Der Oberschenkel hat einen langen Schaft der oben abknickt: Der CCD-Winkel verändert die Ausrichtung um 126° nach innen. Der wichtigste Grund ist eine Vergrößerung des Abstandes zwischen dem Hüftkopf und den Muskelansatzflächen. Die Muskeln setzen am großen und kleinem Rollhügel sowie am Schaft und weiter unten an. Die Rollhügel und der Schaft werden durch den Hals vom Hüftkopf entfernt. Damit liegen sie weit entfernt vom Drehpunkt des Hüftgelenkes im Hüftkopf.
Der Oberschenkelknochen
CCD-Winkel
Der Begriff CCD-Winkel setzt sich aus Caput (Kopf), Collum (Hals) und Diaphyse (Schaft) des Oberschenkel (Femurs) zusammen. In der Norm hat der Winkel 126°.
Der Grund für die Form
Die Entfernung vom Drehpunkt erhöht die Hebelkraft des Muskels. Das bekannteste Beispiel am menschlichen Körper ist die Kniescheibe. Ohne sie könnten wir gar nicht aufstehen, der Muskel wäre zu schwach. Wir selber können die Hebelwirkung gut feststellen, wenn wir eine Wasserflasche nah am Körper und dann mal weit entfernt halten. Je weiter sie vom Körper weg ist, desto mehr müssen die Muskeln halten. Das kann man gut spüren.
Der Lastarm ist lang
Lastarm und Kraftarm im Modell
Je größer der Abstand vom Drehpunkt, desto effektiver wirken die Kräfte des Muskels. Da das Bein sehr lang ist und die Muskeln effektiv arbeiten sollen, benötigen sie also eine entsprechende Verlängerung vom Drehpunkt. Am Schultergelenk sind die Knochenauswüchse sehr viel kleiner.
Muskeln müssen trotzdem extrem stark sein
Der Rollhügel hat den medizinischen Namen Trochanter von griechisch Τροχος Trochos = Rad (Rolle). Es ist ein massiver Knochenauszug.
Eine Sehne klebt nicht am flachen Knochen. Biomechanisch könnten so keine Kräfte übertragen werden. Und die einwirkenden Kräfte auf den Oberschenkelknochen sind wirklich massiv. Je größer der Auszug und je punktueller, desto massiver sind die Kräfte. Am Oberschenkel, lat. Os femur, haben wir die größten Auszüge des menschlichen Skeletts. Die Tuberkel und Rauhigkeiten (Tuberositas) des Femurs bieten Ansätze für wirklich sehr kräftige Muskeln.
Von diesen Tuberkeln haben wir am oberen Oberschenkel zwei: Einen großen Trochanter major und einen kleinen Trochanter minor. Dort setzen Muskeln an und die Knochen werden quasi „heraus gezogen“. Der Trochanter minor ist Ansatz für den Hüftbeugemuskel. Am Trochanter major setzen die Abspreizmuskeln an. Abspreizen ist im Alltag nicht so primär und dafür brauchen wir auch nicht unbedingt diese massive Kraft. Aber wir benötigen die Kraft bei Anheben des anderen Beines, damit das Becken auf der Seite nicht absinkt.
Femur proximal mit Trochanter major und minor
Der CCD-Winkel ist altersabhängig
CCD-Winkel von vorn
Der normale Winkel ist 126°. Sind wir jünger, dann ist er größer. Im Alter nimmt er ab. Das führt dazu, daß die Muskeln nicht mehr in ihrer normalen Länge arbeiten können. Die innere Knochenbälkchenstruktur verändert sich leider auch, was zusammen mit dem „härteren“ Winkel bei einem seitlichen Aufprall auf den Rollhügel viel schneller zu einer Schenkelhalsfraktur führt.
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Messung des CCD – Winkels
Der CCD-Winkel kann in einem Röntgenbild bei Beachtung der exakten Ebene beurteilt werden. Im klinischen Bereich wird dafür eine Beckenübersichtsaufnahme erstellt. Die Aufnahme erfolgt ap von anterior (vorn=a) nach posterior (hinten=p). Dabei ist die Körperebene als auch die Beinachse zu berücksichtigen.
Eine erfahrene Therapeutin kann die Winkel durch einen Bewegungs- und Tastbefund erstellen. Dies wird in der programmierten Untersuchung des Bewegungsapparates erlernt. Allerdings benötigt die Praktikerin genügend Erfahrung.
Weitere Rotation
Der Oberschenkel macht zusätzlich noch eine Eigendrehung um seine eigene Achse in seiner Längsrichtung. Diese Antetorsion beträgt in der Regel 11°. Der Winkel muss bei der Berechnung des CCD-Winkel berücksichtigt werden.
Einteilung und Fachsprache
In der medizinischen Fachsprache spricht man bei einem CCD-Winkel über 130-135° von Coxa valga (valgus = schief), bei < 120° von Coxa vara (varisch=auswärtsgebogen). Die Einteilung nach der ICD 11 (Internationale Klassifikation der Krankheiten) gültig seit 01.01.2022:
FA31.0 Valgusdeformität, anderenorts nicht klassifiziert Coxa valga
FA31.1 Varusdeformität, anderenorts nicht klassifiziert Coxa vara
LB74.3 Angeborene Coxa vara
LB74.4 Angeborene Coxa valga
Seitliche Zuggurtung
Die Zuggurtung des Tractus iliotibilais verläuft vom Becken zum Unterschenkel und überspannt den Trochanter major
Der große Trochanter ist seitlich gut zu spüren. An diesem setzten die Abspreizmuskeln an. Über den Rollhügel zieht das große Band der Zuggurtung vom Unterschenkel zum Becken. Das ist ein großes flaches Band. Dieser Traktus Iliotibialis spannt und unterstützt so die Muskeln beim Einbeinstand. Der kleine Rollhügel für den Hüftbeugemuskel ist nicht so prominent auf der Innenseite des Oberschenkels (Os Femur).
Sekundärer Vorteil der besonderen Form des Oberschenkels
Die L-Form des Oberschenkels hat noch einen zweiten großen Vorteil. Sie ermöglicht einen hohen Freiheitsgrad für das knöcherne Gelenk. Im Gegensatz zur Schulter ist die Pfanne beim Hüftgelenk relativ groß und umschließt so einen Teil des Kopfes ganz gut. Bei einem geraden Oberschenkel würde dies den Freiheitsgrad (Bewegungsfähigkeit) einschränken. Der von seitlich eingeführte Kopf ermöglich im Alltag große und weite Bewegungen bei guter Knochenführung.
Folgen der Veränderung des CCD-Winkel
Eine Veränderung des CCD-Winkel ist eigentlich überhaupt noch gar nicht so schlimm. Aber selbst Medizinerinnen identifizieren dies als Problem. In der Praxis zeigt sich eine deutlich komplexere Problematik.
Der Knochenbau verändert sich im ganzen Körper
Unser Knochenbau verändert sich im ganzen Körper. Dies ist an vielen Körperstellen zu erkennen (Kopf, Rumpf, Becken). Es ist demnach ein gesamter Blick auf die Strukturen sinnvoll. Zum einen ist eine Beurteilung der Längen, Breiten und Tiefen sowie der Knochenrotationen elementar. Diese unterliegen bedingt den funktionellen Belastungen, die wir im Alltag erfahren (Beruf, Alltag). Weit größer sind die Auswirkungen auf die Weite und Offenheit der verschiedenen Faszien (Kapsel, Bänder, Gelenke, Muskeln). Hier kann es zu größeren funktionellen Einschränkungen kommen. Diese in Verbindung mit einer Veränderung des CCD-Winkel führen zu weiterführenden Problemen, wie zum Beispiel einer Schleimbeutelentzündung am großen Rollhügel oder einem Piriformis-Syndrom.
Funktionsdefizite machen das Problem
Den funktionellen Zusammenhang kann man deutlich spüren. Der große Rollhügel ist bei gut gestreckter Hüfte vorn, bei einer Hüftbeugeeinschränkung viel weiter hinten. Die funktionelle Beurteilung und Befundung ist also elementar bei einer Veränderung des CCD-Winkel und weiterführenden Problemen.
Behandlung und Therapie bei Veränderungen des CCD-Winkel
Die gute Nachricht
Eine Behandlung ist wirklich zielführend. Zum einen können die belasteten Strukturen gezielt behandelt werden und die funktionellen Defizite sind durch verschiedene Techniken/Übungen sehr gut zu therapieren.
Der kleine unscheinbare M. Piriformis kann große Probleme bereiten. Er kann einen Bandscheibenvorfall vortäuschen, indem er auf den N. Ischiadicus drückt. Er verursacht Beschwerden im Kreuzbein-Darmbein-Gelenk, indem er das Muskelgleichgewicht stört. Er kann zu einem Beckenschiefstand, Störungen des Gleichgewichts und Gangstörungen führen, weil sein Tonus zu hoch ist. Und das ist noch nicht Alles.
Fast jeder fünfte mit Kreuzschmerzen hat ursächlich ein Piriformis – Syndrom{„Prevalence of Piriformis Muscle Syndrome Among Individuals with Low Back Pain“(Farooq Islam, Hamza Mansha, Khushboo Gulzar, Asim Raza, Awais Raque and Saqlain Haider)}.
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Anatomie
M. Piriformis Schema
Du siehst den rot markierten Verlauf auf dem Bild. Er geht von innen im Becken nach außen an den hinteren Anteil vom Rollhügel. Der große und kleine Rollhügel dienen Muskelansätzen und befinden sich am Schenkelhals des Oberschenkels. Wie Du siehst verläuft der Schenkel mit dem Hals nach außen, und dann erst geht der Knochen mit dem Schaft nach unten in Richtung Knie.
Die vordere äußere Fläche des Kreuzbeins dient dem Ursprung. Von dort verjüngt er sich nach außen und geht zum großen Rollhügel hinten.
Ursprung, Ansatz und nervale Versorgung in Fachsprache
Ursprung: Os sacrum facies pelvina
Ansatz: Os ischii Incisura ischiadica major
Innervation: Direkte Äste aus dem Plexus sacralis (L5-S1) und/oder N. Ischiadicus (Skiatus)
Nervale Versorgung des M. Piriformis
Verlauf
Lig. Sacrospinale
Lig. Sacrotuberale
Dein Becken ist ein Knochenring mit den straffen Kreuzbein-Darmbein-Gelenken hinten und einer Knorpelverbindung vorn. Zusammen gehalten wird das durch viele Bänder. An bestimmten Stellen können Muskeln, Gefäße und Nerven hindurch gehen. Vorn unter dem Leistenband verlaufen die großen Beingefäße, die Hüftbeuger und der N. Femoralis. Das Sitzbein, Schambein und Hüftbein sind verknöchert und bilden zusammen das Darmbein. In der Mitte unter der Hüftpfanne ist ein Loch für den M. Obturator. Das große Loch nach hinten außen wird unterteilt durch große Bänder. Sie halten das Kreuzbein und sind das Widerlager für die Vorschwingung der Lendenwirbelsäule. Die Bänder sind sehr kräftig und dienen auch als Teilursprung für den Gefäßmuskel.
Der N. Ischiadicus und der M. Piriformis ziehen durch das Obere der Löcher nach hinten außen. Von der Vorderseite des Kreuzbeins außen geht der Muskel von der Beckeninnenseite nach außen.
Das Ischiasloch in Fachsprache
Das Lig. Sacrotuberale befestigt das untere Kreuzbein in Richtung Sitzbein. Oberhalb entsteht das Foramen Skiatum. Durch ein weiteres Band, das Lig. Sacrospinale, wird es in ein großes Foramen Skiatum magnus und ein Kleineres Foramen Skiatum minus unterteilt. Im Oberen und Größeren verlaufen der M. Piriformis und der N. Ischiadicus.
M. Piriformis (rot) mit Lig. Sacrospinale
Verlauf des N. Ischiadicus
Nervus Ischiadicus / Ischisasnerv unter dem Piriformis
Der flache Muskel verjüngt sich dabei auf einen Ansatzpunkt auf dem großen Rollhügel. Vor seinem Ansatz ist noch ein Schleimbeutel untergelagert. Es gibt noch weitere Schleimbeutel am Rollhügel (außen).
Fachsprache am Ansatz
Die Verschieblichkeit wird durch die Bursa musculi piriformis erreicht. Der Muskel setzt an der Spitze des Trochanter Major Os femur an. Dort überdecken ihn der M. gluteus medius und minimus. Nach unten schließen sich die M. Gemelli, der M. Obturatorius/Obturator und der M. Quadratus. Der M. gluteus maximus zieht hinten am M. Piriformis vorbei.
Am Ansatz trifft er auf seine Familiengenossen. Denn alle Muskeln sind entwicklungsgeschichtlich eine Einheit und ziehen in der Entwicklung von außen in Richtung Becken innen.
Funktion
Die Muskelfamilie dreht das Bein nach außen. Besonders bei gebeugter Hüfte spreizt er ab. In seiner zweigelenkigen Funktion* sichert er das Kreuzbein-Darmbein-Gelenk und dreht die Hüfte nach außen, was wiederum für den Gang wichtig ist. Er fixiert mit allen umliegenden Muskeln zudem den Hüftkopf in der Pfanne. Diese Funktion ist nicht so stark, wie die Rotatorenmanschette bei der Schulter. Dafür ist das Hüftgelenk aber auch viel besser knöchern geführt.
*zweigelenkige Muskeln fixieren am ersten proximalen Gelenk und bewegen am zweiten distalen Gelenk.
N. Ischiadicus im Verlauf nach peripher und M. Piriformis
Ursachen
Sitzen
Im Sitzen befindet sich der Muskel in einer anderen Position. Er ist leicht gedehnt und der Verlauf geht statt vertikal nach unten außen. Für kurze Zeiträume scheint das kein Problem, aber für eine längere Zeit verträgt er diese Position nicht so gut. Zudem ist die Beckenaufrichtung bei Vielen im Sitzen nicht gegeben, und auch das ermüdet den Muskel und erhöht zudem häufig den Druck aus der Sitzschale auf das Gesäß.
Hyperlordose (Hohlkreuz) / Hüftbeugekontraktur
Eine Veränderung der Lordose oder bei einem vorgebeugtem Oberkörper durch eine Hüftbeugekontraktur ändert sich nachhaltig der Verlauf im Körper. Dies honoriert der M. Piriformis sehr häufig mit einer Ermüdung, und die Schleimbeutel (siehe dort) werden gereizt.
