REINER SCHWOPE

Kategorie: Therapie

  • Trapezmuskel: Welche Therapie ist besser?

    Trapezmuskel: Welche Therapie ist besser?

    Im März 2023 ist ein Artikel in der internationalen Zeitschrift für Forschung in physikalischer Medizin und Rehabilitation erschienen, der sich mit den Entspannungstechniken bei der Rehabilitation des Trapezmuskels bei Patienten mit chronischen Nackenschmerzen beschäftigt1.

    Hintergrund

    Das Robert-Koch-Institut schreibt2: „Rücken- und Nackenschmerzen sind in der Bevölkerung weit verbreitet und können die Lebensqualität bei einem Teil der Betroffenen deutlich mindern… Es zeigt sich, dass 61,3 % der Befragten in den letzten zwölf Monaten von Rückenschmerzen berichten…15,5 % der Befragten berichten von chronischen Rückenschmerzen…
    45,7 % (gaben) an, dass sie im vergangenen Jahr Nackenschmerzen hatten.“

    Neben der häufigen Überlastung sind mechanische Funktionsstörungen ein häufiger Grund für Fehlbewegungen. Diese werden durch eine Minderung der Koordination hervorgerufen. In der Folge kommt es zu Nackenbeschwerden und zu einer Minderung der Beweglichkeit. 

    Die Studie

    Es wurde die Wirksamkeit zweier Techniken bei stationären chronischen Nackenschmerzen verglichen. 

    20 PatientInnen mit chronischen Nackenschmerzen im Alter von 35 bis 55 Jahren wurden nach dem Zufallsprinzip in eine von zwei Gruppen zugeordnet.

    Ausgeschlossen wurden im voraus PatientInnen mit:

    • Traumata 
    • Frakturen im Nacken, oberen Rücken oder der Schulter
    • Chirurgische Eingriffe im Nacken, oberen Rücken oder der Schulter
    • Hauterkrankungen im Trapeziusbereich 
    • Patienten mit Spondyloarthritis, lumbaler Spinalkanalstenose oder Skoliose 

    Active Release-Technik (10 Teilnehmer im Durchschnittsalter 46 Jahre)

    Active-Release-Technik: Der Patient sitzt auf einem Hocker. Die Hände sind auf dem Oberschenkel parkiert. TherapeutIn stabilisiert die Schulter mit der Hand von hinten. Der Hals wird gestreckt. Der empfindliche Bereich des Trapezmuskel wird mit dem Daumen berührt mit dem Ziel einer Dehnung mit tiefer Spannung. Der Patient beugt und dreht den Hals zu beugen. Drei bis fünf Wiederholungen. 

    Anschließend Heißpackung für 20 Minuten.

    Myofasziale Release-Technik (10 Teilnehmer im Durchschnittsalter 46 Jahre)

    Myofasziale Release-Technik: Der Patient sitzt aufrecht auf einem Stuhl. Die Hände sind auf dem Oberschenkel parkiert. TherapeutIn übt mit dem Unterarm und/oder ulnarer Rand der Handfläche Druck aus und zum gleitet in Richtung Halsbasis und/oder in Richtung obere Schulterblattregion. PatientIn beugt und dreht den Kopf entgegengesetzt. Drei bis vier Wiederholungen.

    Anschließend Heißpackung für 20 Minuten.

    Es wurden drei Sitzungen pro Woche in vier Wochen durchgeführt. 

    Messungen

    Es wurden nach den Auswirkungen auf die Schmerzintensität und den Bewegungsumfang gemessen. Die Messungen fanden am Anfang und am Ende statt. Die Schmerzen wurden mit der Schmerzskala erfasst. 

    Visuelle-analoge-Schmerzskala-Dokument-im-A4-Format-2Herunterladen

    Die Bewegung wurde mit einem Maßband an einer Wand gemessen. Die in der Praxis übliche Messung mit einem Winkelmesser oder Sensoren wurde nicht angewendet. 

    Ergebnisse

    Es gab Unterschiede zwischen den beiden Methoden hinsichtlich der Beugung (Flexion) und die Unterschiede begünstigten 

    Beweglichkeit

    Beide Techniken wirken und es kommt zu einer Verbesserung. Die aktive Release-Technik wirkt besser. 

    Schmerzen

    Beide Techniken wirken und es kommt zu einer Verbesserung. Die aktive myofasziale Release-Technik wirkt besser. 

    Fazit

    Beide Techniken sind geeignet und sollten jeweils gezielt eingesetzt werden. Die aktive Release-Technik bei Einschränkungen der Beweglichkeit und die myofasziale Release-Technik bei Schmerzen. 

    Praxis

    Es ist hier ein weiterer Nachwies gelungen, wie beide Techniken gezielt eingesetzt werden können. Neben den erwähnten Techniken gibt es selbstverständlich noch viele weitere Techniken. Im Einzelfall wird jeder Patient eine individuelle Therapie erhalten.

    Ich nutze beide Techniken gezielt. Die Tiefenwirkung bei den Grifftechniken der Craniosakralen Therapie erhöht dabei die Sicherheit der geweblichen Reaktion maßgeblich. Das haben mir in meiner beruflichen Laufbahn schon viele Patienten bestätigen können. Zudem können spezielle Tiefenentspannungsprozesse, wie zum Beispiel der CV4-Griff, das vegetative Nervensystem direkt beeinflussen.

  • Nackenschmerzen: Die Rolle des Zungenbein

    Nackenschmerzen: Die Rolle des Zungenbein

    Das Zungenbein ist ein Knochen unter der Zunge. Welche Rolle hat es bei Nackenschmerzen und zervikogene Kopfschmerzen? In einer Untersuchung wurden der „Cervicogenic headache“. kurz CGH und die Rolle des Zungenbeines untersucht.

    Der Name des Zungenbein

    Das Zungenbein ist ein kleiner Knochen am Mundboden unterhalb der Zunge. Es ist 2 bis 3 cm groß. In der embryonalen Entwicklung entsteht das Zungenbein aus den Knorpeln des 2. und 3. Kiemenbogens. Er hat die Form eines kleinen „u“. U-förmig heißt altgriechisch ῡ̔οειδής = (h)*yo(e)ides, denn das y wird im Griechischen υ geschrieben, wie i ausgesprochen und daraus entstand dann das Hyoideum.

    *werden nicht mitgesprochen

    Das Zungenbein ist ein Verbindungsknochen

    Es hat keine gelenkigen Verbindungen wie die meisten restlichen Knochen im Körper. Es ist also nicht mit dem restlichen Skelett verbunden. Seine Verbindungen bestehen ausschließlich aus Muskeln und Bändern. Kleiner Nebenfakt: Viele anatomische Anschauungsmodelle verzichten auf diesen Knochen aus diesem Grund.

    Zungenbein Funktion

    Das Zungenbein ermöglicht das Atmen, Sprechen und Schlucken. Es dient der Kraftübertragung sowie Koordination zwischen Muskeln des Mundbodens und des Kehlkopfes.

    Die Studie

    Die Wirkung der Mobilisierung des Zungenbeins oder der Entspannung der Faszien auf die Bewegung der Halswirbelsäule ist wenig untersucht. Dies war die Fragestellung einer Studie{Dr. Shilpi Kapoor, Dr. Urvashi, Dr. Vaibhav Choubey, Dr. Ashish Mishra. Effect of hyoid bone mobilization and fascia relaxation on cervical motion in cervicogenic headache. Journal of cardiovascular disease research VOL13, ISSUE 07, 2022}.

    50 Patienten mit zervikogenen Kopfschmerzen wurden nach dem Zufallsprinzip in die Studie aufgenommen. Es wurde ein Bewegungstest am Hals durchgeführt. Bei allen Patienten wurde eine Mobilisierung des Zungenbeins und eine Faszienentspannung durchgeführt. Der Bewegungsumfang der Halswirbelsäule wurde sowohl vor als auch nach dem Eingriff untersucht, und die Ergebnisse statistisch verglichen.

    Ergebnisse

    Es gab eine signifikante Verbesserung der Beugung, Streckung und Drehung im Hals.

    Fazit

    Die Mobilisierung des Zungenbeins und die Faszienrelaxationstechnik können den zervikalen Bewegungsumfang und die Ungleichheit (Asymmetrie) der zervikalen Bewegung verbessern. Dies führt zu einer funktionellen Verbesserung. Eine funktionelle Verbesserung bewirkt eine Verringerung der ursächlichen Spannung für den Kopfschmerz.

    Weiterführende Gedanken

    Das Zungenbein steht funktionell mit der Sprache und Expression des Individuums in Verbindung. Störungen im Ausdruck als auch in der Sprache, Atemrestriktion und Gefühle wie „der Hals ist wie zugeschnürt“ als auch andere Veränderungen der freien Entfaltung des Individuum verändern die vordere Spannung im Halsbereich. Der vordere und hintere Halsbereich sind neuronal direkt verschaltet, weshalb es unabdingbar ist dies in einer umfänglichen Therapie zu berücksichtigen.

  • Mechanische vs. Biopsychosoziale Physiotherapie: II Das neue Modell

    Mechanische vs. Biopsychosoziale Physiotherapie: II Das neue Modell

    Fehler im mechanischen Modell

    Schon in den 70er Jahren wurden an den klassischen Systemen Mängel wahrgenommen. Das mechanische Modell war eindeutig unzulänglich. Die rein biologische und medizinische Herangehensweise integrierte wesentliche Faktoren nicht:

    • psychologische
    • geschlechtsspezifische
    • emotionale
    • kulturelle
    • soziale

    Das heute vorherrschende biomedizinische Krankheitsmodell lässt keinen Raum für die sozialen, psychologischen und verhaltensbezogenen Dimensionen von Krankheit. Es wird ein biopsychosoziales Modell vorgeschlagen, das eine Blaupause für die Forschung, einen Rahmen für die Lehre und einen Entwurf für Maßnahmen in der realen Welt der Gesundheitsversorgung bietet.

    Engel 1977{G L Engel: The need for a new medical model: a challenge for biomedicine. Science 08.04.1977 196(4286):129-36}

    In der Realität betreffen Krankheiten und Leiden Menschen mit individuellen menschlichen Erfahrungen. Die Wissenschaft mit ihren pathologischen Dateneinheiten kann nur Teil der Erkenntnislehre sein.

