bei 10.

    Alltag und Gebrauch

    Die therapeutische Patientenaufklärung ist individuell. Folgende Aspekte werden berücksichtigt:

    • Theorie:
      • Anatomie der Lunge
      • Pathophysiologie der COPD
      • Anwendung verschriebener Inhalationsmedikamente
    • Praxis:
      • Umgang mit der Leistunsanforderung, Faktionieren der Leistungsabgabe, Einsatz der dosierten Lippenbremse, sparsame/ergonomische Haltung:
        • Gehen (5 Mal pro Woche, 15 Minuten pro Sitzung) inklusive
          • Schnürsenkel binden durch Hochlegen der Füße auf dem Stuhl
          • Lastenausgleich in einer Einkaufstasche
        • Treppensteigen (2 Mal pro Woche, 30 Minuten pro Sitzung)
    • Zusätzlich
      • 2 Sitzungen Toilettengang (20 Minuten pro Sitzung)
        • Erste Woche
          • Bewertung Autonomie und Unabhängigkeit des Patienten
          • Ratschläge zur Fraktionierung der Anstrengungen
          • Vorschläge für technische Hilfsmittel für die Toilettentätigkeit
        • Dritten Woche
          • Überprüfung und Anpassung

    Zusatzprogramm Atemkontrollübungen

    Zusätzlich in der Gruppen mit den Atemkontrollübungen wurden 3–4 Sitzungen pro Woche Atemübungen durchgeführt. Die Gruppe erhielt 20 Sitzungen pro Programm mit Atemkontrollübungen in einer Gruppenumgebung. Die Gruppengröße betrug 5–6 Teilnehmer und die Dauer pro Sitzung betrug 30 Minuten.

    Basis der Übungen

    Die Basis der Übungen waren die typischen Alltags- und Gebrauchsbewegungen der PatientInnen. Aus diesen wurden Kinetikübungen (Bewegungsübungen) für den Ober- oder Unterkörper mit offener Kette entwickelt. Eine solche Bewegung liegt vor, wenn das Endglied der Extremität frei beweglich ist. Diese Übungen trainieren gezielt Muskeln oder Muskelgruppen. Der Transfer Sitz zum Stand wurde nicht geübt.

    Gezielter Einsatz von Hilfsmitteln

    Die Bewegungen wurden individuell verstärkt durch den Einsatz von freien Gewichten durch Hanteln, Bälle und andere Hilfsmittel. Die Gewichtsbelastung richtete sich der zehnfachen, bequem durchführbaren Wiederholungszahl.

    Atmung mit Bewegung

    Die Kinetikübungen wurden mit dem gezieltem Einsatz von Atemkontrollübungen verbunden. Bei den jeweils 15 Sätzen mit je 10 Wiederholungen wurde bewusst die Einatmung oder die Ausatmung verbunden. Die Erholungszeit zwischen den Sätzen betrug 10 Sekunden.

    Hintergrund

    Die Atemvertiefung verlangsamt die Frequenz, stimuliert das autonome Atemmuster und vertieft den Rhythmus. Die motorischen Übungen verbessert insbesondere die Kraft und die Ausdauer. Eine Verlangsamung der Bewegung auf die Atemfrequenz erhöht das Bewegungsbewusstsein in den einzelnen Bewegungsphasen, wie zum Beispiel in der konzentrische Phase (Zusammenziehen) Einatmung (Inspiration) und in exzentrische Phase (Nachlassen) Ausatmung (Exspiration). Zudem wird die Anpassung an die Anstrengung angepasst.

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    Die Studienergebnisse

    Primär wurde die Lebensqualität untersucht. Die Gesundheit von Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen ist krankheitsbedingt eingeschränkt. Dies wurde mit dem „Saint George’s Respiratory Questionnaire“überprüft. Das ist ein Standartverfahren zur Messung der Lebensqualität bei PatientInnen mit COLD. Er misst die allgemeine Gesundheit, das tägliche Leben und das wahrgenommene Wohlbefinden und unterteilt in drei Bereichen: Symptome, Aktivitäten und Auswirkungen.

    RehabilitationsgruppeAtemkontrollgruppe
    LebensqualitätKeine VerbesserungDer SGRQ-Score verringerte sich von durchschnittlich 60,4 (Spannbreite 43,6–71,8) auf durchschnittlich 43,2 (35,0–56,7), p < 0,001). Das bedeutet eine Verbesserung. Das Ergebnis ist signifikant (Signifikanzwert war sehr hoch p<0,001).
    Primäre Veränderung bei COPD PatientInnen

    Sekundär wurden verschiedene weitere Aspekte gemessen. Die subjektive Auswirkungen auf die Atmung wurde durch den COPD Assessment Test (CAT) erfasst. Es handelt es sich um einen standardisierten Fragebogen, mit dem das Ausmaß und die Häufigkeit der Symptome von PatientInnen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) erfasst wird. Mit dem Test kann auch eine einfache Bestimmung des Schweregrades der Lungenerkrankung erfolgen.