Inaktives Stehen
Das passive Stehen in den Strukturen ohne aktiven Halt in der Muskulatur führt zu einer Überlast am Ansatz des Muskels. Regulär stehen wir aktiv in den Zuggurtungen der Muskulatur. Die passiven Strukturen sind nur eine weitere Hilfe und gar nicht dafür vorgesehen, so lange eine Stehposition zu halten.
Einseitige Bewegungen
Einseitige Bewegungen sind sehr problematisch. Hier sind es vor allem Tätigkeiten in Vorneige und mit einer ziehenden Bewegung wie zum Beispiel einen Rasenmäheranlasser ziehen. Aber auch Gartengeräte in leichter Vorneige über einen längeren Zeitraum sind problematisch (Sense).
Posttraumatisch (Sturz, Schlag, Autounfall)
Traumen können viele Strukturen betreffen. Manche reagieren schneller als Andere. Der M. Pirirformis ist schnell betroffen, da er als Sicherungsmuskel für das Kreuzbein-Darmbein-Gelenk fungiert.
Muskelhypertrophie durch Überlasten oder Entzündung
Länger andauernde Belastung des M. Piriformis quittiert er mit einer Entzündung (gern erst der Schleimbeutel) und dann über eine Zunahme des Querschnittes. Dadurch wird aber der Durchgang im Becken enger und das führt zu Einschränkung für den N. ischiadicus.
Ausgleich bei Becken-/Wirbelsäulenblockaden
Bei Blockaden im Becken (Kreuzbein-Darmbein-Gelenk, Symphyse) oder in der Wirbelsäule kommt es zur einer reaktiven Muskelverspannung und dadurch zur „Schonung“. Das ist aber eine Überlast für den Muskel.
Ischiaskompression
Der Anteil von Piriformis-Muskelverspannungen bei Ischiaspatienten sehr hoch{„Prevalence of Piriformis Tightness in Sciatic Patients“( Khusboo Gulzar, Farooq Islam, Asim Raza Thakur, Maha Shaheen, Muhammad Shaharyar Asghar and Sheikh Shahzeb)PAKISTAN BIOMEDICAL JOURNAL Volume 5, Issue 4 April 2022} .
Beckenprobleme durch Störungen der Beckennerven
Der Piriformis-Muskel kann Nervenstrukturen in der Beckenregion komprimieren und idiotypische Beckenschmerzen, viszerale Beckenschmerzen, Pudendusneuralgie und Funktionsstörungen der Beckenorgane verursachen. Es kommt zu Störungen der vorderen Ästen der sakralen Spinalnerven und zum Sakralplexus.
Auch die kleinen Beckennerven (sakrale Spinalnerven und der Sacralplexus) können komprimiert werden.
Das mediale Muskelursprungsmuster und seine vollständige Abdeckung des Foramen sacrales anterior durch den M. piriformis die häufigste anatomische Variation (43 % bei Männern, 70 % bei Frauen){„Novel anatomical findings with implications on the etiology of the piriformis syndrome“(Alexey Larionov, Peter Yotovski & Luis Filgueira)Surgical and Radiologic Anatomy 2022}. Dieses Muster kann zu einer Kompression der vorderen Äste der sakralen Spinalnerven führen, wenn sie den Muskel kreuzen.
Anatomische Variation
Der Nerv weist eine hohe Variabilität von Verteilungsmustern auf{„The sciatic nerve and and its relation to the piriformis muscle syndrome regarding daily clinical practice. A review“(Antonia Beas, Catalina Salas, Juan José Valenzuela, Mathias Orellana, Qareen Syed, Andrés Santana) the Faseb Journal 13 May 2022}. Einige Verteilungsmuster sind problematisch und führen zu einer Irritation.
Schleimbeutelentzündung
Wenn ein Bursa (Schleimbeutel) durch Überlast entzündet ist, dann reagiert der Muskel ebenfalls. Hiervon betroffen sind häufig ältere Frauen, bei denen der Winkel von Schenkelhals zum Schafft (CCD-Winkel) unter 126° sinkt. Das erschwert die Arbeit der Muskeln und erhöht den Druck.
CCD-Winkel
Kreuzschmerzen beim Sport
Der Beginn der meisten Fälle von unerklärlichen Kreuzschmerzen bei Sportlern mit Piriformis-Syndrom kann somit dem Iliosakralgelenk zugeschrieben werden{„Measurement of piriformis muscle stiffness in athletes with lower back pain and piriformis syndrome: A shear-wave elastography study with consideration of the onset of piriformis syndrome“(HISASHI HASHIMOTO, MOTOI SHIBAHARA, YUKI MIZUTA, KENTARO MIZUSHIMA)Journal of Physical Education and Sport ® (JPES), Vol. 22 (issue 7), Art 219, pp. 1748 – 1760, July 2022}.
Nach Dekompresssionsoperation bei Bandscheibenprolaps
Die Häufigkeit des Piriformis-Syndroms bei Patienten mit Lumbaloperationen nach Dekompression beträgt 36,5 %{„Frequency of Piriformis Syndrome in Patients with Post Decompression Lumbar Surgeries“(Muhammad Idrees Khan, Zohaib Khalid, Muhammad Adnan,Faiza Rashid,Qazi Farhan Ullah, Sudhair Abbas Bangash, Gulalai, Shakeel Ahmad, Faisal Ghafoor, Muhammad Jawad Ullah)Annals of R.S.C.B., ISSN:1583-6258, Vol. 26, Issue 1, 2022, Pages. 2651 – 2656 15 December 2021}.
Auch super selten: Eine Fettgeschwulst macht ein Piriformis Syndrom{„Piriformis syndrome caused by rare intramuscular lipoma: A case report“(Aroa Gnesutta; Maria Giovanna Atria; Marco Calvi; Angelica Celentano; Eugenio Annibale Genovese)Open Journal of Clinical and Mediacal Images Apr 27, 2022}.
Wie auch in der Praxis schon von mir festgestellt ist die Abnahme des CCD-Winkels eine wichtige anatomische Veränderung die eine Ursache darstellt{„Radiological Comparison of Femoral Neck–Shaft Angle in Piriformis Syndrome: A Case–Control Study“(Gamze G. Güleç, İlknur Aktaş & Feyza Ü. Özkan)Indian Journal of Orthopaedics 22.09.2022}. Es ist der Winkel zwischen Oberschenkelkopf/hals (Capu/Collum) und Oberschenkelschaft (Diaphyse). Er verändert sich im Laufe des Lebens insb. bei Frauen. Dabei nimmt er ab und es kommt zu typischen Folgeerscheinungen. Häufig sind es Schleimbeutelentzündungen am großen Rollhügel. Den kannst Du seitlich am Oberschenkel oben direkt unter der Haut tasten. Es können aber auch eine Insuffizienz der Abspreizmuskulatur auftreten. Das führt zu nachhaltigen und negativen Gangveränderungen. Und die Veränderung des CCD-Winkels kann auch ein Piriformissyndrom hervorrufen. Wenn Du mehr wissen möchtest, hier mein Artikel: CCD-Winkel: Damit die Muskeln effektiver das Bein bewegen.
CCD-Winkel
Eine Verzögerung der Diagnose kann zu chronischer somatischer Dysfunktion und Muskelschwäche sowie zu anderen komplexeren Funktionsstörungen führen{„The Effect of Physiotherapy Intervention by Using Ultrasound and Piriformis Stretching in Management to Reduce Pain in Piriformis Syndrome“(Ismaningsih,Yose Rizal Vocational Program of Physiotherapy Faculty of Pharmacy and Health Sciences, Abdurrab University Pekanbaru, Indonesia)International Journal of Innovative Science and Research Technology Volume 7, Issue 1, January – 2022}.
Folgen
Ischiasbeschwerden
Kompression des Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) durch Hypertrophie/Hypertonus des Muskels*
Es kann zu verschiedenen Einschränkungen im Becken kommmen. Dies hängt von der jeweiligen Nerv ab, welcher betroffen ist. Es kann die Steuerung der Muskeln am Becken betroffen sein (Musculus gluteus medius, Musculus gluteus minimus und Musculus tensor fasciae latae, Musculus gluteus maximus). Es kann aber auch zu sensiblen Einschränkungen kommen in der Gesäßregion oder der Hinterseite des Oberschenkel. Am Beckenboden kann es zu sensiblen oder motorischen Einschränkungen kommen. Dies nennt man Pudendusneuralgie nach dem betroffenen Nerv. Es können sowohl die Geschlechtsorgane, Damm als auch der After betroffen sein.
Wesentlich komplexer sind die viszeralen Beckenschmerzen. Sie betreffen die Beckenorgane. Die Mechanismen dieser Schmerzen entziehen sich auch heute weitgehend der Fachkenntniss{„Neurobiologie viszeraler Schmerzen“(Jänig W)2014}. In der Folge kann es zu Funktionsstörungen der Beckenorgane kommen.
ISG Probleme
Es kann zu einer akuten oder chronischen Reizung des Kreuzbein-Darmbein-Gelenkes kommen. Dies liegt sowohl an Muskelungleichgewicht, Veränderungen in den Alltags- und Gebrauchsbewegungen als auch an Ausweichbewegungen wegen Schmerzen.
Störungen der Alltags- und Gebrauchsbewegungen
Durch die Tonusveränderungen und die Schmerzen verändern sich die Bewegungsabläufe. Beim Gehen oder Treppe steigen kann sich ein Hinkmechanismus entwickeln.
*Schmerzqualität und -quantität sowie Lokalisation sind besonders wichtig
Medikamente
Muskelrelaxantien
Bestimmte Substanzen bewirken eine vorübergehende (reversible) Entspannung der Skelettmuskulatur. Bei diesen Muskelrelaxanzien unterscheidet man zwischen den direkt an der motorischen Endplatte des Muskels angreifenden peripheren Muskelrelaxanzien und den zentralen Muskelrelaxanzien, die im Zentralnervensystem den Muskeltonus herabsetzen. Entsprechend ihrem Wirkmechanismus. Typische andere Namen sind: Muskelrelaxantia, Myotonolytika
Nichtsteroidale Antirheumatika
Das nichtsteroidale Antirheumatikum, kurz auch NSAR, auch nichtsteroidales Antiphlogistikum oder non-steroidal anti-inflammatory drug wirkt entzündungshemmend (antiphlogistisch).
Injektionen von Kortikosteroiden
Corticosteroide oder Kortikosteroide (von lt. cortex Rinde und gr. stereos, gr. στερεος (stereos) fest werden in der Nebenniererinde gebildet. Kurz werden sie auch Corticoide, Kortikoide oder Cortine genannt. Das Steroidhormon sowie sein chemisch vergleichbarer synthetischer Stoffe wirken entzündungshemmend. Alle Corticoide entstehen dabei aus dem Ausgangsstoff Cholesterin.
Die Patientenreaktionen auf CT (Computertomographie) geführte Steroid- und Lokalanästhesie mit Piriformis Injektionen waren mit 56 % positiv, bei 16 % allerdings nur kurz{„A review of CT-guided steroid injections for the treatment of piriformis syndrome“(Amy Verrinder, Rahul Dharmadhikari)Clincal radiology VOLUME 77, SUPPLEMENT 2, E24, SEPTEMBER 01, 2022}.
Therapie
Sowohl die Bursen als auch das Piriformis Syndrom sind super zu behandeln. In der Therapie schaue ich mir alle Strukturen im Segment und ggf. Weitere im Körper an. So erhalte ich einen strukturellen Überblick und kann dies analysieren. Weitere Befundtechniken ergänzen dies und führen zu einer individuellen Therapiestrategie.
Bei überwiegender Verspannung hilft zudem gut Wärme, bei entzündlichen Varianten Eistherapie. Ultraschall kann die Durchblutung verbessern.
Ist der akute Schmerz reduziert, dann rücken die funktionellen Zusammenhänge in den Fokus. Die Einzelfunktion, wie zum Beispiel die Muskelkraft bestimmter Muskeln, werden erst geübt und trainiert. Anschließend werden sie dann in die Alltags- und Gebrauchsbewegungen eingebaut. Das deckt sich auch mit Erfahrungen von einer renommierten Fachkollegin und ihrem Team:
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Mobilisierung des Ischiasnervs sowie die Kräftigung der an den Piriformis-Muskel angrenzenden Muskulatur, wie der Adduktorenmuskulatur, signifikant zur Verbesserung der Symptome der Patienten beitragen, wobei beste Ergebnisse in Kombination mit entsprechenden Medikation stehen.
National Journal of Clinical Orthopaedics 2021; 5(2): 24-26 (Maria Dakou et al.)
Trainingsparameter: Mehr Genauigkeit = mehr Erfolg!
Durch genaue Bestimmung der Parameter Deines Trainings erzielst Du den optimalen Trainingsreiz. Trainingsparameter sind die Variablen beim Training.
Hinweis zu meinen Artikeln:
Meine Artikel für Dich sind keine schnellen und oberflächlichen Nachrichten. Statt eines kurzen Tweets oder eines kurzen Statusupdate erhälst Du bei mir einen ganzen Artikel mit viel Detailinformationen. Zudem gibt es bei gesundheitlichen Problemen selten eine einfache und schnelle Lösung. Der menschliche Organismus ist hochkomplex und da ist schon die Reduktion in einzelne Artikel schwierig. Wie auch in meinen Artikeln so ist auch meine Therapie. Ich nehme mir Zeit für die Befundung, die Therapie, die Übungen, die Alltags- und Gebrauchsbewegungen und selbstverständlich auch die methodische und didaktische Vermittlung. Meine PatientInnen schätzen genau das: Sehr genau und ganz exakt, dabei sanft und immer herzlich, ganz nach meinem Motto in der Therapie: „Fühle Dein Wesen in Bewegung und erlebe Dein Sein in der Therapie“.
Inhaltsverzeichnis
Häufigkeit
Wie lange brauche ich eine Pause vor dem nächsten Training? Wann ist die Erholung erreicht? Und noch wichtiger, wann bin ich im Bereich der Superkompensation? Das bezeichnet die Anpassungsprozesse im Rahmen des Trainings. Denn der Körper passt sich den Anforderungen an. Diese Adaption heißt Superkompensation. Setzt Du den nächsten Reiz zu früh, vermindert sich Dein Erfolg. Setzt Du den nächsten Reiz zu spät, bleibt der Erfolg aus.
Je nach Belastungsart und -ort ist das sehr unterschiedlich und wird durch Tests ermittelt. Als Faustregel gilt: einmal pro Woche erhaltender Reiz, zweimal die Woche gering aufbauender Reiz, ab dreimal aufbauender Reiz.