    Dies gilt insbesondere für Muskel-Skelett-Erkrankungen. Ein Fachartikel in der Science direct{Brona M FULLEN PhD, Harriet WITTINK PhD, An DE GROEF PhD, Morten HOEGH PhD, Joseph G MCVEIGH PhD, Denis MARTIN PhD, Keith SMART PhD: Musculoskeletal Pain: Current and Future Directions of Physical Therapy Practice. Archives of Rehabilitation Research and Clinical Translation 1 February 2023} beschäftigt sich hiermit und dieser Artikel basiert auf dieser Arbeit.

    Welche Faktoren sind wichtig?

    Wenn Muskel-Skelett-Schmerzerkrankungen nicht mechanisch betrachtet werden, dann müssen viele weitere Faktoren bei der Therapie berücksichtigt werden:

    • kognitive
    • geschlechtsspezifische
    • psychologisch
    • soziale
    • kulturelle

    Daraus ergibt sich ein umfangreiches Programm:

    • Patientenzentrierte Versorgung
    • Reduzierung von „Red Flag“-Bedingungen
      • Angst vor körperlicher Arbeit
      • Schon- und Vermeidungsverhalten
      • Unzufriedenheit mit dem Arbeitsplatz
      • Depression
      • sozialer Rückzug
      • Passivität
      • Krankheitsfixierung
      • Doktor-Hopping
      • Einnahme zu vieler Arzneien
    • Bewertung psychosozialer Faktoren
    • Einsatz bildgebender Verfahren nur im Einzelfall
    • Vorrang der körperlichen Untersuchung
    • regelmäßig Re-Befundung, um den Patientenfortschritt zu ermitteln
    • geeignete Lehr-/Lernmethoden zu Aufklärung und Information
    • Analyse der körperlichen Aktivität/Bewegung
    • manuelle Therapie nur als Ergänzung zu anderen Behandlungen,
    • Priorisierung der konservativen Therapie gegenüber eines operativen Vorgehens.
    • Arbeitsfähigkeit erhalten

    Das biopsychosoziale Modell sollte auch die Grundlage der internationalen Klassifizierung der Krankheiten in der Version zehn der Weltgesundheitsorganisation einfließen. Aber erst in der elften ist dies ansatzweise gelungen. Durch die fehlenden Kenntnisse mit der neuen Codierung und der Externalisierung der Kodierer ist der Erfolg auch der neuen Version mehr als fraglich.

    Die Liste ist natürlich nur ein Ansatzpunkt und ersetzt keine echte Befundanalyse und -auswertung.

    Was bisher vorliegt

    Ein Team der University Medical Center, Nashville, TN, USA unterstützt von einem Mitarbeiter der Johns Hopkins Universität untersuchte verschiedene Verfahren{Coronado RA, Brintz CE, McKernan LC, Master H, Motzny N, Silva FM, Goyal PM, Wegener ST, Archer KR. Psychologically informed physical therapy for musculoskeletal pain: current approaches, implications, and future directions from recent randomized trials. Pain Rep. 2020 Sep 23;5(5):e847}.

    • abgestufte Aktivität oder abgestufte Exposition
    • kognitiv-behaviorale Physiotherapie
    • Akzeptanz- und Commitment-basierte Physiotherapie
    • Internetbasierte psychologische Programme mit Physiotherapie

    Ein anderer untersuchte die systematische Aufmerksamkeit auf die psychosozialen Faktoren und in Verbindung mit dem Behandlungsergebnis{Main CJ, George SZ. Psychologically informed practice for management of low back pain: future directions in practice and research. Phys Ther. 2011 May;91(5):820-4. Epub 2011 Mar 30. PMID: 21451091.}. Eine weitere Untersuchung über die psychologisch informierte Physiotherapie bezeichnet dies als vielversprechendes Versorgungsmodell ist, es würden aber noch überzeugender Beweise benötigt{Coronado RA, Brintz CE, McKernan LC, Master H, Motzny N, Silva FM, Goyal PM, Wegener ST, Archer KR. Psychologically informed physical therapy for musculoskeletal pain: current approaches, implications, and future directions from recent randomized trials. Pain Rep. 2020 Sep 23;5(5):e847. PMID: 33490842; PMCID: PMC7808677.}. Es gibt sicher noch einzelne weitere Arbeiten, aber eine grundlegende Forschung dazu fehlt bisher.

    Für den langen Zeitraum von den 70er Jahren bis heute und der Wichtigkeit einer eindeutigen Therapieaussage für Menschen mit Muskel-Skelett-Erkrankungen sind die vorliegenden Forschungen wirklich sehr gering. Die Datenlage ist mehr als dünn.

    Eindeutig kann man aber eine Grundaussage treffen. Physiotherapeutinnen sowie Ärztinnen für Physikalische und Rehabilitative Medizin werden meistens für die Beurteilung und Behandlung von Muskel-Skelett-Erkrankungen aufgesucht. Bei allen ist in der Regel der Schmerz das vorherrschende Merkmal. Dies in den Fokus zu nehmen ist ein wichtiger erster Schritt. Dabei sind das subjektive Gefühl, die objektive Bewertung und die medizinischen Faktoren zu balancieren.

  • Mechanische vs. Biopsychosoziale Physiotherapie: I Einführung

    Mechanische vs. Biopsychosoziale Physiotherapie: I Einführung

    Physiotherapie ist funktional und kosteneffektiv bei der Beurteilung und Behandlung von Muskel-Skelett-Erkrankungen. In der Regel kommen dabei drei Komponenten zum Einsatz:

    • Lehr-/Lernvermittlung
    • Bewegungsübungen und -training
    • Physikalische Therapie

    Dieser Artikel basiert auf einem aktuell erschienen Fachartikel in der Science direct{Brona M FULLEN PhD, Harriet WITTINK PhD, An DE GROEF PhD, Morten HOEGH PhD, Joseph G MCVEIGH PhD, Denis MARTIN PhD, Keith SMART PhD: Musculoskeletal Pain: Current and Future Directions of Physical Therapy Practice. Archives of Rehabilitation Research and Clinical Translation 1 February 2023}.

    Die Frage nach der Evidenz und Empirie

    Das Sammeln von Daten in systematischen und standardisierten Prozessen liefert Erkenntnisse. Das sind empirische Belege. Alles, was offen sichtbar wird, ist evident.

    • Ist der Zusammenhang zwischen Maßnahme und Wirkung nachvollziehbar?
    • Liegen ausreichend Beweise und Erfahrungen vor?
    • Gibt es einen erbrachten Nachweis des Nutzens?

    Dies betrifft

    • Durchführung: Art und Weise
    • Gewichtung der einzelnen Komponenten

    Dies ist ein wissenschaftliches Paradigma. Der Mensch wird mechanisch betrachtet. Die individuelle Persönlichkeit spielt dabei keine Rolle.

    Biopsychosozialer Ansatz

    Der Mensch ist ein körperliches, fühlendes und beseeltes Lebewesen und lebt in einer ökologischen, sozialen Umwelt. Die biomedizinisch-naturwissenschaftliche Ausrichtung versucht die Ergänzung um diese Faktoren. Dies wird als evidenzbasierter biopsychosozialer Ansatz bezeichnet.

    Die vorherrschende aktuelle Humanmedizin strebte die gewissenhafte, explizite und umsichtige Nutzung der aktuell besten Evidenz an. Dies führte dann zu einer Entscheidung über die Versorgung einzelner Patienten.

    Im biopsychosozialen Ansatz nicht explizit integriert sind ethische Grundsätze.

    Theorie und Praxis

    Die überwiegende Zahl der Mitarbeiterinnen im Gesundheitswesen befürworten den biopsychosozialen Ansatz. Auch wünschen sie sich weitere Forschungen zu diesem Thema.

    In der klinischen Praxis wird sie in der Regel nicht angewendet. Gründe dafür sind:

    • Es fehlt die Zeit
    • Die Arbeitsbelastung ist oft sehr hoch
    • Die Vermittlung der Forschung in die Praxis fehlt
    • Hoher administrativer Aufwand und ungenügende Kodierungssysteme

    Grundsätzlich ergibt sich daraus ein Widerspruch: Der Einsatz des biopsychosozialen Ansatzes verbessert die therapeutischen Erfolgsaussichten und doch fehlen die Instrumente der Umsetzung:

    • geeignete Fort- und Weiterbildungen nach erworbenem Berufsabschluss
    • Die Ausbildung und Fähigkeit zum selbstgesteuerten Lernen
    • Die Überzeugung, dass Forschung und klinische Entwicklung nützlich sind
    • hohe Änderungsbereitschaft für effektivere Methoden

    Hinderlich für die Umsetzung in die Praxis ist zudem auch die fehlende Forschung zu den Ergebnissen der Umsetzung.

  • Die Kunst der Therapie: Worauf es ankommt

    Die Kunst der Therapie: Worauf es ankommt

    Was ist die Kunst der Therapie? Sie ist die Bezeichnung für die höchste Kompetenz, die eine Therapeutin erreichen kann. Grundlegend wird umfassendes Fachwissen benötigt. Darüber hinaus gibt es noch viele Rahmenfaktoren. Sie spielen eine entscheidende Rolle. Ich zeige acht wichtige Punkte auf.

    8 Punkte

    Qualität in der Therapie

    1. Qualität

    Qualitätssicherungssysteme im Gesundheitssystem mit oder ohne Siegel sind Sicherungen gegen Qualitätslecks in einem Ablaufplan. Besser ist ein beständiges Monitoring durch eine Fachkollegin. Idealerweise wird durch Supervision und/oder Gruppentreffen die Ziele und Maßnahmen bei einzelnen Kolleginnen erörtert. Therapeutinnen nutzen solche Feedbacksysteme proaktiv.

    Die Kunst der Therapie für den individuellen Menschen

    2. Individuum

    Codierungen im Gesundheitssystem dienen betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten. Für die Diagnose und Therapie sind sie nicht förderlich. Individuelle Personen mit gleicher Grunderkrankung haben Unterschiede in der Diagnose. Die Therapie muss das Individuum als auch die diagnostischen Feinheiten widerspiegeln.

    Wissenschaftliche Belegbarkeit

    3. Wissenschaft

    Die wissenschaftliche Belegbarkeit gilt für bestimmte Therapien in Bezug zu einer Größe an Menschen. Sie sind nicht eins zu eins auf jeden Menschen anwendbar (erfahre mehr über individuelle Einflussfaktoren in meinem Artikel „wirksame Alternativen in der Traumatherapie„).

    Wissenschaftliche Belegbarkeit

    Wissenschaftliche Arbeiten dienen der Steigerung des gesicherten Wissens. Ich nutze diese in meinen Artikeln und in meiner täglichen therapeutischen Tätigkeit. Sie zeigen die Wirksamkeit verschiedener Anwendungen in der Therapie. Das Gelernte wird bewertet und in den Kontext des vorhandenen Wissens gestellt. Die Anwendung muss individuell geprüft werden.