    RehabilitationsgruppeAtemkontrollgruppe
    Häufigkeit der SymptomeKeine VerbesserungDer CAT-Score verringerte sich von einem Mittelwert von 25,0 (Spannbreite 14,0–27,5) auf 15,0 (2,0–21,0). Das bedeutet eine Verbesserung. Das Ergebniss war signifikant (Signifikanzwert war sehr hoch p < 0,001).
    Häufigkeit der Symptomes bei COPD PatientInnen
    RehabilitationsgruppeAtemkontrollgruppe
    Fünf mahlige AufstehtestKeine VerbesserungDie 5STST-Zeit nahm ab von einem Mittelwert von 15,4 (Spannbreite 12,0–19,0) auf 12 (10,7–14,9). Das ist eine Verbesserung. Das Ergebnis war signifikant (Signifikantswert war sehr hoch p < 0,001).
    Häufigkeit der Symptomes bei COPD PatientInnen

    Borg-Skala (modifiziert) dient der Ermittlung der subjektiven Leistungempfindung.

    RehabilitationsgruppeAtemkontrollgruppe
    Borg nach Fünf mahligem AufstehtestKeine VerbesserungDie Borg Einstufung nahm ab von einem Mittelwert von 8 (Spannbreite 7–8) auf 5 (3–6). Das ist eine Verbesserung. Das Ergebnis war signifikant (Signifikantswert war sehr hoch p < 0,001).
    Borg Skala nach Aufstehtest (Sit-to-Stand) bei COPD PatientInnen

    Handgriff-Stärketest: Periphere Kraftermittlung durch den Jamar®-Handdynamometer

    RehabilitationsgruppeAtemkontrollgruppe
    Handgriff-StärketestKeine VerbesserungDie HG Stärke stieg an von einem Mittelwert von 23,5 (Spannbreite 20,5–26,8) auf 25 (23,5–30). Das ist eine Verbesserung. Das Ergebnis war signifikant (Signifikantswert war sehr hoch p < 0,001).
    Handgriff Stärketest bei COPD PatientInnen

    Fazit

    Die Gruppe mit den Atemübungen in einer Gruppe erreichten deutliche Vorteile

    • Lebensqualität
    • funktionelle Kapazität
    • Muskelkraft.

    Übungen zur Atemkontrolle, die in einer Gruppe durchgeführt werden, sind für PatientInnen mit einer COLD zielführend. Das zeigt diese Studie.

    Mechanismen für die Verbesserung in der Atemkontrollgruppe

    Nicht alle Parameter lassen sich faktisch messen. Deshalb ist es wichtig, die Mechanismen für die Veränderung zu verstehen. Das geschieht durch Annahmen, wenn entsprechende Messparamater nicht voliegen:

    Dyspnoewahrnehmung

    Die Wahrnehmung der eigenen Luftnot ist ein sehr wichtiger Faktor. Die Verbesserung in der Atemkontrollgruppe erklärt sich aus der Zunahme der Muskelkraft, der verbesserten Kontrolle des Atemmusters und der erhöhten Toleranz gegenüber körperlicher Anstrengung. Das senkt den Atembedarf für eine bestimmte Anstrengung auf der einen Seite und erhöht das Lungenvolumen auf der anderen Seite. So können PatientInnen zum Beispiel Treppen steigen mit geringerer Dyspnoe ohne mehr Zeit zu brauchen, teilweise sogar weniger.

    Sekundäre Wahrnehmung

    Die Belastungstoleranz wird deutlich erhöht, bei gleichzeitig mehr gefühlter Muskelkraft. Das steigert die Lebensqualität, reduziert wiederum Dyspnoe und letztendlich die Müdigkeit.

    Atemkontrollübungen in einer Gruppenumgebung führen zu einer funktionellen Verbesserung im Gegensatz zu einer allgemeinen Rehabilitation.