Das Modell der Superkompensation
Dieses Prinzip wurde ursprünglich für die Glykogen–Superkompensation entwickelt. Es wird aber immer noch als Modell genommen. Die verschiedenen Funktionssysteme des Körpers antworten auf die gezielte Reizsetzung unterschiedlich. Die wird auch als „Heterochronismus der Wiederherstellung“ bezeichnet. Training ist die Anpassung der biologischen Prozesse (Superkompensationsprinzip) und immer auch Bewegungslernen!
Motorische Leistungen
Je genauer die Art der motorischen Beanspruchung, desto gezielter der Trainingsreiz für Deinen Körper:
Gleichgewicht, Orientierung und Kopplungsvermögen (Abstimmung der Bewegung räumlich, zeitlich und dynamisch)
Reaktion
Rhythmus und Anpassung-/Umstellungsfähigkeit
Vereinigung von Bewegungen sowie die Fähigkeit zur Neugestaltung von Bewegungen
Schnelligkeit
Flexibilität
Gelenkigkeit
Strukturlängenvermögen (früher Dehnung, nur das hintere Längsband an der Wirbelsäule ist dehnfähig)
Beweglichkeit
aktiv (durch Muskelkontraktion)
passiv (durch das Einwirken von Kräften)
Gewebegeschmeidigkeit
Die Belastungsart wird sehr zielgerichtet bestimmt. Und sie wird punktuell um ein vorliegendes Trainingsziel fokussiert. So vermeidest Du Training ohne exakte Zielsetzung und jahrelanges Training ohne Erfolg. Ein Beispiel:
Die Lügen beim Training
Es gibt keine Kraftausdauer. Es gibt nur einen Übergangsbereich zwischen der Limitierung der Kraft und der Limitierung der Ausdauer. Aus Sport-physiologischer Sicht ist aber der Kontext zur intramuskulären und extramuskulären Koordination wichtig. Vor allem zur Vermeidung von Trainings- oder Sportschäden an den Körperstrukturen.
Es gibt noch viele andere sportliche Ungenauigkeiten. Eines der bekanntesten ist, dass Muskeln dehnfähig sind. Das stimmt nicht. Also gleich mal weg mit dem Namen. Die gleiche Übung kann unter dem richtigen Aspekt aber sehr zielführend sein:
Muskellängenübung zur Erwärmung
Muskellängenübung in der aktiven Pause
Muskellängenübung zum Einbau von Aktin- und Myosinfilamenten im Muskel (niemals ohne Aufwärmung)
Muskellängenübung zur Regeneration nach dem Sport
Ablauf bei Übung und Training
Es ist gut, sich vorzubereiten. Auch bei Deiner Übungsstunde. Dann gehe langsam in die Aufwärmung. Bereite Deine Strukturen gezielt vor. Anschließend, wenn Du noch frisch und ausgeruht bist, übst Du eine zielgerichtete Erhöhung einer einzigen Fähigkeit. Im ausdauernden Üben baust Du sie in Dein Programm ein. Danach werden gezielt Strukturen „entmüdest“. Eine Phase der Entspannung erhöht den Effekt deutlich. Zum Schluss reflektierst Du Dein Üben und fühlst ausgiebig nach.
Testabhängiges Üben und Trainieren
Intensität (Belastung während eines Satzes)
Trainingsumfang (Wie oft mache ich eine Übung oder Zeitdauer der Belastung TUT time under tension)
Satz (Wiederholung der Bewegung)
Sätze (Wiederholung des Satzes)
Umfang (Tempo oder Zeit)
Dichte (Pausenlänge zwischen den Sätzen)
Jede Veränderung der Trainingsparameter verändert Dein Training. Und die „lohnende Pause“ zwischen den Sätzen erlaubt eine unvollständige Erholung (Regelwert 2/3), führt aber zu einem höheren Gesamtumfang.
Du kannst auch auf bestimmte Trainingsmethoden zurückgreifen oder ein eigenes Programm mit Deinem Coach entwickeln. Zwei typische Beispiele:
Fettverbrennung: Möglichst viele Kalorien lokal oder allgemein aerob verbrennen (auch durch den Nachbrenneffekt bis zu 48 Stunden)
Beispiele HIIT, Tabata, Challenge
Lerne Deine motorische Zielgenauigkeit zu erhöhen und wende dann exakte Trainingsparameter an! So erhöhst Du Deinen Trainingseffekt!
Reiner Schwope
Motivation und Aufmerksamkeit
Selbst wenn wir eine exakte Bestimmung der Trainingsparameter haben, so kommt nun eine extrem schwere Kategorie für die Therapeutin oder die Trainerin hinzu. Wir müssen für den nötigen Anreiz suchen. Bei auch immer gleichen Wiederholungen muss es für Dein Gehirn am besten total unterschiedlich sein. Je höher die ungebuwsste und bewusste Aufmerksamkeit sowie unser Ansporn ist, desto mehr Effekt zeigt sich.
Trainingstagebuch
Aus der Praxis empfehle ich Dir ein Trainingstagebuch. Nehme Dir mindestens einmal pro Woche Zeit für Deine Trainingsplanung. Sie ergänzt Dein Dir gesetztes Primärziel. Ein erfahrener Coach kann Dir helfen den Trainingsplan zu optimieren.
Eigenmotivation
Denke nicht viel über Deine Motivation nach, vor allem die ersten drei Jahre. Wir sind dann noch nicht so „abhängig“. Die neuronale Verschaltung baut sich ja erst auf. In dieser Zeit einfach in die Turnschuhe schlüpfen und los. Du darfst dafür umso mehr Freude nach dem Training haben.
Nichts ist ermüdender als über Dein eigenes Training und Deine Motivation nachzudenken. Es ist DEIN „Trainingskiller“. Lasse das einfach ganz weg. Konzentriere Dich nur auf DEIN Gefühl nach dem Üben oder Trainieren. Das spüre jedes Mal intensiv. Merke, was Dir und wie es Dir besonders gut geht. Das macht dann Freude und die will DEIN Körper dann immer mehr.
Und dann möchte ich noch mit einem weiteren „Trainingskiller“ aufräumen. Deine Tagesform wird, je nach Training, mal oben und mal unten sein. Merke Dir, der Trainingseffekt ist an den Tagen am besten, wo Du Dich nur so durchschleifst.
Dafür gibt es noch eine praktische Empfehlung für Dich, was Deinen Effekt erhöht, und zwar sofort: Suche Dir eine TrainerIn oder zumindest einen Partner beim Üben und Trainieren. Natürlich ist eine echte TrainerIn perfekt, denn wenn ich alle Faktoren zusammen fasse, dann muss jetzt noch die kurz-, mittel- und langsfristige Übung- und Trainingsplanung folgen. Nur ein Profi ist in der Lage, einen solchen Prozeß ideal zu forcieren und auch das letzte herauszukitzeln.
Ein Trainingsplan führt Dich durch die vielen Wirren des Aufbaues von motorischen Funktionen. Das ist vergleichbar mit dem Erreichen eines Zieles ohne eine Karte. Ein Grund, warum so viele Menschen im Fitnessbereich keine Erfolge erzielen. Hier erhält man meistens nur ein grobes Schema zum Üben.
Du darfst aber mit Erfolg trainieren. Du bist es Dir Wert. Investiere in Deinen Körper, damit Du Dich geübt und trainiert fühlst und dadurch Kraft und Ausdauer für Deinen Alltag hast!
Du fragst Dich bestimmt gleich, was ist denn nun schon wieder lokales Ausdauertraining? Und Du hast bestimmt noch nichts darüber gehört. Wenn doch, dann beglückwünsche ich Dich. Aber ich gehe mal davon aus, Du weißt noch nichts darüber, oder Du möchtest mehr erfahren. Lokale Ausdauer wird nicht in einem Lokal ausgeübt. Und auch nicht lokal also örtlich begrenzt in bestimmten Regionen. Lokal heißt hier örtlich spezifisch irgendwo in Deinem Körper.
Lokales Ausdauertraining ist, wenn Du nicht mehr als 15 % Deiner Muskulatur arbeiten lässt. Das sind maximal 1/7 Deiner Skelettmuskulatur. Oder umgekehrt ausgedrückt: Du bewegst Muskulatur ausdauernd. Aber es sind so wenig Fasern beteiligt, dass ein allgemeiner Effekt ausbleibt, also ohne, dass Dein Kreislauf gefordert wird.
Arbeitet Dein Muskel dabei in Bewegung, dann ist das dynamische Ausdauer. Hältst Du nur ohne zu bewegen gegen einen Widerstand, dann ist das statische Ausdauer. Wobei auch die statische Ausdauer für Alltags- und Gebrauchsbewegungen durchaus sinnvoll sein kann. Wir müssen dabei nur wissen, dass der Muskel in seinem Längenzustand unterschiedlich viel Kraft erzeugen kann. Im Durchschnitt liegt die maximal Kraftausbeute in der Mitte zwischen der maximalen Länge und der maximalen Kürze.
Wieso sagen einige auch peripheres Ausdauertraining?
Ganz einfach: Die meisten Muskeln, die weniger als 1/7 der Körpermuskulatur mit Sicherheit ausmachen liegen genau dort, in der Peripherie. Also das ist schon mal ein guter Ausgangspunkt für Dich. Warum? Weil die Peripherie ein wichtiger Bereich für den Blutdruck ist. Und somit für Deine Herzbelastung. Öffnen wir die periphere Durchblutung senkt sich der Widerstand. Das Herz pumpt leichter. Und es wird zudem besser gefüllt. Also korrekt heißt es vor gefüllt. Wir arbeiten also Blutdruck senkend und Herz erleichternd. Das ist doch schon mal ein Grund die Peripherie zu trainieren. Allein darin liegt also schon ein sehr guter Effekt.
Und dann noch der positive Effekt für das zweite Herz. So heißen unsere Beinmuskeln. Sie helfen dem großen Herzen bei seiner Arbeit. Denk mal darüber nach! Wenn wir gehen, arbeiten unsere Beine im gleichen Rhythmus wie unser Herz. Mit sechzig bis achtzig Schritten in der Norm. Nun gut, auch mal mit 120. Aber dann arbeitet spätestens auch unser Herz schneller 🙂 Das nennen wir das zweite Herz. Es pumpt. Und so war es ja auch geplant. In der Urzeit saßen wir nicht den ganzen Tag herum. Wir waren ständig in Bewegung. So heißt es ja neuerdings „Sitzen ist das neue Rauchen“. Das ist nicht ohne Grund.
Patienten mit chronischer obstruktiver Lungendysfunktion (COPD, COLD) profitieren besonders
Durch Untersuchungen wissen wir, dass nicht nur Menschen mit einer Herzerkrankung besonders vom lokalen Muskeltraining profitieren{Relevance of assessing quadriceps endurance in patients with COPD (C. Coronell, M. Orozco‐Levi, R. Méndez, A. Ramírez‐Sarmiento, J.B. Gáldiz, J. Gea) European Respiratory Journal 2004 24: 129-136}. Untersucht wurden hier die Werte für die Ausdauer der Oberschenkelmuskulatur (M. Quadriceps). Er ist wichtig für eine ganz wesentliche Alltagsfunktion: Das Aufstehen und Hinsetzen. Bei Abnahme der Kraft im Muskel wird die Alltagsbewegung Aufstehen immer schwerer. Und die Folge: Immer mehr Pressatmung. Was der Lunge und auch dem Herzen gar nicht gut tut. Die Lungenbläschen (Alveolen) können die Luft nicht entlassen und immer mehr Bläschen kollabieren quasi. Am besten ist eine langsame und ruhige Ausatmung, damit alle Areale der Lunge gut entlüftet werden können. Da hilft auf jeden Fall ein starker Oberschenkelmuskel. Dann fällt uns diese Bewegung deutlich leichter.
Und noch ein schöner Effekt: Fett wird 60% schneller abgebaut
Im Muskel werden Kohlenhydrate und Fette als Energieträger verwendet und unter Sauerstoff zu Energie umgewandelt. Das machen unsere Energiekraftwerke im Muskel (Mitochondrien). Bei sehr hoher Belastung kann die Energiebereitstellung notfalls auch ohne Sauerstoff stattfinden. Dann entsteht aber Milchsäure. Die Energiekraftwerke erhöhen bei Training den Anteil der Verwertung von Fettsäuren um sagenhafte 60%{Medicine & Science in Sports & Exercise (BENTE KIENS) 29(5):640-645, MAY 1997}. Ein unglaublicher Wert. Das zeigt die Wichtigkeit von Training auch und gerade für die Gewichtsreduktion. Und wer weniger wiegt, dessen Herz kann auch leichter arbeiten. Das ist einfache Physik. Doch der Effekt geht noch weiter: Wir können Energie einfach wesentlich effektiver dem Muskel bereitstellen. Lokales Ausdauertraining ist ein Booster für die Energiekraftwerke in Deinem Muskel.
Das lokale Ausdauertraining ist perfekt für Dein Training ohne Herzbelastung
Dein Herz- und Kreislauf wird bei diesem lokalen Training nicht belastet. Es ist so begrenzt auf eine Region, da reicht der normale Blutstrom aus, also, wenn Du gerade nicht mit Verdauen beschäftigt bist. Und dann musst Du auch noch Deine bewegten Eigengewichte mit in die Waagschale legen. Aber vor allem musst Du zwei Dinge im Auge behalten:
1. Idealerweise keine Lactatbildung
Das Herz nimmt Laktat aus dem Blut auf. Es reoxidiert es. Voraussetzung dafür ist allerdings eine ausreichende Sauerstoffversorgung über die Koronargefäße. Bei einer Vorbelastung des Herzens ist ein Training mit Laktaerhöhung also nicht sinnvoll.
2. Keine Druckerhöhung
Arbeitest Du gegen Widerstand oder ist der Widerstand zu hoch, dann fängst Du an zu pressen. Doch jede Druckerhöhung ist kontraproduktiv. Also mach es ohne! Stell Dir diesen Vergleich vor: Die Muskelaktivität soll wie Fahrrad fahren sein, doch Du fährst nicht berghoch. Also eine dauernde Bewegung. Du spürst dabei eine angenehme lokale Erwärmung.
Erhöhe Deine Lebensqualität
Das lokale Muskelausdauertraining hat bei Patienten mit mittelschwerer, chronischer Herzinsuffizienz positive Auswirkungen auf die Bewegungstoleranz und die gesundheitsbezogene Lebensqualität.