    Zu berücksichtigen ist auch, daß 68 Prozent der Forschung und Entwicklung in den OECD-Ländern durch die Industrie übernommen werden{Science Check in der Higgs Zeitschrift}.

    Behandlungsschemata

    4. Behandlungsschemata

    Behandlungsschemata sind grobe Orientierungshilfe für die Berufsanfängerin. Mit Hilfe einer Fachkollegin wird ein solches Schema angepasst. Ziel eines Schemas ist die Verfeinerung und Differenzierung.

    Personal im medizinischen Bereich

    5. Personal

    Ein Personalwechsel bei Urlaub und Krankheit ist teilweise nicht vermeidbar. Dies gilt aber nur für wirklich notwendige Therapien. Dann sollte eine persönliche Übergabe erfolgen in der idealweise beide Therapeutinnen gemeinsam therapieren.

    Wie auch in anderen therapeutischen Bereichen sollte nach zwei oder drei Terminen eine Behandlungsvereinbarung getroffen werden. Ein Abbruch kann nur in gegenseitigem Einvernehmen statt finden.

    Diagnose und Befund

    6. Diagnose und Befund

    Eine Behandlung auf Basis einer Heilmittelverordnung oder eines Rezepts ist nicht fachgerecht. Jede Patientin hat Anspruch auf einen Befund. Neben den technischen Daten ist ein ausführliches Gespräch wichtig. Hierbei werden verschiedene Kontexte, wie zum Beispiel auch psychosomatische oder psychosoziale, mit einbezogen. Es sollte für die Therapie ein Raum geschaffen werden, in dem sich die Patientin sicher und geborgen fühlt.

    Die Befundaufnahme kann durchaus mehr als einen Termin beanspruchen. Re-Befundungen sichern den Therapieverlauf. Im Abschlussbefund wird erfasst, welche Ziele erreicht wurden.

    Fehler auf Verordnungen und Rezepten

    7. Fehler auf der Verordnung

    Nicht selten wird in einem Befund ein von der Verordnung abweichender Zustand festgestellt. Das erfordert eine entsprechende Information zur Ärztin oder anderem Fachpersonal. Es werden die datenschutzrechtlichen Notwendigkeiten berücksichtigt. Informationen der Patientinnen unterliegen der absoluten Verschwiegenheit.

    Zeit in der Therapie

    8. Zeit

    Eine Therapieeinheit benötigt schon aus rein motorischen Gründen mindestens 60 Minuten. Aber auch andere Verfahren sind nicht schnell und sicher durchzuführen.

    Lehr- und Lernverfahren

    Viele Patientinnen fühlen sich in der Therapie nicht verstanden. Vielleicht ist Dir das auch schon mal so gegangen. Die Gründe dafür sind sehr einfach: Jeder blickt aus seinem Winkel und erklärt ein und Dasselbe ganz unterschiedlich. Die Mediziner schauen auf die medizinischen Parameter, die Therapeutinnen auf objektive Daten, und die Patientin erlebt das eigene Empfinden.

    Da liegt es fast schon in der Natur der Sache, dass es hier zu Differenzen kommt. Kommen dann noch Fehler in der Vermittlung von Informationen dazu, wird die Schräglage noch größer. Und nicht selten fallen sprichwörtlich Patientinnen einfach „hinten runter“. Ich setze mich deshalb für mehr Kompetenz in der Diagnose und Therapie ein:

    Die Aussage von Patientinnen ist vollumfänglich aussagekräftig, wenn die Therapeutin ihre Sprachkompetenz entsprechend ausbildet.

    Es gibt viele geeignete Fragetechniken und Erklärungsmodelle, die Therapeutinnen erlernen können.

    Kommunikationskompetenz in der Diagnose und Therapie

    Die Erwartung von Patientinnen fachlich korrekt geführt zu werden ist absolut verständlich.

    Therapeutinnen können geeignete Lehr-/Lernverfahren erwerben.

    Von einer Patientin kann ich nicht erwarten, dass sie subjektive Empfindungen objektiviert. Du siehst weiter unten, warum das auch gar nicht möglich ist. Du brauchst in der Therapie, in der Übung und im Training nur die Bereitschaft, Dich auf eine therapeutische Reise einzulassen. Und nicht wenige Patientinnen berichten mir, dass ihnen das ganz neue Lebensräume erschlossen hat.

    Subjektives Empfinden und objektive Wahrnehmung

    Subjekt und Objekt

    Das subjektive Empfinden, die objektive Wahrnehmung und die medizinischen Parameter stehen in einer Beziehung. Aber wir können sie nicht gleichsetzen. Diesen Fehler machen nicht nur Laien, sie ist besonders auch bei Gesundheitsprofis zu beobachten.

    REINER SCHWOPE

    Entwickelt wurde das Modell für Patientinnen mit Herz-/Kreislauferkrankungen. Ich nenne es die therapeutische Triangel. Das Grundprinzip ist für jede Therapie, Gymnastik, Übung oder Training geeignet. Ich erkläre Dir erstmal, wie es bei Patientinnen mit Herzerkrankungen eingesetzt wird.

    Es besteht grundsätzlich die Schwierigkeit das subjektive Empfinden zu den objektiven Wahrnehmungen (und medizinischen Parametern) einzustufen. Deshalb brauchte es ein Mittel genau das zu tun. Wir nutzen Befragungen und Skalen. Nicht selten führen Patientinnen auf Empfehlung ein Tagebuch ihrer Empfindungen. Das erhöht die Informationsdichte für die Therapeutin deutlich.

    Bei einem Ausdauertest und/oder Ausdauertraining wird nach einer bestimmten Zeit (meistens sechs oder zehn Minuten) gefragt, wie anstrengend das ist. Die meisten kennen bestimmt den Ausdauertest auf einem Standfahrrad (Ergometer). Zur Beurteilung der Anstrengung hat sich hier die Borg-Skala bewährt:

    Bei einem großen Querschnitt gesunder Menschen multiplizierst Du einfach mit zehn, und Du hast die wahrscheinliche, dazu passenden Herzfrequenz. Diese lässt sich auch noch einfach messen, indem der Puls getastet wird oder eine Manschette Blutdruck und Pulswert misst.

    Die objektive Therapeutin kann nun Messungen durchführen:

    • Herzfrequenz
    • Laktat im Blut: Das ist die Milchsäureausschüttung bei Energieproduktion ohne Sauerstoff
    • Blutdruck
    • Atemfrequenz
    • Atemtiefe
    • Sauerstoffsättigung
    • Messung und Aufzeichnung von Parametern der Lungenfunktion (Spirometrie)

    Ergänzend nimmt die Therapeutin andere sichtbare Zeichen auf:

    • Hautdurchblutung/Schwitzen
    • Atemtechnik/Sprechvermögen
    • Bewegungsausführung

    Das subjektive Empfinden der Patientin und die objektive Wahrnehmung werden nun im Kontext der medizinischen Daten (der Diagnose und verschiedenen Testverfahren) übereinander gelegt. Die Ergebnisse können unglaublich weit auseinander liegen. Denn es gibt krankheitsbedingte und psychologische{„Psychophysical bases of perceived exertion.“(BORG, G.)Medicine and Science in Sports and Exercise 1982 14 (5), S. 377–381} Einflussfaktoren, die unsere Wahrnehmung und Leistungsabgabe merklich beeinflussen.

    Die natürliche Verzerrung unserer Wahrnehmung

    Die Reize und Reaktionen in Deinem Körper unterliegen bewussten, halbbewussten und unterbewussten Verarbeitungsmustern. Diese können wir nur sehr begrenzt beeinflussen. Die Veränderung der Verarbeitungsmuster benötigt auch noch viel Zeit. Sie kann nur durch Therapie, Übung und Training erreicht werden kann. Einfluss haben natürlich auch Unfälle, Lebensschicksale und Erkrankungen. Wir sind Individuen, und so verarbeiten wir Reize. Ohne Reizsetzungen verändern sich keine Verarbeitungsmuster.

    Es erfordert also gezielte Hilfen, wie zum Beispiel die Borg-Skala, um das subjektive Empfinden soweit zu objektivieren, dass es „messbar“ wird.

    Individuelle Therapie!

    Deine subjektive Wahrnehmung in der Therapie muss analysiert werden, damit wir sie verstehen und die Therapie entsprechend anpassen können. Die Therapeutin hat die Aufgabe dies individuell in der Therapie durchzuführen.

    Exakte Steuerung führt zum Ziel!

    Nochmal kurz zurück zu einer Herzpatientin: Will man nun eine Patientin maßvoll üben/trainieren, dann erfordert das wirklich eine genaue Steuerung. Aus dem Ergebnis des Leistungstest wird unter Berücksichtigung des subjektiven Leistungsvermögen ein Übungsplan erstellt.

    Ein einfaches Beispiel

    Die Patientin A empfindet die Leistung als „sehr leicht“ ist aber nach den medizinischen Werten bei 13 („etwas schwer“). Die Therapeutin hilft die Körperwahrnehmung zu sensibilisieren und die Leistungsanforderung in den Fokus zu nehmen. Bei gleichem 13er medizinischen Wert empfindet Patientin B die Anstrengung als „sehr, sehr schwer“. Hier sucht die Therapeutin nach Gründen und hilft der Patientin diese gezielt anzugehen. Beide Beispiele sind natürlich eine grobe Vereinfachung.

    In der Übung wird jeder Patientin dann ein eigener Plan erstellt. Es ist ein exakter Widerstand in einer bestimmten Geschwindigkeit für eine bestimmte Zeit zu halten. Hier ein Beispiel: Dauertechnik auf dem Ergometer mit 50 Watt für 10 Minuten Tempo 80 Umdrehungen.

    Man muss es quasi auf den Punkt bringen. Will man nun bei der gleichen Frau die Fettverbrennung anregen, sind die Daten anders: 30 Minuten 15 Watt Tempo 60 Umdrehungen. Die Werte variieren im Verlauf der Therapie. Regelmäßige meist wöchentlich Re-Befundungen sind dafür nötig. Unterschiede in der Tagesform werden trotzdem berücksichtigt.

    Doch neben den Zielen ist es genauso wichtig die individuellen Parameter mit einzubeziehen. Erst im Prozess der Zeit, also des Übens oder Trainierens steuert man langsam in Richtung der objektiven Parameter. Die Begleitung ist also ein zentraler Bestandteil in der Therapie.