    Grundgedanken für ein Programm

    Ein allgemeines Rehabilitationsprogramm ist nicht zielführend. Es ist nicht angepasst an die individuellen Problemstellungen bei einer chronischen obstruktiven Lungenerkrankung. Für PatientInnen ist das Üben von Alltags- und Gebrauchssituation unter besonderer Kontrolle der Atmung hilfreich. Folgende Aspekte erscheinen wichtig:

    • Die therapeutische Patientenaufklärung über das Krankheitsbild
      • Was sind obstruktive Luftwegeveränderungen
      • Wie kann man bei einer solchen Veränderung die Atmung unterstützen
      • Die Wichtigkeit, die Bewegung und Atmung zu kombinieren.
    • Vermittlung von Energiespartechniken
    • Vermeidung von Pressatmung.
    • Anpassung des Lebensumfelds unter anderem mit Hilfsmitteln und notwendigen Hilfen.

    Die Anpassung ist individuell. Die allgemeinen Empfehlungen für spezielle Alltags- und Gebrauchsbewegungen können bei der spezifischen Genese nicht schematisch vermittelt werden. Dies ist auch ein Faktor, damit die Verhaltensänderung in den Alltag integriert werden. Diese Umsetzung ist essenziell.

    Hinweis: Patienten mit COPD können jedoch aufgrund von Wissens- und Fähigkeitsdefiziten in ihrem Prozess der Verhaltensänderung mit erheblichen Hindernissen konfrontiert sein. Diese können eine Änderung des Lebensstils stark behindern. Die Therapie muss das unbedingt berücksichtigen.

    Gruppensettings sind im Gegensatz zu Einzelsitzungen als günstig anzusehen. Der therapeutische Prozess wird durch die Gruppendynamik, Interaktion, soziale Kompetenz und Solidarität gestützt. Sekundär wird zudem die soziale Isolation gemindert.

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    Klinische Erfahrungen

    In der Arbeitsgemeinschaft Atemtherapie des Zentralverbandes Physiotherapie (ZVK) und auch im klinischen Einsatz haben wir Atemkontrollübungen genutzt. Darüber hinaus wurden schon in den 90er Jahren entscheidende Vertiefungen der Therapiemethodik, gegenüber der dargestellten, erreicht. Die Studie unterstreicht deutlich diesen Ansatz, in dem sie die Wirksamkeit der gezielten Atemkontrolle zeigt.

    Individuelles Übungsprogramm

    Der Einsatz einer Atemskala neben der Borg-Anstrengungsskala hilft bei Belastungsfaktoren einzeln zu erfassen und in ein Verhältnis zu setzen.

    Die Erfassung der Atembelastung sowie der allgemeinen Anstrengung wird ergänzt durch individuelle periphere Anstrengungsgefühle, zum Beispiel in den Unterschenkeln. Treten andere Befindungsbeeinträchtigungen, wie zum Beispiel Schmerzen, auf, dann werden diese mit erfasst. Die individuellen subjektiven Empfindungen werden mit den messbaren objektiven Befunden abgeglichen und ein gezieltes Übungsprogramm erstellt.

    Atemübung+Atemerfahrung+Atemübung+…=Atembewusstsein

    Die Atemübungen für eine PatientIn mit einer COLD berrücktsichtigen das individuelle Vermögen in besonderer Weise, also nicht nur bezüglich der Anstrengung. Dieses individuelle Lehr-Lernprogramm beginnt in einfacher Weise und nimmt die PatientIn auf eine Erfahrungsreise mit. Die Zielsetzung ist, ein Bewusstsein für die Atmung zu erhalten. Dieses neue Bewusstsein oder neue Gefühl ergänzt die bisherigen meist negativen um neue positive Erfahrungen. Die neue „Erlebnisse“ werden dann, wiederum durch gezielte und individuelle Lehr-Lernschritte in die Alltags– und Gebrauchsbewegungen integriert.

    Entkopplung der Atmung

    Die Atemübungen haben dabei nicht das Ziel einer Erhöhung der Kontrolle, welche im negativen Erfahrungsbereich ja ohnehin vorhanden ist. Sie dürfen idealerweise einen neuen Freiraum schaffen. Dazu werden die Atemübungen geschachtelt aufgebaut, mit dem Ziel das Atemzentrum mit einem neuen Programm zu ergänzen.

    Die in der Studie angestrebte Atemkopplung an die konzentrischen und exzentrischen Bewegungen werden dabei in Folge gezielt entkoppelt. Dies beginnt mit Bewegungen einzelner Muskelgruppen und entwickelt sich zu Ganzkörperbewegungsmustern.

  • Bringen Atemübungen etwas?

    Bringen Atemübungen etwas?