Es gibt drei grundsätzliche Muskelgrößen. Natürlich ist das eine Vereinfachung. Aber es erleichtert Dir das Wichtige zu erkennen. Was Du zu beachten hast, erkläre ich Dir hier:
Kleine
Die Kleinen sitzen an den Enden Deiner Gliedmaßen, also Hand und Fuß. Sie bedienen die Endglieder. Sie neigen schnell dazu, die zu ihnen führenden Blutgefäße zu verschließen. Früher, als wir noch mit dem Füllfederhalter schreiben mussten, da wusste fast jedes Kind, wie schnell der Arm müde wurde. Um keine Druckerhöhung im Gefäßsystem zu bekommen, arbeite hier mit vorsichtiger Dosierung. Ich mache diese Muskeln gern am Anfang, dann erhöht sich sogar der Blutstrom und der Druck für das Herz sinkt. Übungen in der Peripherie können sehr schön mit Räkel-, Streck- und Gähnbewegungen kombiniert werden.
Mittelgroße
Sie bedienen Ellenbogen und Knie. Klar, die am Knie sind eigentlich stärker als die an der Schulter, aber ich sehe das nach dem Prinzip der Proportion der Extremitäten. Das ist physiologisch auf jeden Fall so. Diese Muskeln sind eigentlich die Klassiker für das lokale aerobe Training. Ich baue sie in den Mittelteil meiner Übungsreihe.
Große
Das sind die großen Beweger. Sie kann ich auch lokal ausdauernd trainieren. Aber in der Praxis hat sich heraus gestellt, das sie sich schon mehr allgemein aktivieren. Vor allem bei einem Ungeübten. Hier bietet sich dann eher an im Intervall oder in der Wechselmethode zu arbeiten. Gerade in wirklich niedrig belastbaren Gruppen hat sich dies als immenser Sicherheitsvorteil herausgestellt.
Welchen Nachteil hat das lokales Ausdauertraining?
Nun, Du wirst wahrscheinlich gemerkt haben, Du musst für einen Effekt ja irgendwie den ganzen Körper beüben. Und dann rechne mal die Zeit. Doch das scheint nur so. Ich mache es Dir vor. Hände öffnen schließen, dazu räkeln recken und strecken, gähnen nicht vergessen. Dann Füße bewegen… Du siehst an diesem Anfang, wir müssen es nur konsequent aufbauen, strukturieren und dann systematisch alle Muskelgruppen in der richtigen Dosierung ausreichend lange bewegen. Bei den mittelgroßen Muskelgruppen liegt dann der Schwerpunkt. Wenn wir beim Üben langsam Richtung Zentrum vordringen, gehen wir in die Wechseltechnik über, das ist praktischer. Doch wir können auch die Hüft- oder Rumpfmuskeln lokal arbeiten lassen. Achte nur darauf nicht zu viele einzusetzen!
Also, der scheinbare Nachteil ist gar keiner. Wir kommen bei guter Strukturierung mit 20 bis 30 Minuten täglichen Einsatzes durchaus zurecht. Du kannst aber auch zwei Einheiten machen. Dann aber lieber eine andere Dynamik wählen. Ich wechsle dann gern zur Koordination. Denn Koordination ist ja der zweite große Schlüssel, um bei gleichem Spriteinsatz mehr Power zu haben. Verstehst Du den Vergleich?
Trainiere periphere Ausdauer und die Koordination, und Du entlastest Dein Herz!
Ich wechsle auch deshalb zur Koordination, weil ein bereits ermüdeter Muskel keinen neuen Belastungsreiz mehr braucht. Und Koordination ist einfach auch schön. Und dann noch ein kleiner schöner Nebeneffekt des lokalen Ausdauertrainings: Wir bekommen im Nachzug auch mehr Kraft. Aber bitte, hier nochmal für Alle der Hinweis: Es gibt keine Kraftausdauer. Völliger Blödsinn, möchte nur wissen, wer das mal erfunden hat. Es gibt Kraft und es gibt Ausdauer. Irgendwo ist ein Grenzbereich. Aber den trainieren wir nicht. Wir trainieren lieber gezielt. Vor allem wenn es um exakte Dosierung geht. Also kombiniere in Deinen Trainingsabläufen diese im Wechsel! Und dann noch ein kleiner didaktischer Hinweis. Korrekterweise sprechen wir bei Leistungen bis 50 Watt (auf dem Ergometer) von Übung und nicht von Training.
Hinweis: Übe nie ohne fachmedizinische Untersuchung, wenn Du eine Erkrankung zum Beispiel des Herzens hast. Immerhin haben wir in Europa wirklich tolle medizinische Einrichtungen. Und dann übe am Anfang mit Physiotherapeuten, die eine fachliche Weiterbildung im Bereich Herz- und Gefäßerkranken haben.
Das Einordnen der Körperlängsachse entlastet viele Strukturen:
Wirbelsäule
Knochen
Bänder
Bandscheiben
Gelenke
Muskeln
Organe/Organstrukturen
Zwerchfell
Herz
Aorta insb. Aortenbogen
Nacken
Funktion
Gleichgewicht
Versorgung des Gehirns
Die Liste bildet einige Beispiele ab und ist nicht vollständig. Eine bessere Ergonomie im Sitzen führt zu einer deutlichen Entlastung und steigert zudem das Wohlbefinden. Wojciech Jastrzębowski schuf 1857 den Begriff Ergonomie (Ergonomik). Das stammt von altgriechisch ἔργον ergon Arbeit. Aus der Betrachtung der gesunden Haltung und Bewegung ist eine Wissenschaft geworden.
Ein ähnlicher Begriff hat eine andere Bedeutung. Die Ergotherapie unterstützt kranke oder verletzte Menschen insbesondere bei der Bewältigung ihres Alltags. Sie ermöglicht betroffene Menschen:
Eigenständige Versorgung
Gesellschaftliche Teilhabe
Steigerung der Lebensqualität
Es gibt zwei Grundziele der Ergonomie. Das primäre ist die Belastung für den menschlichen Organismus zu mindern. Das sekundäre ist es die Arbeit zu optimieren. Am Anfang stand noch die Arbeitssicherheit im Vordergrund (zum Beispiel an der Mensch-Maschine Schnittstelle, Anpassung von Arbeitsgeräten/Werkzeugen). Später schaute man mehr auf die Arbeitsbedingungen (Lärmschutz,…) und auch der Arbeitsablauf rückte mehr in das Blickfeld. In den 80er und späteren Jahren wurden diese durch psychologische Betrachtungen ergänzt. Mittlerweile hat sich aber eine ganzheitliche Sichtweise durchgesetzt. Der Mensch mit seinen Bedürfnissen steht im Mittelpunkt.
Und in diesem Artikel zeige ich Dir, wie Du für Dich einen gute Sitzposition findest.
Deine Wirbelsäule
Die Wirbelsäule ist ein flexibler Stab. Du hast sieben Halswirbel, zwölf Brustwirbel und fünf Lendenwirbel. Zwischen den Wirbeln sind Bandscheiben. Sie haben einen flüssigen Kern, welches von Bindegewebe gehalten wird. Die Wirbel haben zudem Verbindungen über kleine Gelenke.
Die Wirbelsäule von der Seite (grün=Kreuzbein, gelb=Lendenwirbelsäule, blau=Brustwirbelsäule, rot=Halswirbelsäule)
Ist die Wirbelsäule regelmäßig in Bewegung und nicht belastet, hält Deine Wirbelsäule ein Leben lang! Einseitige Haltung und Belastung führen aber schnell zu ernsten Problemen. Vor allem das lange Sitzen am Arbeitsplatz ist von Natur aus schon belastend.
Nur Bewegung ernährt die Strukturen in den Gelenken und Bandscheiben. Sie sind bradytroph. Bradytroph bedeutet mit langsamem Stoffwechsel. Bradytrophe Gewebe werden durch Diffusion aus der sie umgebenden Flüssigkeit versorgt. Sie haben nur wenige oder keine Blutgefäße auf. Nutze Pausen zur Bewegung damit Deine Strukturen gut ernährt werden.
Musst Du lange sitzen, fehlt Deiner Wirbelsäule Bewegung. Bei einseitiger Belastung kommt es zur strukturellen Überlastung.
Folgen einseitiger Belastung
Gewichte müssen gehalten werden. Und das muss Deine Muskulatur machen. Gewichte entstehen, wenn Du ein Körperabschnitt aus der Mitte heraus verlagerst. Zum Beispiel, wenn Dein Kopf nach vorn geneigt ist. Sitzt Du noch dazu und schreibst, dann hängen auch noch Deine Arme an der Achse. Die meisten Muskeln können dies baubedingt nicht lange halten. Ein Beispiel ist der Trapeziusmuskel im Nacken. Spätestens nach einigen Minuten wird der Muskel dann sauer. Durch die hohe Spannung (meistens ab ca. 30%) werden die kleinen Blutgefäße zusammen gedrückt. Die Blutversorgung wird gestoppt. Dann arbeitet der Muskel anaerob (also ohne Sauerstoff). Das Stoffwechselprodukt ist Milchsäure (Lactat). Das schwemmt in den Zwischenzellbereich. Die Übersäuerung spürst Du durch Schmerzen. Zudem ist eine koordinierte und weich abgestimmte Muskelarbeit nicht mehr möglich. Das gröbere Einstellen ist im Nacken dann besonders unangenehm. Wir empfinden uns dumpf und eingeschränkt. Dies wirkt sich wieder auf Dein Befinden aus.
Die Sitzhaltung ist im beruflichen und privaten Kontext viel häufiger als früher.
Doch niemand hat uns das Sitzen gelehrt. Selbst heute noch gibt es kaum Programme für die Schulen oder an den Arbeitsplätzen. Und das Sitzen ist nun mal ein Programm in unserem Gehirn. Ist das Programm nicht geschult, dann fallen wir schnell in eine ungünstige Sitzhaltung.
Schmerzen führen zu keiner Veränderung der Sitzhaltung1. In Folge ist häufig eine Schonhaltung zu beobachten. Das Bewegungsempfinden oder konkreter die kinästhetische Sinneswahrnehmung.
Die Schulung einer besseren Ergonomie der Sitzhaltung wird in Schritten aufgebaut:
Idee entwickeln
Forscher gehen davon von einer Wissensvermittlung aus2.{(Stephen J.Edmondston, Hon Yan Chana, Gorman Chi Wing Ngai, M. Linda R.Warren, Jonathan M.Williams, Susan Glennon, Kevin Netto)Manual Therapy Volume 12, Issue 4, November 2007, Pages 363-371}
einer „guten“ Haltung
Sitzhaltung üben
Die erste Regel lautet: Locker bleiben und weiter üben. Bewegungsprogramm benötigen etwa 10.000 Wiederholungen. Das sind umgesetzt in Zeit schon mal drei Jahre üben. Achte auf folgende Punkte:
Sitzhöhe mindestens Unterschenkellänge, der Winkel der Kniegelenke ist größer 90°.
Beide Fußsohlen sind auf dem Boden.
Füße unter oder vor den Kniegelenken.
Knie kippen nicht nach innen oder außen.
Die Oberschenkel sind leicht gegrätscht.
Das Becken muss in einer bestimmten Kippung sein (kein Holkreuz!)
Die Sitzbeinhöcker sind gleich belastet.
Das Brustbein ist aufgerichtet.
Der Nacken ist lang.
Der Kopf ist hinten.
Dies ist für die posturale Kontrolle der entscheidende Aspekt.
Posturale Kontrolle
Das Vermögen unter dem Einfluss der Schwerkraft eine aufrechte Körperhaltung zu erhalten.
Schau Dir dazu mein Video an und beginne:
Durch Klicken auf das Video wird eine Datenverbindung mit YouTube aufgebaut
Die Körperlängsachse einnehmen, ganz einfach🤗
Steigere langsam Deine Wiederholungen. Am Anfang kann man auf einem Hocker sitzend vor einer Wand üben. Nehme die Körperlängsachse ein ohne Kontakt mit der Wand. Dann schiebe Deinen Körper langsam nach hinten an die Wand. Nun überprüfe:
Berühren der Kopf, die Brustwirbelsäule und das Becken gleichzeitig die Wand?
Passt mehr als eine Handfläche zwischen die Lendenwirbel und die Wand?
Passt mehr als ein Finger zwischen die Halswirbel und die Wand?
Ist das Kinn an die Brust gezogen und der Nacken lang? Oder zeigt die Nase nach vorn? (Hier kannst Du einen Spiegel nutzen)
Bewegung lernen
Dein denkendes Ich ist kein guter Helfer. Es ist schnell mit anderen Dingen beschäftigt. Deshalb nutze alle Hilfen, die Du Dir geben kannst. Das kann schon ein kleiner Zettel am Arbeitsplatz am Monitor sein. Oder ein Programm, was Dich regelmäßig erinnert.
In der zweiten Phase wechsel das Hilfsmittel Wand zum Messen gegen einen Stock (Besenstiel reicht). So kannst Du nun auch üben die Langachse einheitlich nach vorn und hinten zu neigen. Auch eine schöne Übung für die Rumpfmuskulatur, vor allem die Bauchmuskulatur wird so sehr effektiv aktiviert.
Lerne die Körperlängsachse im Raum stabil zu neigen. So kannst Du später die Hebe- und Tragetechniken üben.
Wohlbefinden steigern
Bist Du in der Lage die Körperlängsachse einzuordnen und im Raum nach vorne und hinten zu neigen, dann kommt jetzt der nächste Schritt. Lerne die Körperlängsachse ganz minimal hinter der mittleren Position zu halten. Dabei löst Du Spannung im Rücken und Aktivierst den Bauchmuskel. Das bringt ganz tolle physiologische Effekte mit sich.
Wir können wieder gut durchatmen.
Das Herz ist ohne Kompression.
Die Nackenmuskulatur kann sich entpannen.
Die Kopfdurchblutung erhöht sich.
Die Liste ist natürlich viel länger. Ein besonderen Effekt möchte ich aber zeigen: Dein Entspannungsvermögen wird größer und Dein Energielevel steigt. Denn Du aktivierst den „Solar plexus“. Das ist das riesige Nervengeflecht im Bauchraum.
Sitzen
Du wirst das auch schon gehört haben. Es ist nicht so weit hergeholt. Der Urmensch war viel mehr in Bewegung als wir heute. Unser Organismus ist auf Bewegung ausgelegt. Also, runter vom Sofa und raus in die Natur! Wenn Deine Arbeit im Sitzen ist, dann tue alles, um die Folgen für Deinen Körper zu minimieren. Hier ein kleines Programm für Dich🤗
Sitzhaltung optimieren
Körperlängsachse einnehmen
Sitzunterstützungen
Stuhl
Tisch
Ergonomische Maus und Tastatur
Bildschirm auf Augenhöhe
…
Ausgleichsbewegungen und Übungen
Verschiedene Sitzarten und Wechsel des Arbeitsplatzes
Sitzen in der Schule
Sitzen Arbeit
Die Bestuhlung hat nach Untersuchungen geringen oder keinen Einfluss3.