    Effektive Übung/Training erfordert exakte Dosierung. Das Einbeziehen der individuellen Empfindungen ist sehr wichtig. Eine Übung, eine Gymnastik oder ein Training sind idealerweise genau so angepasst, das sie Dir entspricht. Landläufig sagen wir dann gern: Trainiere im grünen Bereich. Wir führen den Körper aus der „Komfortzone“ heraus ohne ihn zu überfordern. Diese Steuerung erfordert viel Feingefühl. Therapie, Übung und Training darf und muss den Körper genau da „kitzeln“, wo das Ziel liegt.

    Was ist mit den anderen motorischen Bereichen?

    Am Beispiel der Ausdauer konnte ich Dir zeigen, wie eine exakte individuelle Übung- und Trainingssteuerung funktioniert. Nun, auch wenn sich die Parameter ändern, das Prinzip bleibt für alle motorischen Beanspruchungen gleich:

    • Flexibilität („Dehnfähigkeit“ und Gleitfähigkeit der Strukturen)
    • Koordination
      • Intramuskulär (in einem Muskel)
      • Extramuskulär (mehrere Muskeln)
      • Ganzkörper/Körperteile (Bewegungsmuster)
      • Gleichgewicht
    • Kraft
    • Schnelligkeit

    Bevor ich auf die Anwendung im Bereich der Therapie komme möchte ich noch eine andere Frage beantworten:

    Trainingssteuerung in der „Fitnessindustrie“ und im Breitensport

    Fachleute kennen im Prinzip keine Fitness. Und Breitensport dient der Breite der Bevölkerung. Es ging bei den historischen Entscheidungen (Beispiel Trimm-Dich 130 Bewegung) mehr um eine Massenbewegung. Die Masse sollte sich mehr bewegen. Egal wie und wie effektiv. Und im Fitnessstudio möchte man das Anforderungsprofil auch nicht zu hoch ansetzen, denn damit holt man seinen Kundinnen durchaus aus einer „Komfortzone“.

    Fitness

    Fitness wird im Allgemeinen das körperliche und oft auch geistige Wohlbefinden verstanden. Es ist das Vermögen aus, im Alltag leistungsfähig zu sein und Belastungen standzuhalten.

    Steuerung in der Therapie

    In der Therapie ist die Steuerung nochmal deutlich komplexer als beim Üben oder im Training. Auf Basis der ärztlichen Diagnose wird ein detaillierter Befund erstellt. Jede Patientin ist mit ihrem Körper, ihrem Geist und ihrer Seele einzigartig. Die sehr differenzierten therapeutischen Ziele müssen mit individuellen Maßnahmen ausgeführt werden. Dabei ist das aufmerksame Wahrnehmen, sich Zeit nehmen und selber in Ruhe sein unabdingbar.

    Es gibt viele Befindungen zu berücksichtigen. Denken wir an den Schlaf, wie erholt wir sind oder ob wir voller Tatendrang sind. All dies muss individuell erfasst werden. Ein besonders Befinden wird noch genauer beleuchtet. Es ist der Schmerz. Der Schmerz ist ein wichtiges Signal des Körpers und/oder der Seele.

    Schmerzen

    Besonders das Schmerzempfinden ist in der Therapie zu berücksichtigen. Deshalb wird die Schmerzquantität und -qualität genau erfasst. Sie wird zeitlich Verlauf erfasst. Dadurch kann man den Verlauf oder die Therapie kontrollieren.

    Schmerzintensität

    Wie stark ist der Schmerz? Zur Erfassung kann eine Schmerzskala verwendet werden.

    Schmerzen in der Therapie

    Therapie findet grundsätzlich im schmerzfreien Bereich statt. Es gibt nur sehr wenige begründete Ausnahmen. Beispiele sind die Triggerpunktbehandlung, Bindegewebsmassage und das Training bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit.

    Schmerzqualität

    Schmerzen sind primär sensorische Wahrnehmungen. Sie sind stechend, brennend, drückend, ziehend, pochend, hämmernd, pulsierend, schneidend,… und werden von den Schmerzrezeptoren vermittelt. Die als Nozizeption bezeichnete Schmerzwahrnehmung gibt Hinweise auf die Ursache für die Krankheit (Ätiologie). Sind die Nerven selber betroffen, dann handelt es sich um neuropathische Schmerzen. Sie sind häufig kribbelnd, brennend oder elektrisierend.

    Schmerzkontexte und Affekt

    Schmerzintensität und Schmerzqualität werden zudem in einen Kontext mit den Alltagsaktivitäten, der Schlafqualität, den Stimmungen und der Belastung erfasst.

    Die Schmerzen führen zu einer Veränderung der Gemütslage (Affekt). Wir empfinden Schmerzen als heftig, quälend, lähmend, vernichtend. Aus diesem Grund wird auch erfasst, wie der Schmerz toleriert wird.

    Schmerzakzeptanz

    Schmerzen und die Schmerzwahrnehmung werden grundsätzlich nicht manipuliert! Schmerzen sind Zeichen einer krankhaften Veränderung, einer Überbelastung oder einer geweblichen Veränderung.

    Im Einzelfall kann eine Schmerzschulung erforderlich sein. Ein leicht ziehender Schmerz bei einem Training der peripheren lokalen Ausdauer bei Zustand einer peripheren Durchblutungsstörung ist zielführend. Eine Schmerzunterdrückung zum Beispiel durch Medikamente ist bei Überlast nicht günstig.

    In der Praxis hat sich das Führen eines Schmerztagebuches bewährt. Wichtig ist auch die Berücksichtigung einer Schmerzmedikation.

    Schmerzlokalisation

    Wo im Körper ist der Schmerz?

    Es werden die schmerzhaften Areale und die ausstrahlenden Schmerzen notiert.

    Typische Schmerzlokalisation und Hinweise auf mögliche Ursachen
    KopfKopfschmerzen, Spannungskopfschmerzen, Clusterkopfschmerzen, Migräne, Neuralgie,…
    GesichtTrigeminusneuralgie, Zahnschmerzen, Kieferschmerzen, Kraniomandybuläre Dysfunktion,…
    HalsPharyngitis, Laryngitis, Tonsillitis, Tracheitis
    BrustAngina pectoris, Herzinfarkt, Pneumonie, Ösophagitis
    RückenZervikozephalgie, BWS- und LWS-Syndrom, Protrusion/Prolaps, Lumboischialgie, Sakralgie
    BauchAppendizitis, Cholecystitis, Pankreatitis, Ulcus ventrikuli/duodeni, Colon irritable
    UnterleibAdnexitis, Urethritis, Prostatitis, Zystitis
    Typische Strukturen und Hinweise auf mögliche Ursachen
    MuskelMuskelkater, Fibromyalgie, Myasthenie, Muskeldystrophie
    GelenkArthritis, Arthrose, Hyperurikämie, Spondylarthropathien, Osteochondropathien
    KnochenWachstumsschmerzen, Frakturen, Fissuren, Osteoporose, Osteochondrome, Osteosarkome, multiples Myelom bzw. Plasmozytom
    Veränderungen bei einer Erkrankung

    Veränderungen bei einer Erkrankung

    Weiter oben bin ich von einer regulären und in gewisser Weise vorhersagbaren Triangel ausgegangen. Merkmal einer Erkrankung ist aber die Veränderung der Vorhersagbarkeit. Die „gesunde“ Einheit von subjektiven Empfinden, objektiver Wahrnehmung und medizinischen Daten geraten mit der Erkrankung in ein zunehmendes Ungleichgewicht. Oder andersherum gesagt, das zunehmende Ungleichgewicht ist eins der wesentlichen Symptome einer Erkrankung.

    Für eine patientenorientierte Therapie ist das Dreieck aus medizinischen Parametern, der objektiven Wahrnehmung und dem subjektiven Empfinden maßgebend.

    REINER SCHWOPE
  • Traumatherapie I: Trauma lösen und entspannen!

    Traumatherapie I: Trauma lösen und entspannen!

    Ein Trauma kann Dein Leben komplett verändern. Sicherheiten verlieren sich im Nirgendwo. Ruhe und Gelassenheit gehen in einen unergründbaren Warnzustand über. Du hast keine Kontrolle mehr! Traumatherapie hilft sowohl akut als auch längerfristig wieder in den Normalzustand zu kommen.

    Auslöser

    Typische Auslöser für ein Trauma sind das Erleben von körperlicher und seelischer Gewalt, zum Beispiel in Form von gewalttätigen Angriffen. Dafür ist die Traumatherapie entstanden. Im engeren Kreis gehört auch die sexualisierte Gewalt in Form von Vergewaltigung oder sexuellem Missbrauch dazu. Die Einschränkung der persönlichen Freiheit durch Entführung, Geiselnahme oder Gefangenschaft (insb. politisch und im Krieg) bis zu Folter und Konzentrationslager sind wie Katastrophen (natürliche oder durch Menschen verursachte) weitere Ursachen. Aber auch normale Unfälle oder die Diagnose einer lebensbedrohlichen Krankheit können zu einem Auslöser werden.

    Traumatherapie I: Trauma lösen und entspannen! 1

    Die Psychotraumatologie ist die Lehre der Folgen eines Traumas. Trauma stammt aus gem griechischen τραύμα/trawma und bedeutet Verletzung, Wunde. Die Folgen sind eine Kombination von körperlichen, neurologischen und psychischen Veränderungen. Traumatische Ereignisse haben auf das Erleben und Verhalten von Individuen und sozialen Systemen unterschiedlich starken Einfluss. Im Gegensatz zur allgemeinen Annahme ist nicht die Intensität sondern das individuelle Erleben ausschlaggebend.

    Besonders anfällig sind Kinder und Jugendliche für traumatische Erfahrungen. Sie sind stärker abhängig und verfügen über weniger Ressourcen. Die Übererregung oder kollabierte Mobilität erschreckt das unerfahrene Selbst. Dabei handelt es sich um eine natürliche Überlebensreaktion. Sie wird in einer traumatischen Situation als funktionelle Lösung eingesetzt{„Sitting on the edge of an abyss together. A methodology for working with hypo-arousal as part of trauma therapy“(Merete Holm Brantbjerg)Body, Movement and Dance in Psychotherapy 21 Jan 2021}.