    Die Atmung ist elementar für das Leben. Jede Zelle braucht Sauerstoff. Das Atemzentrum im verlängerten Mark sendet Signale für Ein- und Ausatmung. Das geschieht ohne unser Zutun, es ist also unbewusst. Mit Atemübungen nehmen wir bewusst Einfluss. Die Frage ist, bringt das überhaupt was?

    Verlängertes Mark

    Das verlängerte Mark (Medulla oblongata) bildet den Übergang vom Gehirn zum Rückenmark und ist die im Gehirn liegende Fortsetzung des Rückenmarks. Sie enthält zahlreiche Bahnen und Faserstränge und Hirnnervenkerne. Die Funktionen, die hier maßgebend gesteuert werden, unterliegend nicht der Willkür. Sie sind so wichtig, dass sie quasi vollautomatisch funktionieren.

    Dieser Gehirnteil ist in der Entwicklung des Menschen ganz früh entstanden. Der Hirnforscher Paul MacLean nannte es deshalb auch „protoreptilisches Gehirn“ oder kurz Reptilienhirn. Später entstand ein Saum mit dem Namen limbisches System. Hier werden Emotionen verarbeitet, es entsteht das Triebverhalten, und es ist für intellektuelle Leistungen nötig. Das Abbilden von Gedächtnisinhalten ist aber erst mit der Großhirnrinde (Neokortex) möglich. Erst mit dieser können denkende und logische Aspekte die Affekte und Impulse des limbischen Systems kontrollieren.

    Der mehr oder weniger rhythmische Atemreiz veranlasst die Atemmuskulatur, den Brustkorb zu heben und das Zwerchfell zu senken. Durch die Atemmechanik strömt die Luft ein und aus. So atmen wir pro Tag rund 20.000 Mal. Können wir durch Atemübungen darauf Einfluss nehmen?

    Zwei neuerliche Studien bestätigen Ergebnisse älterer Studien.

    Atemstudie I

    Die Frage ist in einer Studie von Mitarbeiterinnen der Universität Belgrad untersucht worden{Ana Ristovski, Vladimir Mrdaković, PhD: THE IMPORTANCE OF BREATHING EXERCISES FOR FITNESS AND HEALTH}. Dafür beurteilte sie Auswirkungen in einer Übersichtsarbeit, das heißt, es wurden mehrere Studien angeschaut und verglichen. Bei folgenden Atemtechniken wurden die Folgen auf die körperlichen Fähigkeiten und die allgemeine Gesundheit von Sportlern und Freizeitsportlern untersucht:

    • Atemmuskeltraining mit einem Atemgerät, welches das Atmen erschwert (insb. Einatmung)
    • Buteyko-Atemtechnik ist eine volumenreduzierte Atmung und das Anhalten des Atems mit verstärkter Bauchatmung
    • Ballonatmung in der Ausgangsstellung 90/90-Brücke mit Ball und Ausatmung in einen Ballon
    • Wim-Hoff-Atmungstechnik ist eine kontrollierte hyperoxidative Atemübung

    Es wurden ihre Auswirkungen auf

    • Kraft der Atemmuskulatur
    • kardiorespiratorische Ausdauer
    • Körperhaltung
    • sportliche Leistungen
    • Verminderung von Störungen des Atemmusters
    • weitergehende Folgen (wie zum Beispiel Kortexstabilität)

    gemessen.

    Veränderungen der Atmung

    Wir beschäftigen uns meistens nicht mit der Atmung. Das führt zu der Annahme, dass die Atmung normal ist, wenn keine Lungenerkrankung besteht. Wir wissen, dass Muskeln trainiert werden müssen. Doch bei der Atmung kennen wir das nicht, wir denken, unser Leben hat gar keinen Einfluss auf die Funktion. So lernen wir das auch im Biologieunterricht in der Schule.

    Doch das stimmt nicht! Es wäre an der Zeit, die Lehrpläne an Schulen, aber auch im medizinischen Studium zu ändern. Die Atmung ist ein veränderbarer Prozess. Sie passt sich den funktionalen Reizen an. Somit ist sie auch anfällig für Störungen.

    Störungen im Atemmuster

    Die Störungen des Atemmusters sind nachhaltig. Sie beeinträchtigen die Funktion der Sauerstoffaufnahme und Abgabe von Kohlendioxid. Sie ist also mehr als nur störend, sie ist hoch dysfunktional. Deshalb nennt man eine solche Atmung auch dysfunktionale Atmung.

    Mindestens ein Drittel aller Menschen haben ein solches dysfunktionales Atemmuster.