Kathryn Refshauge, Leonard Bolst & Michalene Goodsell. The Relationship Between Cervicothoracic Posture and the Presence of Pain. Journal of Manual & Manipulative Therapy Volume 3, 1995 – Issue 1 ↩︎
Stephen J. Edmondston, Hon Yan Chan, Gorman Chi Wing Ngai, M. Linda R. Warren, Jonathan M. Williams, Susan Glennon, Kevin Netto. Postural neck pain: An investigation of habitual sitting posture, perception of ‘good’ posture and cervicothoracic kinaesthesia, Manual Therapy, Volume 12, Issue 4, 2007, Pages 363-371 ↩︎
Mieke A.A., De Bruyne, Lieven Danneels, Véronique Braet, Evelyn Van De Sijpe, Maaike Vanwijnsberghe, Lieselot Verhenne, Tine Willems. Do stool types have an influence on cervicothoracic muscle activity and cervicothoracic posture among dentists/dental students? Applied Ergonomics Volume 97, November 2021, 103519 ↩︎
„Ich hätte nicht gedacht, dass Atemtherapie so viel kann“ sagte die leitende Oberärztin Frau Dr. K. nach meinem Vortrag auf der Ärztefortbildung. Sie war nun zufällig auch gleichzeitig meine Chefin auf einer Intensivstation, für die ich zuständig war. Der Beginn einer tollen Zusammenarbeit.
Atemtherapie
Die Atmung auf willkürlichem und unwillkürlichem Wege verändern.
Will man das weite Feld der Atemtherapie irgendwie zusammen fassen, so würde ich folgende Zusammenfassung wählen:
Prophylaxe, Therapie und Rehabilitation bei fast allen akuten Erkrankungen
Minderungen der Folgen chronischer Erkrankungen insbesondere Atemerkrankungen sowie Herz- und Kreislauferkrankungen
Stimulation (meist entspannend) auf das vegetative Nervensystem
Anwendung in Kombination mit Bewegungslernen
Stimm-, Sprach- und Atemschulung
Atemtherapie
Ziele
Die Atmung erleichtern, die Atemmuskulatur kräftigen oder entspannen, den Brustkorb mobilisieren, die Lunge schützen (vor einer Entzündung/Pneumonie), Sekrete ableiten, Sekretabtransport, Sauerstoffumsatz effektiver verwerten, Entlüftung verbessern.
Die Atmung findet in der Regel unbewusst statt. Atemtherapie kann diesen Vorgang bewusst machen. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten Atemtherapie zu machen. Die bekannteste Technik sind:
Ausdauertraining (allgemeines aerobes Training)
Veränderung der Ausgangsstellungen
Bewegungstherapie mit Wirkungen auf den Schultergürtel, den Thorax, das Zwerchfell oder die Bauchmuskulatur
Reflektorische Atemtherapie
Bindegewebsmassage
Ist Atemtherapie alternativ?
Es gibt viele, die unwissend sind. In der Medizin ist das auch so. So wird die Atemtherapie zu den alternativen Heilverfahren gezählt. Das ist grundlegend falsch. Atemtherapie gehört zu den ältesten klassischen medizinischen Anwendungen. Die wissenschaftlichen Wirknachweise sind umfangreich und vielfältig. Und auch die Alternativen zu den klassischen Atemtherapie sind hochwirksam:
Meditationen
Yoga/Pranayama
Tai Chi
Qi Gong
Vokalatmen/Mantrensingen
…
Atmung und Psyche
Weniger bekannt sind Atemtherapien, die mehr psychologisch ausgerichtet sind:
Zu Ergänzung noch der Hinweis auf ggf. gefährliche Atemtechniken, da die Forcierung auch Gefahren birgt. Dazu zählt das holotrope Atmen nach Stanislav Grof unter anderem. Normalerweise sind Atemtechniken aber super safe, denn Dein Atemzentrum hat gleich zwei Sicherungen, gegen die Du nicht atmen kannst.
Die Mär der Atemtypen
Und noch eine Ergänzung. Es gibt die Idee von Atemtypen. Die Terlusollogie (aus lateinisch terra Erde, luna Mond und sol Sonne, sowie griechisch λόγος Logik) geht von zwei Atem- bzw. Konstitutionstypen aus. Meine Erfahrungen können dies nicht verifizieren.
Was gehört zur Atemtherapie?
Zur Atemtherapie gehören die
Atemtherapie
Atemübungen
Atemtraining
Atemtherapie umfasst aber auch körperliche Übungen und Training. Häh? Ja, wir können durch die Verbesserung der Koordination lokale und allgemeine Ausdauer den Sauerstoffverbrauch in der Peripherie senken. Entspannung hilft dabei und wirkt wiederum über das zentrale Nervensystem. Für die Erhöhung der Effektivität der Verbraucher habe ich einen speziellen Artikel geschrieben:
Doch bevor wir in die tieferen Techniken kommen, möchte ich Dich einladen überhaupt erstmal in Kontakt mit Dir und Deiner Atmung zu kommen. Und dazu möchte ich Dir eine meiner Lieblingsatemübungen vorstellen:
Diese Video wird aktuell neu erstellt und erscheint in Kürze!
Warum also wunderbar sanft?
Es gibt Dir eine gute Idee, wie eine hocheffektive Therapie doch so wunderbar sanft daherkommt. Alles andere ist funktionell nicht sinnvoll. Kann ich es noch deutlicher sagen? Das Forcieren der Atmung kommt überhaupt nicht vor!!! Wir lassen uns erstmal auf unsere Atmung ein. Mehr nicht!
Also, stell Dir vor, Du bist das erste Mal bei jemanden zu Besuch. Da gehst ja auch nicht rum und stellst erstmal alle Möbel um, damit es so ist, wie es Dir gefällt. Du schaust erstmal, wo Dir ein Platz angeboten wird. Vielleicht beim x-ten Besuch kannst Du dann Deinen Eindruck mitteilen, dass Du meinst irgendwas passt irgendwie besser, so oder so.
Kontaktaufnahme mit Deiner Atmung
Und genau das ist meistens der Fehler bei Atemanleitungen. Wir müssen quasi erstmal „einrasten“ in der eigenen Atmung. Setzt Dich also hin und spüre, wie es Dich atmet. Das ist immer der erste Schritt in der Atemtherapie. PUNKT. Nun kannst Du Deiner Atmung helfen und Deine Sitzhaltung optimieren. Richte Dich sanft auf und öffne das Zwerchfell.
Der Trick der Ausgangsstellungen
Durch die Ausgangsstellung kannst Du schon ganz viel erreichen. Bedenke: Oben liegende Lungenabschnitte werden besser belüftet und die unteren mehr durchblutet. Allein die flache Atmung in Rückenlage verschließt schon bei Gesunden über 35 Jahren hinten, unten liegende Lungenabschnitte. Ergo kann ein Patient durch das bloße Aufrichten schon etwas sehr Gutes und Effektives tun.
Übe Pranayama und komme wieder zu Dir!🤗
Herzfrequenz-variabilität
Heart rate variability
Die Variation der Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Herzschlägen ist ungleich. Bei gesunden erwachsenen Menschen beträgt sie in Ruhe etwa eine Zehntelsekunde. So passt sich Dein Körper körperlichen und psychischen Herausforderungen an. Bei Dis-Stress schränkt sich diese Anpassung ein.
Entspanne Dich mit Atemtherapie und tue etwas Gutes für Dein Organismus. Mit zentrierter Atmung, wie Sheetali/Sheetkari kannst Du Dich super entstressen😀{„Investigating components of pranayama for effects on heart rate variability“(Erica Sharpe, Alison Lacombe, Adam Sadowski, John Phipps, Ryan Heer, Savita Rajurkar, Douglas Hanes, Ripu D.Jindald, Ryan Bradley)Journal of Psychosomatic Research Volume 148, September 2021}.
Bald zeige ich Dir hier ein Video über Ausgangsstellungen und Sheetali/Sheetkari, wie sie Dir helfen können. Aber wie es bei mir immer so ist, meine Artikel wachsen und gedeihen mit der Zeit. Also schau mal wieder vorbei, es wird sich für Dich lohnen. Für jetzt und hier freue ich mich auf Deine Kommentare oder gern auch Anfragen, denn Üben mit mir ist noch viel schöner als nur Videos anschauen oder Artikel lesen. Alles GUTE Dir💐🤗
Verspannungen und Schmerzen im Bereich des Nackens sind heute sehr häufig. In den 70er und 80er Jahren waren Beschwerden in der Lendenwirbelsäule typisch. Warum trifft es heute so häufig den Nacken. Wieso sind die Halswirbelsäule und die tiefen und oberflächlichen Halsmuskeln betroffen. Heute leidet jeder dritte mindestens einmal im jahr an daran.
Tonus Grundspannung
Nackenverspannungen medizinisch gesehen
Symptom – Syndrom – Diagnose: Mal einfach erklärt!
Erkrankungen oder Verletzungen verändern das Empfinden. Die Wahrnehmungsbreite geht von Gefühllosigkeit bis hin zu starken Schmerzen. Dieses persönliche Empfinden nennt man persönliche Wahrnehmung oder subjektive Symptome. Symptom hat griechische Wurzeln und bedeutet zusammen (συν=syn) fallen (πτώση≈ptom). Von anderen wahrnehmbare Zeichen, nennt man klinische Zeichen oder objektive Symptome. Medizinische Werte werden durch verschiedene Verfahren gemessen. Eine typische Kombination von Symptomen nennt man Syndrom. Syndrom ist wieder griechisch und bedeutet zusammen (συν=syn) laufen (δρομή=dromi). Daraus können Anzeichen für bestimmte Erkrankungen gesehen werden. Diese Diagnose bringt durch (διά=diá) Wissen (γνώσις=gnósis) Erkenntnis. Die Erkenntnis wird in einem Befund festgehalten. Die „Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD)“ gruppiert die Diagnosen.
Doch warum verspannen die Muskeln auf einmal? Wieso schaltet das Nervensystem auf mehr Grundspannung? Wer oder was löst bei einer Nackenverspannung die Verspannung aus? Und wie das nun mal so ist, da gibt es gleich eine ganze Reihe von „Diagnosen“. Doch was ist denn eigentlich erstmal eine Diagnose und was unterscheidet sie von den Ursachen? Dabei geht es nämlich ganz buchstäblich um die Frage: WER FÄLLT DENN DA AUF?
Klassische Diagnose
Überlast im Muskel durch zu lange und zu viel Haltearbeit. Das kann Dir sehr leicht passieren, zum Beispiel durch eine sitzende Tätigkeit am Computer. Denn die meisten Menschen sitzen nach vorn geneigt und blicken dann auf den Monitor nach unten. Zudem sind die Arme auch gefordert durch die Bedienung der Tastatur und der Maus.
Blockierung in der Brustwirbelsäule. Ja, das wissen viele Menschen (und auch manch ein Kollege von mir) gar nicht. Viele Nackenverpannungen resultieren aus einer Blockierung der kleinen Gelenke in der Brustwirbelsäule oder einer Verbindung zu den Rippen. Über den Seitenstrang werden die Neuronen in der Halswirbelsäule getriggert.
Blockierung
Eine Blockierung (auch reversible segmentale Dysfunktion) ist in der manuellen Medizin die vorübergehende Einschränkung der Beweglichkeit eines oder mehrerer Gelenke. Eine echte Blockierung, zum Beispiel durch einen freien Körper im Gelenk, kommt eher selten vor.
Noch eine Ferndiagnose
Beinlängendifferenzen und Beckenschiefstände wirken sich nicht nur in der unteren Extremität aus. Das System der Wirbelsäule ist wie eine Kette miteinander verbunden. So führt jede Veränderung an der Basis zu einer Veränderung weiter oben. Und die Lordose (Hohlstellung) der Lendenwirbelsäule kommuniziert mit der Lordose der Halswirbelsäule. Zudem wirkt eine Einschränkung der Streckfähigkeit in der Hüfte sich auch negativ auf die Halswirbelsäule aus.
Lordose und Kyphose
Die Lordose ist eine nach vorne gerichtete natürliche Krümmung unserer Wirbelsäule. Ist Dein Rücken gesund, dann hast Du diese Krümmungen in der Lenden- und der Halswirbelsäule. Die nach hinten gerichteten Krümmungen, Kyphosen, findest Du in Deiner Brustwirbelsäule und zwischen Kreuzbein und Steißbein (da sind die Wirbel allerdings zusammen gewachsen).
Korrespondierende Diagnose
Die Craniomandybuläre Dysfunktion (CMD) korrespondiert mit dem Nacken. Doch was ist „CMD“ eigentlich? Es ist ein Überbegriff für eine Fehlregulation der Muskel- oder Gelenkfunktion der Kiefergelenke. Und woher kommt der Name? Cranio ist lateinisch und ist übersetzt der Kopf. Mandybulär, auch Latein, ist der Kiefer. Schon die enge Nähe bedingt das Übergreifen von Störungen in einem System zum Anderen. Die eigentlich Ursachen für „CMD“ sind ganz unterschiedlich:
Strukturell (Ober- und Unterkiefer stehen in einer ungünstigen Stellung zueinander, Zahnfehlstellungen, Kieferentwicklungsstörungen,…)
Funktionell (Gestörtes Gleichgewicht zwischen Zähnen, Muskeln und Kiefergelenk)
Ach so, in der Medizin gibt es ja häufig mehrere Bezeichnungen für Eine und Dasselbe. Gelegentlich wird Cranio auch mit „K“ geschrieben. Und dann gibt es auch noch Namen wie Cranio-Vertebrale Dysfunktion (CVD), craniomandibuläre Störung (CMS), temperomandibuläre Joint-Desease (TMJ), temporomandibuläre Disorder (TMD) und die temporomandibuläre Funktionsstörung.
Korrespondierende Diagnose II
Sehr gern bildet sich eine zweite Kumpanei heraus. Die zwischen Kopfschmerzen und Nackenverspannungen. Da gibt es dann verschiedene Varianten: Spannungskopfschmerz, Migräne oder gar Kopfschmerzen mit Sehbehinderungen oder Gleichgewichtsstörungen.
Weniger bekannte Diagnosen
Bestimmte Stellen der Halswirbelsäule sind nerval mit inneren Organen verbunden. Diese Vereinfachung spart Nerven und somit Gewicht. Der Mensch ist wie alle Lebewesen nach dem Prinzip der höchsten Ökonomie gebaut. Magen und Leber sind die typischen Korrespondenzorgane. Nicht häufig, aber es kommt immer mal wieder vor.