    Häufigkeit

    Nicht jeder entwickelt nach einem Trauma eine Störung. Ungefähr jeder fünfte bleibt traumatisiert. Das nennt man dann fachlich korrekt eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Die Prävalenz ist in der Epidemiologie und medizinischen Statistik eine Kennzahl für die Krankheitshäufigkeit. Sie ist ursachenspezifisch etwa wie folgt{„S3 – LEITLINIE Posttraumatische Belastungsstörung ICD-10: F43.1″GUIDO FLATTEN, URSULA GAST, ARNE HOFMANN, CHRISTINE KNAEVELSRUD, ASTRID LAMPE, PETER LIEBERMANN, ANDREAS MAERCKER, LUISE REDDEMANN, WOLFGANG WÖLLER)202TRAUMA&GEWALT 5.Jahrgang Heft3/2011}:

    • 50 % Kriegs-, Vertreibungs- und Folteropfer/Vergewaltigung
    • 25 % Gewaltverbrechen
    • 10 % Verkehrsunfallopfer
    • 10 % Schwere Organerkrankungen (Herzinfarkt, Malignome)

    Die Intensität eines Ereignisses ist nicht ausschliesslich maßgebend. Gemäß dem diagnostischen und statistischen Handbuch psychischer Störungen (DSM-IV) liegt ein Trauma erst dann vor, wenn eine Person mit tatsächlichem oder drohendem Tod konfrontiert wurde, ernsthaft verletzt wurde, oder die eigene oder fremde körperliche Unversehrtheit bedroht wurde, und sie in Folge intensive Furcht, Hilflosigkeit und Entsetzen verspürt.

    Einteilung nach International Classification of Desease (ICD-11)

    6B4Z Störungen, die spezifisch Stress-assoziiert sind, nicht näher bezeichnet

    6B4Z Störungen, die spezifisch Stress-assoziiert sind, nicht näher bezeichnet
    6B43 Anpassungsstörung

    QE51.0 Belastung in Beziehung mit Ehepartner oder Partner

    QF21 Schwierigkeiten oder Bedarf an Unterstützung bei allgemeinen Lebensaufgaben oder Lebensführung

    6D10.Z Persönlichkeitsstörung, Schwere nicht näher bezeichnet

    6B40 Posttraumatische Belastungsstörung
    6B41 Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung

    Die Intensität erhöht nur die Wahrscheinlichkeit eines Traumaerlebnisses{„Results of hierachical regression analysis with trauma index and temperamental traitsas a predictor of PTSD“(Andrzej Eliasz, Andrzej Eliasz, Sarah E. Hampson, Boele de Raad)Advances in Personality Psychology S. 28 2005}. Kollegen vom Upledger Institut haben das bei Ihrem Einsatz in Bosnien bestätigt. Der aktuelle Ansatz stellt deshalb auch die Verarbeitungsmöglichkeit mehr in den Vordergrund. So können auch scheinbar belanglose Ereignisse zu einem Trauma führen.

    Traumatherapie I: Trauma lösen und entspannen! 2

    Viele Patienten mit einem Trauma werden nicht erkannt. Es besteht immer noch die falsche Annahme, ein Trauma muss objektiv als Solches eingestuft werden können.

    Bei den Traumata werden einmalige (zum Beispiel Unfall) als Typ I bezeichnet und wiederholende (zum Beispiel Misshandlungen) als Typ II.

    Wirkungen

    Akute Symptome sind Erinnerungslücken, Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten. Die Symptome sind individuell unterschiedlich. Eines eint sie: Das körperliche Erleben wird abgespalten.
    So entstehen somatoforme Störungen. Es kann ein Gefühl der Taubheit, körperliche Beschwerden bis zur Nichtexistenz eintreten. Dies betrifft Körperteile, Körperregionen oder den gesamten Körper. Viele haben dabei das Gefühl, nicht sie selbst zu sein (Depersonalisation). Oder sie sind der Welt entrückt/fern (Derealisation).

    TraumatiefeDenk-, Handlungs- und VerhaltensabläufeGefühl
    Panikzerfallen in weitgehend unkontrollierte Einzelerscheinungennicht angebunden, nicht orientiert und kann einfach nicht
    Gefahrnur mäßige Präsenzdefensiv, nur mäßig angebunden, man kann ohne Lust
    Sicherheitvolle Präsenzaktiv, angebunden und man kann mit Freude
    Dies ist eine Vereinfachung der komplexen Mechanismen bei einem Trauma

    Langfristig bekommen Viele Depressionen, eine Angststörung oder Suchterkrankung. Dies kann zu starken Dissoziationen (dissoziative Störungen) führen. Dissoziationen sind das Auseinanderfallen von psychischen Funktionen, die normalerweise zusammenhängen. Es können Schmerzsyndrome auftreten. Und letztendlich kann sich auch die gesamte Persönlichkeit verändern.

    Dissoziative Störungen
    • 6B61.0 Dissoziative Amnesie mit dissoziativer Fugue
    • 6B61.Z Dissoziative Amnesie, nicht näher bezeichnet
    • 6B62 Trance-StörungDissoziative Trance
    • 6B64 Dissoziative Identitätsstörung
    • 6B65 Partielle dissoziative Identitätsstörung
    • 6E65 Sekundäres dissoziatives Syndrom
    • 9C83.67 Dissoziative vertikale Divergenz
    • 6B61.1 Dissoziative Amnesie ohne dissoziative Fugue
    • 6B60.Z Dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen
    • 6B6Y Sonstige näher bezeichnete Dissoziative Störungen
    • 6B6Z Dissoziative Störungen, nicht näher bezeichnet
    • 6B60.0 Dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen: Sehstörung
    • 6B60.1 Dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen: Hörstörung
    • 6B60.5 Dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen: Sprechstörung
    • 6B60.7 Dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen: Gangstörung
    • 6B60.80 Dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen: Chorea
    • 6B60.81 Dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen: Myoklonus
    • 6B60.82 Dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen: Tremor
    • 6B60.83 Dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen: Dystonie
    • 6B60.84 Dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen: Gesichtsspasmus
    • 6B60.8Z Dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen: Bewegungsstörung, nicht näher bezeichnet
    • QE84 Akute BelastungsreaktionKurze dissoziative Störung bei reaktivem Ausnahmezustand
    • 6B60.9 Dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen: Kognitive Symptome
    • 6B60.85 Dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen: Parkinson-Syndrom
    • 6B60.3 Dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen: sonstige sensorische Störung
    • 6B60.4 Dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen: nichtepileptischer Anfall
    • 6B60.2 Dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen: Schwindel oder Benommenheitsgefühl
    • 6B60.6 Dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen: Parese oder Muskelschwäche
    • 6B60.8Y Sonstige näher bezeichnete dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen: Bewegungsstörung
    Bekannte Schmerzstörungen
    • 8E43.Z Schmerzstörungen, nicht näher bezeichnetSchmerzstörungen*
    • 8E43.Y Sonstige näher bezeichnete Schmerzstörungen
    • MG30.03 Chronische primäre Kopfschmerzen oder orofaziale SchmerzenChronische primäre temporomandibuläre Schmerzstörungen
    • NA23.4Y Sonstige näher bezeichnete Verstauchung oder Zerrung der Halswirbelsäule Akutes Schleudertrauma in Zusammenhang mit Schmerzstörungen
    Formen der Persönlichkeitsstörungen
    • 6D10.Z Persönlichkeitsstörung, Schwere nicht näher bezeichnet
    • 6A22 Schizotype Störung Schizotype Persönlichkeitsstörung
    • 6A62 Zyklothyme Störung Zykloide Persönlichkeitsstörung
    • 6A72 Dysthyme Störung Depressive Persönlichkeitsstörung
    • 6B64 Dissoziative Identitätsstörung Multiple Persönlichkeitsstörung
    • 6D10.0 Leichtgradige Persönlichkeitsstörung
    • 6D10.1 Mittelgradige Persönlichkeitsstörung
    • 6D10.2 Schwergradige Persönlichkeitsstörung
    • 6E68 Sekundäre Persönlichkeitsänderung Organische Persönlichkeitsstörung
    • 6D11.1 Distanziertheit bei Persönlichkeitsstörung oder -problematik
    • 6D11.2 Dissozialität bei Persönlichkeitsstörung oder -problematik
    • 6D11.3 Enthemmung bei Persönlichkeitsstörung oder -problematik
    • 6D11.4 Anankasmus bei Persönlichkeitsstörung oder -problematik
    • 6D11.0 Negative Affektivität bei Persönlichkeitsstörung oder -problematik

    In Folge kann es auch zu Essstörungen oder Substanzabhängigkeit kommen. Gemütserregung oder Gefühlswallung können sich stark verändern. Diese Störungen der Affekte können weitreichende Folgen haben.

    Weitere Störungen
    • C20.Z Körperstressstörung, nicht näher bezeichnet
    • EC90.4 Psychogener Pruritus
    • 6B8YSonstige näher bezeichnete Fütter- oder Essstörungen
    • 6B8ZFütter- oder Essstörungen, nicht näher bezeichnet
    • 6C4G.6 Psychotische Störung durch unbekannte oder nicht näher bezeichnete psychoaktive Substanzen
    • 6C4Z Störungen durch Substanzgebrauch, nicht näher bezeichnet
    • 8A63.Y Krampfanfall durch sonstige näher bezeichnete akute Ursache
    • MB24.6Z Affektstörung, nicht näher bezeichnet
    • VV04 Emotionale Funktionen
    • 6C90.0Z Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem, aufsässigem Verhalten und chronischer Reizbarkeit oder Wut, nicht näher bezeichnet Disruptive Affektregulationsstörung
    • 6D10.Z Persönlichkeitsstörung, Schwere nicht näher bezeichnet Wechselhafter Affekt
    • MB24.60 Eingeschränkter Affekt
    • MB24.61 Stumpfer Affekt
    • MB24.62 Flacher Affekt
    • MB24.63 Labiler Affekt
    • MB24.64 Unangemessener Affekt
    • MB24.8 Gesteigerter Affekt
    • MB28.A Negative Affektivität
    • MD11.3 Atem anhaltenRespiratorische Affektkrämpfe
    • 6E62 Sekundäres affektives Syndrom

    Einige Traumapatienten entwickeln Suizidgedanken. Zwei Grundtendenzen sind in jedem Fall zu sehen: Die Verbindungsabnahme und der Aktivierung der Erregung

    Traumatherapie I: Trauma lösen und entspannen! 3

    Soziale Verbundenheit nimmt ab
    Anstieg an Spannung

    Zu den seelischen Problemen erhöht sich das Risiko für körperliche Erkrankungen. Wird eine posttraumatische Belastung chronisch, kommt es zu einer Stressaktivierung (Trauma assoziiert). Insbesondere ist dies für Herz-Kreislauferkrankungen und immunologische Erkrankungen belegt.