    Reiner Schwope

    Augenfällig für die dysfunktionale Atmung ist eine übermäßige Atmung. Die übliche Bauch- zu Brustatmung mit einem Verhältnis von > 2/3 verschiebt sich in Richtung Brustatmung. Zudem wird die Frequenz höher, das geht bis zur Hyperventilation. Dabei ist die Atmung zu schnell und zu flach.

    Die Nasenatmung ist die natürliche Atmung und wirkt vegetativ entspannend.
    Die normale Nasenatmung

    Zur Erleichterung atmen viele Menschen über den Mund statt mit der Nase. Das beeinträchtigt die Atmung zudem.

    Es wird vermehrt Kohlendioxid abgeatmet. Dies kann zu Schwindel und Ohnmacht führen.

    Die Sauerstoffsättigung kann sich um 10-20% mindern.

    Der Mangel an Sauerstoff kann zu Schwindel und Ohnmacht führen.
    Sauerstoffaufnahme und Kophlendioxidabgabe

    Dysfunktionale Störungen können chronisch werden

    6-12 % der Bevölkerung leiden unter chronischen Atemstörungen. Chronische Veränderungen des Atemmusters sind unterschwellig. Wir spüren dieses Defizit also nicht. Es ist keine spontane Einschränkung, sie tritt über einen sehr langen Zeitraum auf. Erst spät spüren wir die Einschränkungen, und zwar dann, wenn wir im Alltag eine Leistungseinbuße wahrnehmen. Das kann bei der Arbeit sein oder typischerweise auf der Treppe oder beim Berg hochgehen.

    Dysfunktionale Störungen können chronisch werden.
    Wenn die Lust knapp wird

    Folgen der Atemstörung

    Mit einer Atemstörung werden verschiedene Symptome und Krankheiten in Verbindung gebracht. Zu diesen gehören kardiovaskuläre Störungen, die Abnahme der kognitiven Leistungsfähigkeit, Nackenprobleme, Panik und Angst, Brustenge, Reflux, Reizdarm, Erschöpfung und viele andere.
    Mit einer Atemstörung werden verschiedene Symptome und Krankheiten in Verbindung gebracht. Zu diesen gehören kardiovaskuläre Störungen, die Abnahme der kognitiven Leistungsfähigkeit, Nackenprobleme, Panik und Angst, Brustenge, Reflux, Reizdarm, Erschöpfung und viele andere.

    Das Vorhandensein einer dysfunktionalen Atmung beeinträchtigt also die allgemeine Gesundheit und die Leistungsfähigkeit. Mittlerweile geht man von einer multidimensionalen Störung aus, dass heißt alle Systeme werden nachrangig betroffen und dies wiederum beeinflusst andere Systeme und letztendlich auch wieder die Atmung.

    Atemstudie I: Welche Parameter verändern sich konkret?

    Die Blutwerte verändern sich. Die Sauerstoffsättigung nimmt ab und die Abatmung von Kohlendioxid wird erschwert. Das verändert den PH-Wert des Blutes, wir „übersäuern“. Diese Blutwertveränderungen sprechen für einen Zusammenhang zu Krebserkrankungen, die Forschungen dazu sind aber noch nicht abgeschlossen und eindeutig Hinweis gebend.

    Die biomechanische Veränderungen sind gut sichtbar. Die dreidimensionale Atmung in alle Lungenbereiche vorne, seitlich, hinten, unten und oben wird zunehmend eindimensional bis nur noch eine erhöhte Brustkorbbewegung in Ruhe zu sehen ist. Das Zwerchfell arbeitet dann gar nicht mehr. Langfristig schwächt das die Atemmuskulatur massiv.

    Durch verschiedene Mechanismen kommt es psychophysiologische Störungen (Angst, Stress, Despression). Die Mechanismen sind biochemische Veränderungen (Sauerstoff-, Kohlendioxid- und pH-Störungen), vegetativ fehlende Reizung des Nervus Vagus (der Entspannungsanteil des vegetativen Nervensystems) in der Nase und im Bauchgeflecht als im eigenen Leistungsemfpinden bis hin zum Gefühl des „durchatmen könnens“.

    Haltungs- und Bewegungsveränderungen durch Atemstörungen?

    Primär, also direkt, kommt es zu einer Einschränkung der Beweglichkeit. Nicht genutzte Bewegungsbereiche reduzieren die Flexibilität. Das betrifft nicht nur das Zwerchfell und den Brustkorb, es sind auch benachbarte Bewegungsbereiche betroffen. So kommt es zu Einschränkungen im Schultergürtel und der Wirbelsäule. Mittel- sowie langfristig sind auch Einschränkungen weiter entfernt liegender Bewegungsbereiche, denn der Körper ist in sich selbst vernetzt.