Befürchtete Diagnose
Wir wachen morgens auf, machen eine falsche Bewegung oder es ruckt einfach so in der Halswirbelsäule. Und wir haben eine Blockierung in einem kleinen Gelenk der Halswirbelsäule. Eine sehr typische ist am 4. Halswirbel, dort sitzt der Knick der Hohlschwingung. Oder weiter oben. Der Atlas und der Axis, das sind der erste und zweite Halswirbel, sind unglaublich fragil. Und damit nicht genug. Im Übergang zur Brustwirbelsäule sitzt der promintente Wirbel, der siebte Halswirbel. Auch er neigt gern mal zu einer Blockade.
Blockierung II
Wenn wir das Gefühl einer Blockierung haben, so ist es in Wahrheit meistens eine „reversible hypomobile arthromuskuläre Funktionsstörung“. Äh, wie bitte?
reversible = geht wieder weg
hypomobil = bewegt sich nicht oder nicht mehr ausreichend
arthromuskulär = die Muskel haben soviel Grundspannung, dass sich das Gelenk nicht frei bewegen kann
Das ist außerdem der Grund, warum ich nur noch einer von einhundert Patientinnen eine manuelle Behandlung anbiete. Im Kontakt mit dem betroffenen Wirbel kann ich mit den sanften Griffen der Craniosacralen Therapie den Strukturen meistens viel eher helfen. Und ist ein Wirbel nicht frei und gelöst, so erhöht sich auch die Festigkeit in den Nachbarwirbeln, aber auch in weiter entfernt liegenden Wirbeln. Das liegt an der funktionellen Einheit. Dies muss die erfahrene Therapeutin berücksichtigen.
Belächelte Diagnose
Lange Zeit wurden manche Patienten belächelt oder wurden in die „Psycho“-Schublade gesteckt. Es waren Patienten mit Nackenverspannungen auf Grund seelischer oder psychischer Konflikte. Heute ist dies alles bestens erforscht, und wir wissen genau, wie innere Konflikte oder psychische Belastungen in den Körper wirken. Dabei ist der Nacken sicher viel anfälliger als andere Bereiche. In der Therapie mit der somatoemotionalen Tiefenentspannung können wir dies sehr häufig direkt fühlen.
Vergessene Diagnose
Liegt ein altes Schleudertrauma vor, besteht nicht nur körperlich sondern auch psychisch häufig eine Nachlast. Alte Traumen können immer wieder chronische Beschwerden verursachen. Auch wenn wir sie nicht im Zusammenhang sehen, es gibt immer wieder Fälle, da „poppt“ etwas in unserem Körper auf.
Volksmündliche Diagnose
Ich habe Zug bekommen, sagt man gern. Oder ich habe einen Hexenschuss (ja, sie kann auch hoch schießen). Hier kommen wir an Grenzen der Erklärungsmodelle. Das müssen wir uns eingestehen. Beim Zug kann man über den Umweg der Hautrezeptoren (Messfühler für Temperatur) noch so ein bisschen physiologisch argumentieren. Doch bei der Hexe, na ja, ist wohl mehr eine Sache des Glaubens. Aber was wissen wir schon? Vor Jahren glaubte man nicht an menschliche Felder, heute können wir sie messen…
Blockierung II
Im Mittelalter konnte man sich die stechenden Schmerzen, die im Bruchteil einer Sekunden bewegungsunfähig machen, nicht erklären. Da müssen doch übernatürlichen Kräften im Spiel sein. Und eine böse Hexe. Die wird mit einem Pfeil auf den Rücken geschossen haben. Oder sie hat den „bösen Blick“ angewendet. Noch bis in die Neuzeit hielten sich solche Ideen, wie eine Forscherin ausreichend dokumentiert hat{Rösing, Ina. 2003. Religión Cotidiana en los Andes. Los Diez géneros de Amarete. IberoAmericana. Vervuert, p.334.}.
Ursachenforschung: 4 individuelle Faktoren
Du weisst jetzt, welche Strukturen betroffen sein können. Aber warum nur passiert das? Ich habe mal die vier wichtigsten Faktoren zusammen getragen. Aber das soll Dir nur einen ersten Einblick geben. Denn die Faktoren sind individuell und die Liste reicht viel länger.
1. „Sitzen ist das neue Rauchen“
Langes Sitzen ist Gift für Dich. Das zeigen mittlerweile viele Untersuchungen. Gibt es genügend Ausgleich durch Bewegung, dann ist es meistens kein Problem. Sitzen ist einfach keine natürlich Position. Sie kam erst mit der industriellen Revolution an die Arbeitsplätze und in die Stuben. Bekannt ist der Bugholzstuhl, der etwa ab 1850 Verbreitung fand. Davor hockte das „Fußvolk“ am Boden um die Feuerstelle.
Schreibarbeiten wurden lange im Stehen verrichtet. Es diente dabei ein ergonomisches schräges Pult. Auch das änderte sich mit der industriellen Revolution. Nun saßen die Beamten und Verwaltungsangestellten. Aber es wurde gestempelt, Akten bewegt und händisch geschrieben. Die Bewegungen haben sich immer mehr minimiert. Heute sind die Bewegungen der Arme und des Kopfes (mit seinen Augen) so gering, dass die Haltearbeit überwiegt.
Doch selbst das Büroleben wird immer einfältiger. Früher war ein Plausch am Kopierer oder in der Kaffeeküche normal. Heute sind viele Arbeitsprozesse stringent durchgetaktet. Also fallen die gesunden fünf bis zehn Minuten Pausen in den Mülleimer der guten vergessenen Dinge. Dabei sind Pausen ja nicht nur für den Nacken gut!
Tipp
Wechsel mal Deine Position! Mal Stehen, mal etwas im Fersensitz und dann Gehen. Ein Wechsel entlastet sofort!
Eine weitere typische Ursache sind Kompressionen im Schlaf. Sie entstehen durch zu hohe und/oder falsche Kopfkissen. Und auch durch die nicht richtig angepasste Matratze. Ich selber lag viele Jahre auf einer viel zu harten, bis ich dann die für mein Gewicht richtige gekauft habe und seit dem wohlig schlafe. Wie wichtig der Schlaf für uns ist, kann man gar nicht genug betonen: Hier regenerieren wir uns. Und bei Belastungen bietet der Schlaf genau die Erholung, die wir brauchen.
Tipp
Achte auf Deinen Schlaf und wie Du Dich am Morgen fühlst!
Nachweislich sehr günstig ist dann den Schlaf noch durch ein wenig wohlige Gymnastik am Morgen zu fördern. Das braucht gar nicht lange zu sein. Es reichen durchaus zehn bis fünfzehn Minuten.
3. Doch selbst Sport kann den Nacken verspannen
Viele Radfahrer kennen es, nach einer langen Tour ist der Nacken verspannt. Das liegt an unserer nach vorne gebeugten Sitzhaltung und dem in den Nacken gelegten Kopf. Ist dann noch der Ellenbogen gestreckt, ist es eigentlich schon nahe liegend, dass der Nacken verspannt. Aber die ungedämpfte Haltung kann noch viel gefährlicher wirken, es kann zu Blockaden im Nackenbereich kommen. Also lieber die Ellenbogen locker und in Richtung Körper gedreht. Oder noch lieber auf ein gut gedämpftes Rad zurück greifen, auf dem Du entspannt aufrecht sitzen kannst. Es gibt ja heute gute Federungen bei modernen Rädern.
Tipp
Achte beim Sport auf die Reaktionen Deines Körpers und verändere bei Bedarf die Ausführung!
Es gibt noch weitere Beispiele aus dem Sport, doch die kann ich hier gar nicht alle aufzählen.
4. Auch die Psyche wirkt auf den Nacken
Wer kennt die Aussprüche nicht, wie „mir sitzt etwas im Nacken“ oder „mir lastet so viel auf den Schultern„. Mediziner haben lange darüber gelacht. Heute wissen wir wissenschaftlich1 belegt: Die Aussagen können stimmen! Nicht nur zu hohe Anforderungen belasten den Körper, auch psychische Probleme haben in jedem Körper Auswirkungen. Mit steigendem Alter nehmen die Beschwerden in der Regel zu, wenn wir nichts dagegen unternehmen.
Tipp
Eine simple Ampel kann Dir helfen aufzuzeigen, ob es Dir gut geht. Grün=gut, gelb=solala und rot=schlecht. Bei rot mache eine Pause, bei gelb sei achtsam und bei grün ist alles bestens.
Ein junger Mensch steckt manches einfach noch besser weg. Doch vor allem länger anhaltende Belastungen und fehlender Ausgleich zeigen: Dein Nacken ist ein sensibler Bereich und es lohnt sich etwas für ihn zu tun. Aber keine Bange: Untersuchung haben gezeigt, dass die meisten Menschen mit über 50 wieder glücklicher und weniger stressanfällig sind.
Nackentonus in Abhängigkeit mit verschiedenen Einflußfaktoren
Klar es gibt noch mehr Faktoren, aber das sind erstmal die Wichtigsten. Erwähnenswert sind vielleicht noch Verletzungen (Traumen).
Wer ist konkret von der Spannungserhöhung betroffen?
Der typische Fall
Der Kapuzenmuskel von hinten. Er liegt großflächig direkt unter Deiner Haut.
Der Kapuzenmuskel (M. trapezius) ist am meisten betroffen. Er reagiert vor allem auf die Überlast. Seine Fasern ziehen vom Hinterhaupt in Richtung Schulterdach. Dort sitzt dann auch die Verspannung. Mitten im Muskelbauch, manchmal schon mit bloßen Auge gut erkennbar. Der Kapuzenmuskel hat auch Anteile zwischen den Schulterblättern und weiter nach unten. Diese haben aber andere funktionelle Aufgaben. Doch ist es gut sie zu kennen, wie wir bei den Übungen noch sehen werden.
Hier eine tolle Übung in einem Artikel über den Kapuzenmuskel:
Der Schulterblattanheber hat einen runden Muskelschlauch. Du kannst ihn seitlich der Dornfortsätze Deiner mittleren Halswirbel tasten.
Der Schulterblattanheber (M. Levator Scapulae) ist auch häufig verspannt. Er regiert vor allem auf Blockierung in der Brust- und Halswirbelsäule. Ein unangenehmer Zeitgenosse, wenn er verspannt ist. Aber er reagiert auch langfristig auf funktionelle Schulterveränderungen. Vor allem, wenn das Schulterblatt ungünstig positioniert ist (Mausnutzung einseitig…). Besonders gereizt ist er bei Blockierungen des vierten Halswirbels. Und er macht gern Fernwirkungen in den Organen Magen und Leber.
Der sehr gemeine Fall
Viel tiefer als die beiden anderen Muskeln. In Verlängerung nach oben siehst Du den Kopfbeuger. Sie bilden über die Querfortsätze eine Einheit.
Den möchte wirklich keiner haben. Seitlich am Hals sitzt der Rippenhaltermuskel oder Treppenmuskel (M. Scalenus). So schön wie sein Name, so unangenehm wenn er schmerzt. Auch er reagiert auf Blockierungen, typischerweise in der Brustwirbelsäule. Sein Verlauf ist von den Querfortsätzen der Wirbelsäule zu den Rippen. Durch eine Lücke zwischen den Muskelanteilen zieht auch das Nervengeflecht für den Arm (Plexus brachialis).
Tiefe und oberflächliche Muskeln
Der Trapezius und Levator sind eingewanderte Muskeln (allochthonen). Sie gehören also zum Arm und wachsen dann Richtung Rumpf. Solche Muskeln werden aus den vorderen Ästen (Bauchäste/Rami ventrales) der Spinalnerven versorgt.
Anders sieht es bei den eigentlichen Muskeln des Rumpfes aus (autochthon). Sie werden aus den Rückenästen (Rami dorsales) der Spinalnerven innerviert und liegen mit allen anderen „tiefen Muskeln“ in der großen Rumpffaszie (Fascia thoracolumbalis).
Er gehört also zu den tiefen Rückenmuskeln. Dies ist für eine exakte Therapie wichtig! Sein Schmerz ist etwas atypisch. Er ist eher ziehend oder reißend. Und er tritt rhythmischer auf, immer mit der Atembewegung. Kein schöner Genosse im Schmerz. Und da er mit den tiefen Rückenmuskeln im Bunde ist, kann er auch bei diesen Schmerzen mit verursachen. Dann sind selbst kleinste Kopfbewegungen oder Laständerungen äußerst unangenehm.
Wird das Nervengeflecht gedrückt, dann kommt es auch zu Schmerzen im Arm. Diese können nicht nur in der Schulter, sondern auch weiter entfernt (peripher) auftreten. Es gibt einige typische Stellen am Ellenbogen und am Handgelenk.
Die vielfältigen Auswirkungen von Nackenverspannungen
Deine Strukturen sind in einer Beziehung zueinander. Ich habe oben aufgezeigt, was auf den Nacken wirkt. Nun geht es um die vielfältigen Auswirkungen.
Lokale Schmerzen
Erhöht sich die Grundspannung (Tonus) der Muskulatur über 30%, dann wird die Blutzirkulation stark bis ganz limitiert. Der Muskel wird nicht mehr versorgt und kann auch seine Abfallprodukte nicht mehr beseitigen. Der Muskel fällt in ein saures Milieu. Und dies mag er gar nicht. Dadurch werden die Schmerzrezeptoren angesprochen. Diese wiederum signalisieren dies zur zentralen Verarbeitung im Rückenmark. Von dort und auch direkt lokal entstehen Entzündungen. Wir können in der Therapie manchmal richtige „Eier“ tasten. Dann ist die Verspannung schon chronifiziert und es gibt lokale Müllabladeplätze.
„Übersäuerte Muskeln“
Die Muskulatur benötigt Energie zur Muskelarbeit. Du weißt das sicherlich noch aus dem Biologie-Unterricht. Dafür gibt es zwei Wege: Der meist genutzte mit Aufnahme von Sauerstoff und Abgabe von Kohlendioxid (aerob). Gibt es davon nicht genug, dann stellen wir Energie anders her (anaerob). Großer Nachteil: Es entsteht ein Salz der Milchsäure (Laktat). Der pH-Wert sinkt. Der Muskel übersäuert. Übersäuerte Muskeln verhärten und schmerzen. Und: Eine Übersäuerung ist kein Muskelkater.
Kopfdruck und Kopfschmerz
Die großen Nackenmuskeln ziehen direkt an der Hinterhauptkalotte. Zudem ist auch die rückwärtige Durchblutung eingeschränkt. So entsteht nicht selten bei Nackenverspannungen auch Kopfdruck. Dieser kann unter Umständen sehr heftig sein. Der Kopfdruck, der sich häufig wie ein Bummern oder Wummern, anfühlt kommt von dem hohen Druck in der Muskulatur, kann aber auch neuronal vermittelt werden.