    Chronisch

    Chronos (griechisch Χρόνος Zeit) ist in der griechischen Mythologie die Personifizierung der Zeit. Chronische Krankheiten haben keinen klar bestimmbaren Ausgangspunkt, sondern entwickeln sich langsam und schleichend.

    Die Physiologie der Veränderung

    Die grundlegende Veränderung ist sehr tief in unserem Nervensystem platziert. Dort geht es um Zentren und Steuerungen, die weit ab der bewussten Kontrolle liegen. Die Bewegung (Motorik) können wir veranlassen, doch nur bedingt steuern. Der Einfluss auf die Bewegungsprogramme wie Gehen, Stehen und andere Alltags- und Gebrauchsbewegungen geht nur über Übung und Training. Im sensiblen Bereich haben wir nur noch einen sehr geringen Einfluss. Im vegetativen Nervensystems haben die meisten Menschen überhaupt keinen Einfluss mehr. Diese tief liegenden Automatiken sind gut geschützt vor unserem Einfluss. Und das ist im Prinzip auch gut so. Doch was tun, wenn es dort durch ein Trauma zu einer Störung kommt?

    Therapie

    Um diesen fehlenden Zugang in das somatische Erleben wiederzufinden, brauchen wir Hilfe. So, wie man bei einem Beinbruch eine Krücke braucht. Es ist eigentlich ganz einfach. In der modernen Medizin gibt es dafür folgende Empfehlung für eine Trauma adaptierte Therapie:

    Akut

    Bei Vorliegen einer Psychose (Halluzinationen, Wahn, Realitätsverlust oder Ich-Störungen) oder der Selbstgefährdung (akute Suicidalität) wird die stationäre Aufnahme in einer Psychiatrie empfohlen. Besteht eine solche Gefahr nicht, ist die ambulante Therapie oder eine Tagesklinik geeigneter.

    Traumatherapie I: Trauma lösen und entspannen! 4

    Stabilisation & Information

    Stabilisation

    Basis der Therapie ist eine tragfähige therapeutische Beziehung zu einer (Traumatherapie-)erfahrenen Therapeutin oder Therapeuten. Wichtig ist als Erstes eine sichere Umgebung. Dabei sollte eine Selbst- und Fremdgefährdung vermieden werden. Mögliche Ressourcen beim Betroffenen (intrapersonell) als auch im sozialen Umfeld (interpersonell) werden aktiviert. Es werden Techniken zur Kontrolle negativer Gedanken und Emotionen vermittelt (intrusive Phänomene) und ggf. Distanzierungstechniken vermittelt.

    Information

    Die Vermittlung von grundlegenden (basalen) Informationen über traumatypische Symptome und Verläufe erfolgt durch geeignete Lehr-Lernverfahren (Psychoedukation). Dazu gehört auch die Aufklärung über die von Affektregulation sowie das Selbst- und Beziehungsmanagement (soziale Kompetenzen).

    Bei traumatisierten Kindern muss der Ansatz auf die Familie erweitert werden. Die emotionale Reaktion der Eltern und auch der Angehörigen erweist sich im Verlauf der Traumatherapie als Schlüsselindikator bei Kindern mit einer Traumaerfahrung und bleibenden Folgen{„Examining the reciprocal relationships between parent functioning and child posttraumatic stress throughout trauma therapy“(Julie S. Cinamon, Veerpal Bambrah, Robert T. Muller, Karina P. M. Zorzella, Sheila Konanur & Kristin Thornback)Journal of Family Trauma, Child Custody & Child Development 21.03.2021}.

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    Klassische Verfahren
    Ergänzende Techniken
    Integrative Methoden

    Klassische Verfahren

    Es gibt eine Reihe von Therapieverfahren, die in der Traumabearbeitung klassisch eingesetzt werden. In der Basis geht es um die Auseinandersetzung und Konfrontation mit dem Traumaereignis. Einige Therapie legen den Fokus auf die Schonung, andere mehr auf die Konfrontation. Es gibt Ansätze das Gehirn bewusst zu manipulieren oder das Erlebnis neu zu überschreiben/ergänzen. Ein weiterer Fokus ist die Reduzierung der Auswirkung im Alltag.

    Alle klassische Therapien in der Übersicht

    Kognitive Verhaltenstherapie: Dosierte Konfrontation mit dem Trauma und bewusste Änderungen von Denk- und Verhaltensmustern.

    Kognitive Therapie (nach Ehlers und Clark): Ungünstige Gedanken und Verhaltensweisen werden gemeinsam identifiziert und besprochen, damit sie durch günstigere Gedanken und Verhaltensweisen ersetzt werden können.

    Langdauernde Konfrontation in sensu (nach Foa und Rothbaum): Wiederholte Erinnerung und Auseinandersetzung mit dem Trauma fördert eine Verarbeitung der Geschehnisse.

    Langdauernde Konfrontation in vivo: Das Trauma wird nachgestellt oder der Patient begibt sich in objektiv gefährliche Situationen.

    EMDR (nach Shapiro): Das „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“ soll beide Gehirnhälften intensiv stimulieren. Dadurch werden blockierte oder nicht integrierte Erinnerungen an das Trauma „gelöst“ und verarbeitet.

    Somatic Experiencing nach Peter Levine: Anhaltende (körperliche) Reaktionen auf das Trauma werden aufgegriffen und zu einer Lösung geführt.

    Schonende Traumatherapie nach Martin Sack: Die Belastung der Patienten wird durch spezielle Techniken während der Konfrontation mit den traumatischen Erinnerungen möglichst gering gehalten.

    Psychodynamische Psychotherapie: Es werden die unbewussten Wirkungen des Traumas auf den Patienten herausgefunden und behandelt.

    Psychodynamische imaginative Traumatherapie (nach Reddemann): Es werden Vorstellungsbilder entwickelt, welche die traumatischen Symptome besser kontrollierbar machen und dadurch mehr psychische Stabilität geben.

    Imagery Rescripting nach Smucker: Durch beruhigende Vorstellungsbilder wird die Bewältigung der traumatischen Erfahrungen erleichtert. Die Traumbilder werden „neu geschrieben“.

    Narrative Konfrontation (narrative Expositionstherapie): Die getrennten Elemente des Traumas werden zu einer Geschichte zusammengefügt und in die eigene Lebensgeschichte integriert.

    Life Review-Technik bei älteren Patienten (nach Maercker und Zöllner): Die Bilanz aus den positiven und negativen Erinnerungen wird in Gegenüberstellung gebracht.

    Gestalttherapie: Die Wechselwirkung von Körper, Geist und Seele sowie der Kontakt in das soziale Umfeld werden in Zusammenhang gebracht.

    Ergänzungen

    Die Therapie wird häufig durch die Gabe von Medikamenten unterstützt. Die Regel weniger ist besser gilt heute als überholt. Die pharmakologische Wirkung wird individuell skaliert.

    Begleitend kann eine therapeutische Unterstützung zur Bewältigung des Alltags hilfreich sein, wie zum Beispiel eine Begleitung in schwierigen Situationen. Es kann auch eine Eingliederungshilfe nötig sein. Ebenso werden der Partner, Familienangehörige, Kollegen und Freunde durch Therapie unterstützt. Die Therapie sollte den kulturellen Hintergrund mit einbeziehen.

    Alle Ergänzungen im Überblick

    Familien- und Paartherapie: Wenn Partner und die nahen Angehörigen durch die Symptomatik stark belastet werden.

    Kultursensitive Therapie: Angepasst an den sozialen und kulturellen Hintergrund des Patienten.

    Supportive Therapie: Unterstützende therapeutische Begleitung

    Psychosoziale Intervention: Soziale Eingliederungshilfen (Einbeziehung von Angehörigen, Opferhilfsorganisationen, berufliche Rehabilitation, Opferentschädigungsgesetz,…)

    Psychopharmakotherapie: Der Einsatz von Medikamenten

    Adjuvante Verfahren: Ergänzende oder unterstützende Therapiemaßnahmen wie Körpertherapie (allgemein wie Sport), Ergotherapie und Kunsttherapie

    Trauma-Informed Guilt Reduction (TrIGR): Schuldgefühle, Schamgefühle und moralische Verletzung werden durch diese gezielte Therapie gemindert{„Trauma informed guilt reduction (TrIGR) therapy for guilt, shame, and moral injury resulting from trauma: Rationale, design, and methodology of a two-site randomized“(C Capone, SB Norman, M Haller, B Davis, MT Shea)Contemporary Clinical Trials, 2020}. 

    Integrative Modelle

    Der therapeutische Prozess zur Unterstützung von Trauer, Neubewertung und sozialer Neuorientierung wird durch geeignete Maßnahmen begleitet. Ich arbeite mit folgenden Techniken:

    Leitlinien

    Psychopharmakotherapie sowie eine klassische Verhaltenstherapie sind als alleinige Therapieverfahren nicht geeignet. Es sind immer auch Ergotherapie, Kunsttherapie, Musiktherapie, Körper- und Bewegungstherapie, Physiotherapie in enem Behandlungszimmer zu berücksichtigen.

    Die Konfrontation mit der Erinnerung (Trauma) zur Verarbeitung und Neubewertung des Geschehenen muss im Kontext zur Stabilität des Betroffenen gesehen werden!

    Es besteht eine Kontraindikation zur Behandlung, wenn bestimmte Emotionen nicht erlebt werden können (mangelnde Affekttoleranz), das Ich-Gefühl gestört ist (schwere Dissoziationsneigung wie akute Psychosen), gegen sich selbst gerichtete Aggressionen vorliegen (unkontrolliert autoaggressives Verhalten) oder mangelnde Distanzierungsfähigkeit zum traumatischen Ereignis besteht. Das Gleiche gilt, wenn eine hohe psychosoziale und körperliche Belastung vorliegt. Ebenso ist bei akutem Substanzkonsum (Medikamente, Alkohol, Drogen) keine Therapie sinnvoll.

  • Traumatherapie II: Super wirksame Alternativen

    Traumatherapie II: Super wirksame Alternativen

    Die Traumatherapie-Alternativen: Komplementärmedizin und integrative Ansätze

    Die Popularität der Traumatherapie-Alternativen, also der komplementären und integrativen Gesundheitsansätze, hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen{„Introduction to the Special Issue: Complementary Medicine and Integrative Health Approaches to Trauma Therapy and Recovery“(Sandra Mattar, Paul A. Frewen)Psychological Trauma: Theory, Research, Practice, and Policy, 12(8), 821-824}.