    Zudem sorgt die Minderung der Ausdauerleistungsfähigkeit durch die Atmung zu einer geminderten Anforderung in den Bewegungselementen. Diese Minderung in der Bewegung korrespondiert dann noch negativ mit der Ausdauerleistungsfähigkeit selbst. Zuerst kann nur hochintensive nicht mehr verrichtet werden, später denn auch intensive Arbeit und zuletzt dann Alltags- und Gebrauchsbewegungen. Diese Abwährtsspirale wird durch den natürlichen Alterungsprozess noch verstärkt, das merken dann viele Menschen deutlich in den Wechseljahren, denn mit diesen verstärkt sich unser Abbau (wenn es an Übung und Sport fehlt) unglaublich schnell.

    Atemstudie I: Ergebnisse

    In den zahlreichen Studien können die Vorteile von Atemübungen aufgezeigt werden. Die Techniken und Übungen führen zur Verbesserung der sportlichen Leistung als auch zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit. Alle gemessenen Parameter von der kardiorespiratorischen Ausdauer, der Vorbeugung von Verletzungen, der Verbesserung der Stabilität des Kortex bis der allgemeinen Gesundheit (…) verbessern sich. Letztendlich steigt die Lebensqualität.

    Atemstudie II

    Bei der zweiten Studie{Priyanka Singh, Asha Gandhi, Naveen Gaur: A STUDY OF CARDIO-RESPIRATORY CHANGES IN SEDENTARY MEDICAL STUDENTS AFTER 12 WEEKS OF PRANAYAMA AND MEDITATION PRACTICES. Journal of Cardiovascular Disease Research ISSN: 0975-3583,0976-2833 VOL12, ISSUE06, 2021} ging es um die simple Frage, wie sich einige Werte bei gesunden jungen Probanden verändern. Es ging also um die Frage, ob ein Effekt auch schon vor einer Atemstörung messbar ist.

    Es wurden Atemübungen und Entspannungsverfahren unterrichtet. Dies wurde mit einer dritten Gruppe ohne Anleitung verglichen. Diese Pranayama- und Meditationsgruppen zeigten nach 12 Wochen einen signifikanten Rückgang

    • Herzfrequenz
    • systolischen Blutdrucks
    • diastolischen Blutdrucks

    Zudem stiegen die Werte für

    • Peak Flow (maximale Spitzenausatmung) oder peak expiratory flow. Dies ist ein Messwert im Sport und in der Medizin. Er erfasst die maximale Ausatmungsgeschwindigkeit einer Person.
    • Die relative Einsekundenkapazität auch Tiffenau-Index oder FEV1/FVC ist ein weiterer wichtiger Messwert im Sport und in der Medizin. Er erfasst den Anteil der gesamten maximalen Ausatemluft, der in einer Sekunde ausgeatmet werden kann. Er wird in Prozent der Vitalkapazität angegeben. Dieser Wert sollte über 75 Prozent liegen, bei älteren Menschen höher als 70 Prozent.

    Fazit

    Die Atmung wird im Alltag, beim Üben und im Trainingsprozess übersehen. Übung ohne bewusstes atmen ist, das zeigen die neuerlichen Studien eindeutig, nicht zielführend.

    Die anfänglichen bewussten Atemübungen können nach einiger Zeit mit dem Übungs-/Trainingsprogramm kombiniert werden. Die dann semi-bewussten Atemmuster werden in die unbewussten Muster übernommen. Man geht von etwa 10.000 Wiederholungen aus, und damit ist die Atmung das wohl schnellste System um auf uns selbst einzuwirken. Schon in den alten Mysterien sind diese deshalb federführend in der Umsetzung. Die alten Meister hatten also recht. Nutze auch Du die Atmung und entdecke die positiven Wirkungen für

    • Deinen Alltag (im Beruf)
    • beim Bewegen (Arbeit, Ausdauer, Yoga,…)
    • Meditation/Kontemplation
    • Entspannung

    Grundsätze für Atemübungen

    Viele verstehen bei Atemübungen richtig atmen. Es gibt aber bei der Atmung kein „RICHTIG“. Andere denken bei Atemübungen Entspannung. Das kann, aber es muss nicht das Zielt sein. Atemübungen beginnen mit Deiner Atmung. Aus Deiner Ruhe- und/oder Arbeitsatmung (bei aerober Anforderung also) wird durch bewusste, halbbewusste oder passive Einflussnahme auf die Atmung eingewirkt.