Nicht selten ruft die Nackenverspannung nicht nur Kopfdruck aus. Es kann auch zu Kopfschmerzen kommen. Die Stärke und die Qualität variieren dabei sehr stark. Zum Teil können Betroffene dann nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen. Sehr typisch sind Spannungskopfschmerzen für Nackenverspannungen.
Verminderung des Gleichgewichts bis zum Schwindel
Die Erhöhung der Grundspannung wirkt nicht nur auf die Mikrozirkulation. Es vermindert die freie gelöste Beweglichkeit Deiner Halswirbelsäule.
Gleichgewicht in Deinem Körper Muskeln
Dein Gleichgewicht wird durch drei Sinneswahrnehmungen zusammen koordiniert. In Deinem Innenohr ist das zentrale Gleichgewichtsorgan. Es sagt Dir, wie Dein Kopf im Raum steht (oder sich bewegt). Die Augen können das unterstützen (Abgleichung des Horizonts). Um Deinen Körper in seinen unendlichen Gelenkeinstellungen zu koordinieren, zum Beispiel beim Gehen, werden Rezeptoren genötigt. Die findest Du sie im gesamten Körper: Spindeln in Muskeln, Stellrezeptoren in Gelenken und Faszien.
Kann Dein Kopf sich nicht frei und gelöst bewegen, dann senden Deine Stellrezeptoren und das Innenohr im Nacken weniger „fließende“ Daten. Es „ruckelt“ bei der Auswertung. Wir verlieren bei Erhöhung des Tonus also deutlich an koordinativem Vermögen.
Gleichgewicht in der Wirbelsäule
Die beiden Hohlschwingungen in der Wirbelsäule übernehmen eine sehr wichtige Funktion für Dein Gleichgewicht. Die Lendenwirbelsäule ist für die Grobeinstellung verantwortlich. Die Halswirbelsäule ist dann für die Feineinstellung wichtig. Der Brustwirbelsäule mit dem Brustkorb fehlt dafür die Beweglichkeit.
Aus meiner praktischen Beobachtung sind besonders Verspannungen um das Hinterhauptloch sehr einschränkend für Dein Gleichgewicht. Das Gleiche gilt für Fehlstellungen Deines obersten Halswirbels, des „Atlas“.
Nackenverspannung und Übelkeit
Wie schon oben berichtet, teilen sich Nerven eine Nervenwurzel. Dabei können Probleme in dem einen System (Muskel) auch Probleme in dem anderen System (Organ) verursachen. Aber auch zentralnervös macht die Spannung im Nacken unwohl. So können auf zwei Wegen bestimmte Organe (hier Leber und Magen) mit betroffen sein.
Es gibt aber noch einen Weg, wie Übelkeit durch Nackenspannungen über zentralnervös ausgelöst wird. Denken wir nur mal an die „Seekrankheit“. Da löst bei manchen schon ein leichtes Schwanken Übelkeit aus.
Nackenverspannungen können auch Symptome in den Augen machen
Über die Veränderung der Nackenspannung kann es auch zu einer Veränderung der Spannung der Augenmuskeln kommen. Die nervale sensitive Verarbeitung ist schnell irritiert. Das wiederum triggert die „Ansteuerung“ Deiner Muskeln. Hier kommen verschiedene Wahrnehmungen zusammen.
Nackenverspannungen und Schmerzen im Arm
Selten, aber möglich, sind Schmerzen im Arm durch Verspannungen im Nacken. Wobei Schmerzen im Arm auch Projektionen aus einem Organ (Herz, Magen, Leber) sein können. Zuerst sollte man aber immer an eine andere Ursache denken: Blockierungen mit Nervenkompression in der Halswirbelsäule.
Bei Verspannungen im Nacken sollte besonders das Zwerchfell und auch die Atmung geprüft werden.
Fazit der Auswirkungen
Es gibt nicht „den“ typischen Nackenschmerz. Schmerzart- und lokalität unterscheiden sich sehr stark. Dabei sind Fernwirkungen mit zu berücksichtigen. Und Wechselwirkungen sollte man auch gar keinen Fall ausschließen.
Merke
Bei sich ändernden Schmerzen sollte auf jeden Fall ein Schmerztagebuch geführt werden. Nur so kann man objektive Ereignisse von subjektiven Erlebnissen trennen.
Die Therapie: Lösen von Nackenverspannung
Ich gehe in folgenden Schritten vor:
Symptome wie Schmerzen und Verspannungen lindern
Ich löse am Anfang gern erstmal ein wenig die Spannung im Muskel. Neben dem Rückenstrecker untersuche ich gezielt den Kapuzenmuskel (M. Trapezius), den Schulterblattanheber (M. Levator Scapulae) und den Rippenanheber (M. Scalenus). Besondere Aufmerksamkeit bekommen dann das Zwerchfell und die Atmung, denn sie korrespondieren mit Deinem Nacken. Und sehr effektiv zum Lösen von Verspannungen: Den Gegenspieler aktivieren. Bei den Übungen weiter unten zeige ich sie Dir.
Ursache finden
Nun heißt es Ursache finden. Denn was nutzt der Patientin eine Entlastung, wenn man die Ursache nicht findet. Bei einseitig abgefahrenen Reifen bei Deinem Auto solltest Du auch nicht nur den Reifen wechseln, es muss auch die Spur eingestellt werden. Leider unterstützt unser Gesundheitssystem diesen Ansatz nur unzureichend. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Doch leider spielt das vor Allem beim nächsten Punkt wieder eine wichtige Rolle:
Individuelle Therapie
So individuell Du bist, so individuell muss eine Therapie für Dich sein. In den meisten Praxen gibt es Schemata für „Nackenbehandlungen“. Es fehlt die Zeit, der fachliche Austausch und manchmal leider auch der Wille. Doch es ist auch nicht immer einfach, so zielgerichtet vorzugehen. Denn häufig ist der „Schmerzpunkt“ auch „schmerzhaft“. Das muss im Gespräch immer individuell abgestimmt werden. Grundsätzlich schaue ich immer folgende Aspekte an:
Wo ist Überlastung im Alltag
Gibt es Blockierungen
Wie sind die Beinlängen und gibt es einen Beckenschiefstand
Wie ist die Kiefergelenk Funktion
Welche psychische Belastungen bestehen
…
Bei der Therapie ist es wichtig zudem zu verstehen, es gibt zwischen subjektiven Gefühl, objektiver Befindlichkeit und Analyse der medizinischen Ursache kein Korrelat. Wenn Dich also eine Stunde am Computer anstrengt, dann ist das so. Auch wenn Deine Nachbarin acht Stunden ohne Probleme schafft.
Wichtiger Hinweis: Dreidimensionale Einrenkversuche mit plötzlicher Bewegung können nachhaltig schaden! Dazu gibt es Studien. Bitte nicht durchführen lassen!!!
Bei einer gezielten Mobilisation eines Wirbels geht eine erfahrene Therapeutin wie folgt vor:
Sanfte Traktion (dabei darf sich der Schmerz nicht erhöhen)
gezielter sanfter Druck auf den zu mobilisierenden Wirbel in eine Bewegungsrichtung
weiterlaufende Bewegungen können unterstützt oder gehemmt werden, je nach Lokalisation der Blockade
Doch es geht noch sanfter. Bei einer Mobilisation im Sinne der Craniosacralen Therapie reicht der fokussierte Kontakt und das Abnehmen aller Gewichte. So kann, vergleichbar mit der Schwerelosigkeit im Wasser, das Struktursystem sich von selbst lösen. Die Fokussierung kann mittels Kontakt mit dem Finger oder über den Einsatz einer Extremität ausgeführt werden. Der Armeinsatz im Falle der Halswirbelsäule ist sehr effektiv und sanft.
Manuelle Therapie vs. Craniosacrale Therapie
In der klassischen Manuellen Therapie manipuliert der Therapeut. In der Craniosacralen Therapie ist die Dosis um ein vielfaches kleiner. Wir sprechen hier vom berühmten einem Gramm. Das ist aber nur ein Modell für die Art der Kommunikation mit den Geweben.
Und noch ein Hinweis: Das Tragen einer Halsmanschette wie bei einem Schleudertrauma ist eher schmerzfördernd, da der Kopf in einer Vorhalte gehalten wird und die verspannten Muskeln in einer Position verharren müssen.
Angepasste Übungen
Wenn Du meine Übungsvideos kennst, dann weißt Du: Übe wohlig, übe mit Freude und übe sanft! Stimmiges und mit Deinem Körper abgestimmtes Üben kann wahrhaftig Wunder bewirken. Ich denke dabei gern, weniger ist mehr. Also nicht so viele Übungen und ab und zu mal eine Übung weiter entwickeln. Das macht auch viel mehr Spaß. Allgemein schaue ich auf:
Herstellung eines besseren Muskelgleichgewichtes (insb. zwischen der tiefen und oberflächlichen Muskulatur)
Strukturentlastung von überlasteten Strukturen
Förderung der Beweglichkeit in eingeschränkten Bereichen
Festigung durch Muskelkräftigung in überbeweglichen Bereichen
Alltags- und Gebrauchsbewegungen durch Übungen unterstützen
…
Neue Alltags- und Gebrauchsbewegungen ersetzen zunehmend ungünstige Verhaltensmuster
Es gibt unendliche viele Alltags- und Gebrauchsbewegungen, die neu geübt werden können.
Die Therapie: Fazit
Und aus dieser Liste wird schon jedem Laien klar: Es reichen keine sechs oder zwölf Behandlungen von jeweils 20 Minuten. Allein die Behandlungen von Funktionseinschränkungen in den Gelenken ist weitaus komplexer als es den Anschein hat.
Übungen bei Nackenverspannung
Akut
Mindere Deine Kopflast
In einem akuten Stadium kannst Du als erstes Deine Kopflast minimieren. Das geht in Seitenlage mit einem dicken Kissen unter dem Kopf. In der Regel fühlt es sich entspannter an, wenn die schmerzende Seite oben liegt. Das liegt an der physikalischen Entlastung Deines Armes. Diesen kannst Du zudem noch auf ein Kissen oder eine Unterlage legen.
Tipp für die Rückenlage
In Rückenlage nimm kein Kopfkissen, auch nicht für die Halswirbelsäule (es wirkt kontraproduktiv). Dafür lege die Beine auf eine Unterlage. Entweder so, dass die Beine angewinkelt sind oder im 90° Winkel in der Hüfte und ebenso im Kniegelenk.
Praxistip für unterwegs
Weniger effektiv, doch praktisch anwendbar, ist die sitzende Haltung. Du legst den Kopf auf einer Unterlage (Tisch) nach vorn ab und stützt ihn mit den Händen. So kann er nicht rotieren. Das gleiche geht mit einem Sichelkissen (wie im Flieger häufig zu sehen). Hast Du eine Unterlage, wo der Kopf nicht zur Seite gelegt werden muss („Gesichtsöffnung“), dann bietet sich diese ebenso an.
Und lasse die Arme locker hängen
Die Arme hängen am Schultergürtel. Ist der nicht absolut in der Mitte bei aufrechter Sitzhaltung auf diesem abgelegt (parkiert) zieht er. Diesen Zug müssen Muskeln halten. Vor allem ein nach vorne geneigte Haltung und nach vorn hängende Schulter erhöhen die Last im Nacken.
So kannst Du den Nacken strecken / aushängen
Hast Du eine Vorrichtung auf der Du schräg liegen kannst (max. 30°), dann kannst Du mit Kopf nach unten und leichter Fixierung der Füße (Gürtel um die Fußgelenke) „aushängen“. Nur bei Besserung der Beschwerden durchführen!
Wärme tut gut
Wärme erhöht physikalisch die Wärme. Bei mehr Wärme erhöht sich die Gewebetemperatur und wir haben dadurch mehr Durchblutung. Nahrungstoffe und Abfallprodukte werden besser transportiert. Dies entspannt das Gewebe. Du kannst Wärme einfach wie folgt anwenden:
Heiße Rolle: Handtuch aufwickeln mit Konus zum Einfüllen des heißen/warmen Wassers
Wärmekissen: Mit Getreide oder Kirschkernen gefülltes Kissen im Ofen erwärmen
Rotlichtlampe
Bewegung ist hilfreich
Bewege Deinen Kopf und Hals im schmerzfreien Bereich. Führe die Bewegungen langsam aus. Achte auf eine entspannte Atmung. Ist die Bewegung zur einen Seite mehr schmerzhaft, übe die andere Seite. Schaue nach dem Üben, ob sich die betroffene Seite anders anfühlt. Bei dieser Übung darf die Geschwindigkeit besonders langsam sein. Wiederhole die Übung, wenn Du eine Besserung gespürt hast.
Kernstabilitätsübungen vs. Isometrie
Häufig empfohlen werden Stabilitätsübungen mit Isometrie. Das ist, wenn Du die Muskeln ohne Bewegung gegen einen Widerstand arbeiten läßt. Das sieht man in der Praxis wirklich sehr häufig. Aber ist das wirksam? Ich denke, es ist fraglich bis wahrscheinlich wenig sinnvoll. Denn es kommt mehr auf die Kernstabilität an. Dazu habe ich ein Video gemacht, wie besonders Anfänger mit dem Üben starten können. Also Mikrobewegungen für maximalen Effekt?{„The role of multistep core stability exercise with and without conventional neck exercises in the treatment of chronic non-specific neck pain a randomized controlled trial“(Rajalaxmi V. , M. Manickam , M. Srilakshmi , J. Arunselvi , R. Jayabarathi , P. Anupreethi , K. Sujatha)Biomedicine: 2020; 40(2): 232- 235 April – June 2020}.
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Halswirbelsäule: Das erste Mal
Achtung: Das ist nicht gut!
Du darfst nicht weiter belasten oder die Muskeln noch mehr anstrengen. Wohlfühlmassagen sind des Weiteren nicht angezeigt.
Was kannst Du sonst noch tun?
Suche Dir eine gute Therapeutin oder einen guten Therapeuten. Lasse Dir helfen durch eine gezielte Behandlung für Deine Beschwerden. Ggf. sollte eine ärztliche Diagnose den Befund sichern. Dies gilt vor allem bei ausstrahlenden Schmerzen.
Vorübergehende sowie chronische Überlast
Am besten ergänzt Du die Maßnahmen aus dem Akutbereich. Und schaue, wo genau die Überlast den Nacken verspannt hat. Du kannst auch folgende Tests machen:
Ziehe ohne oder mit Gewicht Deine Schulter linear nach oben. Spürst Du die Spannung auf der Schulter, dann spricht das für eine Verspannung im Bereich des M. Trapezius.