    Traumatherapie II: Super wirksame Alternativen 6

    Alternativmedizin und Komplementärmedizin sind Ergänzungen zu den Diagnosetechniken und Behandlungsmethoden der Schulmedizin. Sie sind Erweiterungen zu der Medizin, wie sie im Medizinstudium oder an Fachschulen unterrichtet wird. Sie stehen prinzipiell nicht im Gegensatz, wie manche Schulmediziner behaupten. Daher auch der französische Begriff Komplementär (complémentaire) = ergänzend. Es sind verschiedene Verfahren wie Naturheilkunde, Körpertherapieverfahren, Entspannungsverfahren aber auch Yoga und die traditionelle chinesische Medizinen (TCM). Die Osteopathie als auch die Craniosacrale Therapie finden wir sowohl in der Schulmedizin als auch bei den alternativen Verfahren.

    Der Zuspruch zu diesen Techniken und Therapien wird immer größer{„Trends in the Use of Complementary Health Approaches Among Adults: United States, 2002–2012″(Tainya C. Clarke, Ph.D., M.P.H., Lindsey I. Black, M.P.H., Barbara J. Stussman, B.A., Patricia M. Barnes, M.A., Richard L. Nahin, Ph.D., M.P.H.)Natl Health Stat Report USA. 2015 February 10; (79): 1–16.} und sie sind sie in der Regel günstiger. Hinzu kommt, dass klassische Fachkräfte für psychische Gesundheit sehr lange Wartezeiten haben. Doch der zunehmende Zuspruch ist nicht nur damit zu begründen. Es sind die – mittlerweile auch wissenschaftlich erforschten – Wirkungen.

    Abschottung in der Schulmedizin

    Nun sind die Methoden durchaus wissenschaftlich begründet. Doch die Integration in das Gesundheitssystem stockt schon seit Jahren. Es scheint sich eine Mauer aufgebaut zu haben zwischen der Schulmedizin und den alternativen Verfahren. Und dies geschieht obwohl Patientinnen alternative Therapien mit ihren Ärzten besprechen wollen und sie tatsächlich anwenden{„Complementary and alternative medicine contacts by persons with mental disorders in 25 countries: Results from the World Mental Health Surveys(de Jonge, P., Wardenaar, K. J., Hoenders, H. R., Evans-Lacko, S., Kovess-Masfety, V., Aguilar-Gaxiola, S., Al-Hamzawi, A., Alonso, J., Andrade, L. H., Benjet, C., Bromet, E. J., Bruffaerts, R., Bunting, B., Caldas-de-Almeida, J. M., Dinolova, R. V., Florescu, S., de Girolamo, G., Gureje, O., Haro, J. M.,…)WHO World Mental Health Survey Collaborators. (2018). Complementary and alternative medicine contacts by persons with mental disorders in 25 countries: Results from the World Mental Health Surveys. Epidemiology and Psychiatric Sciences, 27(6), 552–567}. Viele Ärztinnen haben Skepsis oder sind einfach unwissend, sie kennen die aktuellen Studien nicht{„Disease prevention and health promotion: How integrative medicine fits“(Ali, A., & Katz, D. L.)American Journal of Preventive Medicine 2015, 49(5, Suppl 3), S230–S240}. Dies führt zur Stigmatisierung: Komplementärmedizin und integrative Ansätze werden vom schulmedizinischen Fachpersonal negativ bewertet.

    medizinische Stigmatisierung

    Wenn eine Therapie von anderen durch gesellschaftlich oder gruppenspezifisch negativ bewertete Merkmale charakterisiert wird, wird sie dadurch diskriminiert.

    Nicht selten verschweigen Patientinnen gegenüber ihren Ärztinnen den Einsatz von Techniken der Komplementärmedizin oder integrativer Ansätze{„Perceptions about Complementary Therapies Relative to Conventional Therapies among Adults Who Use Both: Results from a National Survey“(David M. Eisenberg, MD, Ronald C. Kessler, PhD, Maria I. Van Rompay, BA, Ted J. Kaptchuk, OMD, Sonja A. Wilkey, MD, Scott Appel, MS, Roger B. Davis, ScD)Annals of internal medicine 2001}{„Actors influencing the use of complementary and alternative medicine and whether patients inform their primary care physician(Patricia Thomson, Jenny Jones, Josie M. Evansa Stephen, L.Leslie) Complementary Therapies in Medicine Volume 20, Issues 1–2, February–April 2012, Pages 45-53}{„Nondisclosure of complementary and alternative medicine use to primary care physicians: Findings from the 2012 National Health Interview Survey.“(Jou, J., & Johnson, P. J.)Journal of the American Medical Association Internal Medicine 2016, 176(4), 545–546}{„Factors influencing the use of complementary and alternative medicine and whether patients inform their primary care physician.“(Thomson, P., Jones, J., Evans, J. M., & Leslie, S. L.)Complementary Therapies in Medicine 2012, 20, 45–53.}. Patientinnen haben zum Teil regelrecht Angst vor einer Offenlegung.

    Definition II

    Komplementärmedizin und integrative Gesundheitsansätze sind eine Gruppe verschiedener medizinischer und gesundheitlicher Systeme, Praktiken und Produkte, die derzeit nicht als Teil der konventionellen Medizin angesehen werden. Im Englischen hat sich der Begriff Complementary Integrated Health, kurz CIH, etabliert.

    Die Patientin im Mittelpunkt

    Im neueren Verständnis steht die Patientin mit ihren Bedürfnissen im Mittelpunkt. Das nennt man Patienten zentrierte Versorgungsmodelle. Dies ist ein weiterer Punkt für ergänzende Therapieverfahren. Denn es verändert sich allmählich die Art und Weise, wie Therapiepläne für Patientinnen entwickelt werden. Anfänglich standen dabei nur Therapien im Fokus, die im Studium unterrichtet wurden. Dies sollte zu einer „Patienten zentrierten Wissenschaftlichkeit“ führen.

    Mittlerweile hat sich der Blick jedoch deutlich geweitet. Es werden nicht nur rein evidenzbasierte Techniken unterstützt. Es geht heute mehr um die Frage, wie der individuelle Mensch mit seinem Trauma unterstützt werden kann.

    Evidenzbasierte Medizin

    „Auf empirische Belege gestützte Heilkunde“ (englisch: evidence-based medicine) soll die Wirksamkeit der medizinischen Therapie durch wissenschaftliche Belege sichern. Dabei werden verschiedene Wirksamkeitsgrade (Evidenzgrade) unterschieden.

    Neuere patientenzentrierte Ansätze betonen durchaus die Verwendung von präventiven und ganzheitlichen Wellnessmodellen, die über die Verwendung evidenzbasierter Behandlungen hinausgehen. Es gibt zu viele individuelle Einflussfaktoren, die bei einer Therapieplanung zu berücksichtigen sind{„Concepts and a model for the comparison of medical systems as cultural systems“(Arthur Kleinman)Social Science & Medicine. Part B: Medical Anthropology Volume 12, 1978, Pages 85-93}. Zuerst sind hier ethnische, religiöse und kulturelle Faktoren zu nennen. Immer mehr werden die Patientinnen bei der Therapieplanung dazu gefragt{„Opening Statement by Stuart Bondurant for the Complementary and Alternative Medicine in the United States Report“(Stuart Bondurant, M.D.) Complementary and Alternative Medicine in the United States Institute of Medicine 12.01.2005}. Dich es gibt ja auch weitere Aspekte wie die Kosten, Zeitintensität und Verfügbarkeit{„Yoga in the Treatment of Trauma-Related Disorders“ Research-Based Perspectives on the Psychophysiology of Yoga Advances in Medical Diagnosis, Treatment, and Care, 2018, p. 218-240}.

    Traumatherapie II: Super wirksame Alternativen 7
    MIND UND BODY MIT DEM HERZEN VERBINDEN

    Mind-Body-Heilansätze

    Seit Tausenden von Jahren werden Mind-Body-Heilansätze erfolgreich angewendet{„The integration of Complementary and Alternative Medicine (CAM) into the practice of psychology: A vision for the future.“(Barnett, J. E., & Shale, A. J.) Professional Psychology2012: Research and Practice, 43(6), 576–585}. Die Schulmedizin lehnte sie (noch) strikt ab. Angeblich fehlen Beweise für deren Wirksamkeit, obwohl Studien dies nachweisen. Aus der Nichtbeachtung wurde nicht selten Verachtung{„Use of complementary therapies by registered psychologists: An international study.“(Stapleton, P., Chatwin, H., Boucher, E., Crebbin, S., Scott, S., Smith, D., & Purkis, G.). Professional Psychology: Research and Practice 2015, 46(3), 190–196.}. Und dies obwohl noch nicht mal alle schulmedizinischen Verfahren nachweislich wirken{„Cognitive behavioral therapy for the treatment of post-traumatic stress disorder: a review“(Nilamadhab Kar)Neuropsychiatr Dis Treat. 2011; 7: 167–181}.

    Mind-Body-Verfahren

    Mind-Body-Medizin

    Es sind moderne Therapieansätze aus den USA, die auf uralten Verfahren basieren. Sie wirken auf Körper, Seele und Geist durch Achtsamkeit. Die Körperwahrnehmung, Ruhe und Bewegung in Alltagssituationen wird bewusst wahrgenommen und durch entsprechende Verfahren ergänzt. Hier steht vor allem der Aspekt der Selbstfürsorge im Mittelpunkt. Dabei werden die eigenen Ressourcen behutsam und achtsam eingesetzt. 

    Über den Umweg der klinischen Psychologie gab es jedoch einen Zustrom von Geist-Körper-Ansätzen. Bekannt sind diese aus der traditionellen chinesischen Medizin, der buddhistischen Psychologie und der Energiemedizin (u.a.):

    • Meditations- und Entspannungstechniken
    • Achtsamkeits-, Akzeptanz- und Bindungstherapie
    • Augenbasierte Desensibilisierung und Wiederaufbereitung von Bewegungen
    • Emotionale Therapie
    • Dialektische Verhaltenstherapie
    • Stressreduzierung auf Achtsamkeitsbasis
    • Progressive Entspannung
    • Biofeedback und Neurofeedback

    Die nachweislichen Wirkungen

    Da es viele Studien gibt, habe ich eine Metaanalyse zu Hilfe genommen{„Complementary and Alternative Medicine for Posttraumatic Stress Disorder Symptoms: A Systematic Review“(Helané Wahbeh, N.D., MCR., Angela Senders, N.D., Rachel Neuendorf, M.S., Julien Cayton, B.A.)FOCUS Volume 16, Issue 1 Complementary and Integrative Medicine 24 Jan 2018}.