    Die Einflussnahme richtet sich dann konkret nach einem Ziel:

    • Lungenvolumen erhöhen
    • gegen Kurzatmigkeit
    • Zur Entspannung
    • bei einer Lungenerkrankung wie zum Beispiel COPD
    • gegen Stress

    Die Einflussnahme mit einer Zielrichtung ergibt dann einen Weg des Übens. Von Deiner Jetztatmung langsam und ruhig durch beständiges Üben zu einer Verbesserung für Dich. Atemübungen sind also immer individuell angepasst und begleiten Dich. Das ist so wie eine sanfte Massage. Sie führt zu mehr Wohlbefinden und zu einem Jetzt und hier sein.

    Dein Üben stehen also im Einklang mit Dir. Es hilft und fördert Dich. Idealerweise hilft eine erfahrene Atemtherapeutin, den richtigen Weg für Dich zu finden.

    Beispiel Übung

    Die volle Yogi Atmung nach Yesudian
  • Atemtherapie: Die wundersam Sanfte

    Atemtherapie: Die wundersam Sanfte

    „Ich hätte nicht gedacht, dass Atemtherapie so viel kann“ sagte die leitende Oberärztin Frau Dr. K. nach meinem Vortrag auf der Ärztefortbildung. Sie war nun zufällig auch gleichzeitig meine Chefin auf einer Intensivstation, für die ich zuständig war. Der Beginn einer tollen Zusammenarbeit.

    Atemtherapie

    Die Atmung auf willkürlichem und unwillkürlichem Wege verändern.

    Will man das weite Feld der Atemtherapie irgendwie zusammen fassen, so würde ich folgende Zusammenfassung wählen:

    • Prophylaxe, Therapie und Rehabilitation bei fast allen akuten Erkrankungen
    • Minderungen der Folgen chronischer Erkrankungen insbesondere Atemerkrankungen sowie Herz- und Kreislauferkrankungen
    • Stimulation (meist entspannend) auf das vegetative Nervensystem
    • Anwendung in Kombination mit Bewegungslernen
    • Stimm-, Sprach- und Atemschulung

    Atemtherapie

    Ziele

    Die Atmung erleichtern, die Atemmuskulatur kräftigen oder entspannen, den Brustkorb mobilisieren, die Lunge schützen (vor einer Entzündung/Pneumonie), Sekrete ableiten, Sekretabtransport, Sauerstoffumsatz effektiver verwerten, Entlüftung verbessern.

    Die Atmung findet in der Regel unbewusst statt. Atemtherapie kann diesen Vorgang bewusst machen. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten Atemtherapie zu machen. Die bekannteste Technik sind:

    • Ausdauertraining (allgemeines aerobes Training)
    • Veränderung der Ausgangsstellungen
    • Bewegungstherapie mit Wirkungen auf den Schultergürtel, den Thorax, das Zwerchfell oder die Bauchmuskulatur
    • Reflektorische Atemtherapie
    • Bindegewebsmassage

    Ist Atemtherapie alternativ?

    Es gibt viele, die unwissend sind. In der Medizin ist das auch so. So wird die Atemtherapie zu den alternativen Heilverfahren gezählt. Das ist grundlegend falsch. Atemtherapie gehört zu den ältesten klassischen medizinischen Anwendungen. Die wissenschaftlichen Wirknachweise sind umfangreich und vielfältig. Und auch die Alternativen zu den klassischen Atemtherapie sind hochwirksam:

    • Meditationen
    • Yoga/Pranayama
    • Tai Chi
    • Qi Gong
    • Vokalatmen/Mantrensingen

    Atmung und Psyche

    Weniger bekannt sind Atemtherapien, die mehr psychologisch ausgerichtet sind:

    • Atemarbeit nach Cornelis Veening, Herta Richter, Graf Dürckheim, Dhyan Manish, Ilse Middendorf, Erika Kemmann,
    • Psychotonik
    • Eutonie
    • Eurhythmie
    • Integratives Atmen
    • Transformational Breath
    • Intuitives Atmen

    Sind alle Atemtechniken gefahrlos?

    Zu Ergänzung noch der Hinweis auf ggf. gefährliche Atemtechniken, da die Forcierung auch Gefahren birgt. Dazu zählt das holotrope Atmen nach Stanislav Grof unter anderem. Normalerweise sind Atemtechniken aber super safe, denn Dein Atemzentrum hat gleich zwei Sicherungen, gegen die Du nicht atmen kannst.