    Metaanalyse

    Ist eine Zusammenfassung von Primärstudien. Die Daten werden strukturiert, und Informationen aller Daten werden in den Metadaten gebündelt. Daraus entsteht eine Gesamtaussage aller Studien. Sie enthält quantitative und statistische Aussagen. So werden vorliegende Forschungsarbeiten zusammengefasst und präsentiert.

    In dieser wurden dreiunddreißig Studien mit insgesamt 1329 Teilnehmern überprüft. Der wissenschaftliche Nachweis des Nutzens für eine posttraumatische Belastungsstörung war

    • stark
      • wiederholte transkranielle Magnetstimulation
    • gut
      • Akupunktur
      • Hypnotherapie
      • Meditation
      • Visualisierung
    • nicht eindeutig
      • Biofeedback
      • Entspannung
      • emotionale Freiheit und Gedankenfeldtherapien
      • Yoga
      • Naturprodukte

    Ähnliche Ergebnisse liefern andere Metaanalysen{„Efficacy of complementary and alternative medicine therapies for posttraumatic stress disorder.“(Strauss, J. L., Coeytaux, R., McDuffie, J., Nagi, A., & Williams, J.)Evidence-based Synthesis Program (ESP) Center Durham Veterans Affairs Healthcare System, Department of Veterans Affairs 2011}. Im Gegensatz zu obiger Analyse sieht eine weitere Metaanalyse mit 1173 Gesamtteilnehmern vielversprechende Ansätze bei Meditation und Yoga{„Meditation and yoga for posttraumatic stress disorder: A meta-analytic review of randomized controlled trials.“(Gallegos, A. M., Crean, H. F., Pigeon, W. R., & Heffner, K. L.)A meta-analytic review of randomized controlled trials. Clinical Psychology Review 2017, 58, 115–124.}{„Yoga as a potential psychosocial tool: Results from a quasi experimental study on victims of flood affected state of Kerala“(Mathew)Advances in Integrative Medicine 21 January 2021}.Und sie steht damit nicht alleine{„Yoga Therapy as an Innovative Treatment for Complex Trauma“(Randall Emmons, Ashley E., Chan, Dara V., Burker, Eileen J.)Journal of Applied Rehabilitation Counseling Vol 52 Issue 4 2022}. Weitere Studien unterstützen ebenfalls den positiven Effekt von Yoga{„A Yoga Intervention for Posttraumatic Stress: A Preliminary Randomized Control Trial“(Farah Jindani, Nigel Turner, Sat Bir S. Khalsa)Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine
    Volume 2015, Article ID 351746
    }{„LIGHTNESS AND LIBERATION: HOW SURVIVORS OF INTERPERSONAL TRAUMA EXPERIENCE THE SELF FOLLOWING REGULAR YOGA PRACTICE“(Tessa L. Winslow)In School and Counselling Psychology University of Saskatchewan Saskatoon December 2020}{„A Pilot Study of a Randomized Controlled Trial of Yoga as an Intervention for PTSD Symptoms in Women“(Karen S. Mitchell Alexandra M. Dick Dawn M. DiMartino Brian N. Smith,…) Journal of traumatic stress 25 March 2014}{„Moderators of treatment efficacy in a randomized controlled trial of trauma-sensitive yoga as an adjunctive treatment for posttraumatic stress disorder.“(Nguyen-Feng, V. N., Hodgdon, H., Emerson, D., Silverberg, R., & Clark, C. J.). Psychological Trauma: Theory, Research, Practice, and Policy 2020, 12(8), 836–846.}]. Es wurden auch verschiedene Meditationen (Achtsamkeit, Mantra und Mitgefühlsmeditation) genauer unterschieden{„The Theoretical and Empirical Basis for Meditation as an Intervention for PTSD“(Ariel J. Lang, Jennifer L. Strauss, Jessica Bomyea, …)Behavior Modification June 5, 2012 Volume: 36 issue: 6, page(s): 759-786}. Es werden aber nicht nur die Wirksamkeit sondern auch die Wirkweise untersucht, zum Beispiel das Sinken von Stresshormonen{„Reexamining the effect of emotional freedom techniques on stress biochemistry: A randomized controlled trial.“(Stapleton, P., Crighton, G., Sabot, D., & O’Neill, H. M.). Psychological Trauma: Theory, Research, Practice, and Policy 2020, 12(8), 869–877.}.

    Und auch nicht so bekannte Verfahren, wie die Musiktherapie zeigen positive Ergebnisse{„Trauma-Informed Care in Music Therapy: Principles, Guidelines, and a Clinical Case Illustration“( Annie Heiderscheit, Kathleen M Murphy)Music Therapy Perspectives 21 July 2021}, wenn die Therapeutin angemessen geschult ist. Das Verfahren der narrativen Expositionstherapie stammt aus Schwer- und Mehrfachtraumatisierung insb. organisierter Gewalt (Krieg){„Investigating the Efficacy and Experiences With Narrative Exposure Therapy in Severe Mentally Ill Patients With Comorbid Post-traumatic Stress Disorder“(Maria Mauritz, Peter Goossens, Ruud Jongedijk, Hester Vermeulen and Betsie van Gaal)Psychological Therapies, a section of the journal Frontiers in Psychiatry 28 April 2022}.

    Es fehlen die Interessengruppen und -verbände, so gibt es wenig wirkliches Interesse und Mittel für Studien zur Komplementärmedizin und integrativer Ansätze. Erschwerend sind auch die konzeptionellen und methodischen Herausforderungen für gute Studien{„Conceptual and methodological issues in research on mindfulness and meditation“(Davidson, R. J., & Kaszniak, A. W.)American Psychologist 2015, 70(7), 581–592}.

    Meine Therapie für Dich

    Echte Berührung entspannt tief
    Echte Berührung entspannt tief

    Du bekommst immer eine individuelle Unterstützung durch mich. Am Anfang beginnen wir immer mit einer ruhigen und ausführlichen Befundaufnahme. Im Prozess praktiziere immer mit besonderem Aspekt auf Deiner Sicherheit. Dazu gehört die Anwendung der non violent Communication nach M. Rosenberg, also die Anwendung der gewaltfreien Kommunikation.

    Advanced craniosacrale Therapie

    Die Craniosacral Therapie ist ein sanfter, praktischer Ansatz zur Bewertung und Verbesserung des Craniosacral-Systems. Das besteht aus den Membranen und der Zerebrospinalflüssigkeit. Es umgibt und schützt das Gehirn und das Rückenmark.

    Traumatherapie II: Super wirksame Alternativen 8
    Craniosacrale Therapie

    CST kommuniziert mit Zellen, Gewebe, Organe und den gesamten Organismus. Veränderungen, wie zum Beispiel Spannungserhöhungen, können beeinflusst werden. In der Folge werden Schmerzen gelindert und Störungen der Funktion behoben. Es werden die natürlichen und angeborenen Heilungsprozesse des Körpers angeregt. Die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des ganzen Körpers wird gesteigert. Die Lebensqualität und Gesundheit werden gesteigert.

    Somatoemotionale Tiefenentspannung

    Der Somatoemotional Deep Release ist die Kommunikation mit den Zellen, Geweben, Organen und den gesamten Organismus mit der Frage nach Emotionen, Erinnerungen und Seelenerfahrungen, welche die natürliche Entfaltung des Individuums behindern.

    Traumatherapie II: Super wirksame Alternativen 9
    Somatoemotional deep release

    Viele körperliche Symptome können nicht vollständig gelöst und geheilt wurden, bis auch eine Emotionen, Erinnerungen und Seelenerfahrungen gelöst sind. Geeignet ist die Technik bei chronischen Erkrankungen und subklinischen Mustern. Das können schwache Immunität, Energiemangel, mangelndes Selbstvertrauen, Depressionen oder Angstzustände sein.

    Es besteht eine Verbindung zwischen physischem Gewebe und emotionalen und mentalen Aspekten. Diese können durch entsprechende Techniken der Kommunikation und Körperarbeit erreicht werden. Diese vereinen physikalische Therapie oder Psychotherapie. So können alle Aspekte der menschlichen Natur (physisch, mental, emotional und spirituell) erreicht werden. Kernmerkmal ist die Absichtslosigkeit, Hier- und Jetztsein, Sanftheit und Kreativität. Es fördert Heilungsprozesse bei Krankheit, hilft Probleme zu lösen und unterstützt das persönlichen Wachstum. Ziel ist das Erreichen eines erfüllten Lebens mit gesunder Körperaktivität, Körperhaltung und Bewegung. SomatoEmotional Release® und die Werkzeuge von CST kombinieren alle – in einem Ansatz, der enorme Veränderungen und Wachstum im Leben einer Person ermöglichen kann.

    Ergänzende Techniken

    Zur Schmerzlinderung setzte ich häufig die Tiggerpunktbehandlung ein. Zum Energieausgleich nutze ich die Akupressur (Punkte aus der traditionellen chinesischen Medizin).

    Durch meine langjährigen Erfahrung nutze ich auch alle Formen der Bewegung für Deinen Heilungsprozess. Hier suchen wir nach einer für Dich geeigneten Form. Häufig setzte ich dabei Yoga oder Tai Chi/Qi Gong Übungen ein. Es gibt aber aus der klassischen Übungstherapie und Trainingstherapie viele nutzvolle Unterstützungen. die den Heilungsprozess deutlich beschleunigen können.

    Je nach Notwendigkeit unterrichte ich Entspannungsverfahren (Autogenes Training, progressive Muskelentspannung,…) oder Tiefenentspannungsverfahren(Tra Tak), Atemübungen, Meditation und Achtsamkeitsübungen.

    Manchmal nutze ich auch Elemente aus der Theatertherapie oder Musiktherapie.

    Psychoeducation

    Psychoedukation (PE) ist die Intervention mit systematischer, strukturierter und didaktischer Wissensvermittlung für eine Krankheit und ihre Behandlung. Es werden die emotionale und motivationale Aspekte integriert, um Patienten zu befähigen, mit der Krankheit umzugehen und ihre Therapieadhärenz und -wirksamkeit zu verbessern.

    Narrative Expositionstherapie (NET)

    Durch intensives Wiedererfahren wird die Erfahrung aktualisiert. Gedanken, Gefühle, Bedeutungen, Empfindungen, Körperhaltung werden verbunden. Es werden alle Elemente der negativen Erlebnisse in der Distanz aktiviert, bis das Erlebte sich einordnen, begreifen und benennen läßt.

    Die schematische Anwendung einer oder mehrerer Elemente ist nicht geeignet, da sie nicht auf das Individuum angepasst ist.