    Die Mär der Atemtypen

    Und noch eine Ergänzung. Es gibt die Idee von Atemtypen. Die Terlusollogie (aus lateinisch terra Erde, luna Mond und sol Sonne, sowie griechisch λόγος Logik) geht von zwei Atem- bzw. Konstitutionstypen aus. Meine Erfahrungen können dies nicht verifizieren.

    Was gehört zur Atemtherapie?

    Zur Atemtherapie gehören die

    • Atemtherapie
    • Atemübungen
    • Atemtraining

    Atemtherapie umfasst aber auch körperliche Übungen und Training. Häh? Ja, wir können durch die Verbesserung der Koordination lokale und allgemeine Ausdauer den Sauerstoffverbrauch in der Peripherie senken. Entspannung hilft dabei und wirkt wiederum über das zentrale Nervensystem. Für die Erhöhung der Effektivität der Verbraucher habe ich einen speziellen Artikel geschrieben:

    Erste einfache Übung

    Doch bevor wir in die tieferen Techniken kommen, möchte ich Dich einladen überhaupt erstmal in Kontakt mit Dir und Deiner Atmung zu kommen. Und dazu möchte ich Dir eine meiner Lieblingsatemübungen vorstellen:

    Diese Video wird aktuell neu erstellt und erscheint in Kürze!

    Warum also wunderbar sanft?

    Es gibt Dir eine gute Idee, wie eine hocheffektive Therapie doch so wunderbar sanft daherkommt. Alles andere ist funktionell nicht sinnvoll. Kann ich es noch deutlicher sagen? Das Forcieren der Atmung kommt überhaupt nicht vor!!! Wir lassen uns erstmal auf unsere Atmung ein. Mehr nicht!

    Also, stell Dir vor, Du bist das erste Mal bei jemanden zu Besuch. Da gehst ja auch nicht rum und stellst erstmal alle Möbel um, damit es so ist, wie es Dir gefällt. Du schaust erstmal, wo Dir ein Platz angeboten wird. Vielleicht beim x-ten Besuch kannst Du dann Deinen Eindruck mitteilen, dass Du meinst irgendwas passt irgendwie besser, so oder so.

    Kontaktaufnahme mit Deiner Atmung

    Und genau das ist meistens der Fehler bei Atemanleitungen. Wir müssen quasi erstmal „einrasten“ in der eigenen Atmung. Setzt Dich also hin und spüre, wie es Dich atmet. Das ist immer der erste Schritt in der Atemtherapie. PUNKT. Nun kannst Du Deiner Atmung helfen und Deine Sitzhaltung optimieren. Richte Dich sanft auf und öffne das Zwerchfell.

    Der Trick der Ausgangsstellungen

    Durch die Ausgangsstellung kannst Du schon ganz viel erreichen. Bedenke: Oben liegende Lungenabschnitte werden besser belüftet und die unteren mehr durchblutet. Allein die flache Atmung in Rückenlage verschließt schon bei Gesunden über 35 Jahren hinten, unten liegende Lungenabschnitte. Ergo kann ein Patient durch das bloße Aufrichten schon etwas sehr Gutes und Effektives tun.

    Übe Pranayama und komme wieder zu Dir!🤗

    Herzfrequenz-variabilität

    Heart rate variability

    Die Variation der Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Herzschlägen ist ungleich. Bei gesunden erwachsenen Menschen beträgt sie in Ruhe etwa eine Zehntelsekunde. So passt sich Dein Körper körperlichen und psychischen Herausforderungen an. Bei Dis-Stress schränkt sich diese Anpassung ein.

    Entspanne Dich mit Atemtherapie und tue etwas Gutes für Dein Organismus. Mit zentrierter Atmung, wie Sheetali/Sheetkari kannst Du Dich super entstressen😀{„Investigating components of pranayama for effects on heart rate variability“(Erica Sharpe, Alison Lacombe, Adam Sadowski, John Phipps, Ryan Heer, Savita Rajurkar, Douglas Hanes, Ripu D.Jindald, Ryan Bradley)Journal of Psychosomatic Research Volume 148, September 2021}.

    Bald zeige ich Dir hier ein Video über Ausgangsstellungen und Sheetali/Sheetkari, wie sie Dir helfen können. Aber wie es bei mir immer so ist, meine Artikel wachsen und gedeihen mit der Zeit. Also schau mal wieder vorbei, es wird sich für Dich lohnen. Für jetzt und hier freue ich mich auf Deine Kommentare oder gern auch Anfragen, denn Üben mit mir ist noch viel schöner als nur Videos anschauen oder Artikel lesen. Alles GUTE Dir💐🤗