Geht der Schmerz von der inneren oberen Ecke Deiner Schulter zu den Querfortsätze im mittleren Halsbereich, hast Du eher eine Verspannung des M. Levator Scapulae (Schulterblattanheber)
Ist der Schmerz bei Belastung gleich wie vorher und der Schmerz im Halsbereich eher seitlich und unten, dann ist der M. Scalenus verspannt.
So kannst Du den M. Trapezius dehnen
Bei einer Verspannung des M. Trapezius kannst Du zusätzlich noch die Dehnung machen. Ich empfehle die einfache Dehnung, wie ich sie Dir in dem folgenden Video zeige:
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Dehnung Trapeziusmuskel
Oder lese gleich meinen ganzen Artikel zur Dehnung des Muskels hier.
Beim Schulterblattanheber (M. Levator Scapulae) sei genau
Etwas genauer musst Du die Dehnung des Schulterblattanhebers (M. Levator scapulae) machen, damit Du ihn zielsicher erreichst. Dabei gehe bitte genau in der folgenden Reihenfolge vor. Drehe den Kopf auf die Seite, die Du nicht dehnen willst. Neige den Kopf dann nach vorn. Nun ziehe das Schulterblatt nach unten. Halte die Dehnung für mindestens zehn Sekunden, besser länger und dabei ruhig atmen. Anschließend minderst Du den Zug über das Schulterblatt. Erst nach dem Lösen des Schulterblattes gehe mit dem Kopf zurück in die Mittelstellung.
Der individuelle Rippenheber (M. Scalenus)
Der Rippenheber (M. Scalenus) ist ein Atemhilfsmuskel in seiner Kernfunktion. Und im Gegensatz zu Kapuzenmuskel und Schulterblattanheber neigt er nicht zur Verkürzung. Du entlastest ihn durch die Aktivierung Deiner Bauchatmung und das Senken Deines Schultergürtels. Dabei ist es wichtig das Brustbein aufzurichten. Dies entlastet den M. Scalenus besser als andere Übungen.
Fazit
Nackenverspannungen sind sehr vielfältig. Und ich habe noch nicht mal alle Aspekte aufgeführt. Verspannungen im Nacken sind auf jeden Fall durch eine Fachfrau oder -mann gut zu behandeln. Aber die fachliche Qualifikation sollte schon fortgeschritten sein. Denn die feinen Strukturen am Hals sind viel sensibler als ein einfaches Scharniergelenk.
Lass Dich nicht von Verspannungen im Nacken quälen, sondern sei aktiv und löse die Spannungen! Das ist auch langfristig besser für die umliegenden Strukturen.
Der M. Trapezius kann gezielt detonisiert werden. Dabei wird die Grundspannung des Muskels durch gezieltes Üben gesenkt. Ein grundlegender physiologischer Mechanismus entspannt den Muskel. Insgesamt profitieren nicht nur der Trapeziusmuskel, sondern auch die Gleitebenen unter dem Schulterblatt sowie das Schultergelenk.
Deutsch heißt der M. Trapezius Kapuzenmuskel. Trapezius ist eine Zusammensetzung von gr. τέτρα/tetra = vier und πέζα/pesa = Fuß. Der τράπεζα/trapeza = Vierfuß wird dann noch verkleinert und schon hat man τραπέζιον/trapézion = Vierfüßlein.
M. Trapezius / Kapuzenmuskel
Brustwirbel von der Seite rechts
Brustwirbel von oben
Er entspringt an den Brust-und Halswirbel sowie dem Nacken und geht zum Schlüsselbein und zum Schulterblatt. Funktionell unterscheidet man einen oberen, mittleren und unteren Teil.
Deine Wirbel haben seitlich Querfortsätze, in der Brustwirbelsäule Rippenfortsätze und nach hinten Dornfortsätze. Die Dornfortsätze kannst Du unter der Haut spüren. Von den zwölf Brustwirbeln und dem untersten siebten Halswirbel entringt Dein Trapezmuskel. Der siebte Halswirbel ragt heraus, deshalb wird er auch prominent genannt. Weiter nach oben entspringt er nicht direkt von den Fortsätzen. Hier ist er am Nackenband angeheftet. Dieses befindet sich auf den hinteren Fortsätzen. Er hat weiter Anhebungen an der rauhen Linie am Hinterhaupt. Auch die ist sehr gut tastbar für Dich. Die Muskeln verlaufen direkt unter der Haut und erreicht das äußere Drittel des Schlüsselbeins (Os Clavikula) und das Schulterblatt (Os Scapula).
Die drei Anteile des M. TrapeziusGanzkörperbetrachtung M. Trapezius
Lokale Ansatzpunkte
Ursachen
Ungünstige Maße
Der große und flächige Muskel hält das Schulterblatt am Rumpf. Wichtig für den Muskel ist ein optimales Tiefen- zu einem Breitenverhältnis des Brustkorbs. Ideal ist vier zu fünf (immer im Kontext der Gesamtmaße). Veränderungen dieses Verhältnissen führen zur ineffektiven Arbeit des M. Trapezius.
Direkte Spannungserhöhung
Die Aufrichtung im Bereich der Halswirbelsäule und des Kopfes sind funktional sehr wichtig. Bei fehlender Aufrichtung arbeitet der Muskel nicht effektiv und wird überfordert. Immerhin sind drei bis vier Kilo Kopfgewicht zu stemmen (ohne Hals). Steht der Kopf in der Körperlängsachse (hier ein Artikel darüber) vertikal, dann ist das zu haltende Gewicht gleich null. Je weiter er nach vorn geneigt wird, desto mehr Muskelarbeit ist erforderlich.
Reflektorische Anspannung
Bei fehlender Aufrichtung ergibt sich noch ein zweites Problem: Der Muskel arbeitet fallverhindert. Der Schultergürtel ist in der Norm auf dem Schultergürtel parkiert. Also ist das gesamte Gewicht auf dem Brustkorb abgelegt. Je weiter wir Einbeugen, desto mehr Sicherungsspannung wird erzeugt.
Einseitige Belastung
Verspannungen werden häufig durch sitzende Tätigkeiten und wenig Bewegung hervorgerufen. Bei einer sitzenden Tätigkeit muß er Kopf, Schultern und Arme halten. Das führt zur schnellen Ermüdung des Muskels und hier vor allem im oberen Anteil.
Fehlende Flexibilität
Was auch in vielen Fachkreisen nicht bekannt ist, sind Probleme durch Behinderungen in den Gleitschichten. Davon gibt es zwei unter dem Schulterblatt. Manchmal kann man eine gestörte Gleitebene durch das Schulterblattkrachen hören. Die fehlende Gleitfähigkeit kann auch schmerzhaft sein. Auf jeden Fall erfordert fehlende Gleitfähigkeit immer eine wesentliche Erhöhung der Muskelarbeit.
Muskelungleichgewicht
Die dritte Ursache für Probleme sind ein Muskelungleichgewicht. Das Ungleichgewicht führt zu einem veränderten Bewegungsablauf. Dieses schädigt wieder das Schultergelenk, wie ich noch genauer aufzeige.
Kontinuierliche Muskelkontraktionen + schlechte Körperhaltung + nicht ergonomischer Körperbewegungen + kein Ausgleich = Verspannung
Folgen
Die erhöhte Spannung
Ab 30% Spannung im Muskel wird die Mikrozirkulation geschlossen. 30 % sind nicht viel. Ab diesem Wert sind also die kleinen Blutgefäße geschlossen. Da kommt kein Blut mehr rein. Und die Stoffwechselabbauprodukte werden nicht mehr abtransportiert.
In Folge wird die Energie ohne Sauerstoff bereit gestellt. Das nennt man anaerob. Als Abbauprodukt ansteht Milchsäure (Laktat). Das verursacht dann ein Brennen welches übergeht in permanente Schmerzen. Im Muskelbauch können Myogelosen getastet werden. Das sind druckempfindliche Knoten oder wulstförmige Muskelverdickungen. Sie sind stark druckempfindlich. Der Muskel selbst ist fest und warm.
Probleme für das Schultergelenk
Der Muskel bewegt Dein Schultergürtel. Bei Stützaktivitäten arbeitet der untere Anteil. Bei Armbewegungen über die horizontale Ebene muss wird das Schulterblatt nach hinten unten geführt. Das ist eine sehr komplexe Bewegungen in der das Schulterblatt nach hinten unten gleitet als auch um eine Drehachse rotiert.
Schon leichte Verspannungen im M. Trapezius stören dieses Miteinander. Das schädigt nachhaltig das Schultergelenk und die umliegenden Strukturen, wie zum Beispiel die Sehne des Armabspreizers (M. Supraspinatus) oder des Schleimbeutels unter dem Schulterblatt.
Dein Trapezius ist eine Mischform aus tonischen Haltemuskeln (oben) und phasischen Arbeitsmuskeln (mitte/unten). Tonische Muskeln neigen zum Verkürzen. Phasische Muskeln neigen zur Schwäche. Es kommt zum Schulterhochstand.
Muskuläre Dysbalance
Hinweis: Tonische und physische Muskeln haben einen Grundtones. Der kann. unterschiedlich hoch sein.
Da der M. Pectoris minor (kleiner Brustmuskel) zieht die Schultern sehr häufig zusätzliche nach vorn. Der Schultergürtel steht also zu hoch und nach vorn.
Dieses „Einengungssyndrom“ unter dem Schulterdach führt zu merklichen Einschränkungen der Armbewegung. Doch nicht nur das, hier einige Beispiele:
Impimgentsyndrom (Einengung unter dem Schulterblatt) – häufig
Entzündung eines Schleimbeutels – häufig
Entzündung der Bizepssehne in der vorderen Knochenrinne – häufig
Kapselschrumpfung bis zur „frozen Shoulder“- häufig
Entzündungen der Verschiebeschicht zwischen M. Rhomboides und den Oberarmmuskeln – selten
Wird die Schulter und der Nacken spätestens dann nicht wirklich fachkundig unterstützt, dann wird es dramatisch. Denn immer mehr schränkt sich dann der Bewegungsradius ein bis die Schulter ganz steif wird.
Andere weitreichende Folgen
Die Feinbewegungen in der Halswirbelsäule sind gemindert. Der Einfluss idiopathischer chronischer Nackenschmerzen auf die Muskelsteifheit und Muskelaktivität des oberen M. trapezius und M. sternocleidomastoideus während der Aufrechterhaltung einseitiger und beidseitiger funktioneller Greifaufgaben ist nachgewiesen{„The Influence of Idiopathic Chronic Neck Pain on Upper Trapezius and Sternocleidomastoid Muscle Activity and Elasticity during Functional Reaching: A Cross-Sectional Study“(Whitney L.Wolff, Constantin M.Heinemann, David B.)Journal of Biomechanics 18 July 2022, 111223}. Dadurch melden die Halsstellrezeptoren gröber. Diese Rezeptoren melden die Stellung von Hals und Kopf in Bezug auf den Körper an das Gleichgewichtszentrum. Die gröberen Informationen mindern Gleichgewichtssicherheit und -empfinden.
Das Befinden wird nachhaltig gestört. Die Bewegungseinschränkung als auch das verminderte Gleichgewicht sind dafür verantwortlich. Aber auch die weiteren Einschränkungen wirken auf das Befinden. Es sind Einschränkungen des Sehens, Auswirkungen auf das Kiefergelenk (Craniomandybuläre Dysfunktion), Minderung der thorakalen Beweglichkeit zum Beispiel für die Atembewegung und Kopfschmerzen (bei 40% vorhanden). Auch seltenere Beschwerden wie Bauchschmerzen können auftreten.
Im englischen gibt es noch einen Begriff, der das Gefühl im Muskel beschreibt: „The tight trapezius“ = Der eng anliegende Trapezius. Er beschreibt gut das Gefühl der Festigkeit und wie es sich auswirkt. Im griechischem gibt es den Ausdruck: „Έχω πέτρες στους μυς μου“ und bedeutet: „Ich habe Steine im Muskel.“
Ist der Muskel verspannt und hart, dann hilft auf jeden Fall eine Massage. Ein Profi kann dann mit speziellen Griffen, wie zum Beispiel einer tiefen Querfriktion, den Muskel weich und elastisch machen. Doch kaum kommt die Belastung zurück, spannt auch Dein Muskel wieder an und Du kannst den nächsten Termin bei Deiner Masseurin oder Deinem Masseur buchen.
Klassiker II: Wärme
Wärme wurde schon im Altertum angewendet. Und selbst neue Untersuchungen zeigen die positive Wirkung{Immediate Effects of Different Hot Packs on Latent Trigger Point and Flexibility of Upper Trapezius Muscle : Single-Blinded, Randomized Clinical Trial (Praphatson Sengsoon Jindarat Khieowong Manlika Lisawat Wathanya Pongsatornkul Suttida Pratee) Journal of Thai traditional and alternative medicin Vol 17 No 2 (2019): May – August 2019}. Und Dein Vorteil: Du kannst Wärmepackungen leicht selber anlegen. In unseren Breitengraden empfieht sich Naturmoor oder Kräuterkissen. Und mein Tipp für Dich: Nutze nur Einmalpackungen. Die hunderte Male wiederverwendbaren Packungen haben keinen Inhaltsstoff mehr. Die Wirkung der Wärme ist einfach zu erklären: Sie fördert die Durchblutung.
Rotlicht ist ebenfalls empfehlenswert. Die Photobiomodulation zeigt besonders in Kombination mit Bewegung Wirkung{„Effectiveness of Photobiomodulation Therapy in the Treatment of Myofascial Pain Syndrome of the Upper Trapezius Muscle: A Systematic Review and Meta-Analysis“(Mohamed Salaheldien Mohmed Alayat, Kadrya Hosney Battecha, Ahmed Mohamed Elsodany, Omer Abdulaziz Alzahrani, Abdulmajeed Khalaf Allah Alqurashi, AbdulAziz Talal Jawa, and Yazan Saleh Alharthi)Photobiomodulation, Photomedicin and Laser Therapy 10.10.2022}. Dies gilt auch bei Druckschmerzhaftigkeit.
Bereits in der Jungsteinzeit angewendet: Schröpfen
Die Schröpfgefäße sind aus Glas. Sie sind meistens kugelförmig/glockenförmig und haben eine kreisrunde Öffnung. Die Therapeutin setzt das erwärmte Gefäß auf bestimmte Punkte der Haut. Es entsteht ein Unterdruck – erzeugt durch Erhitzen oder Es gibt heutzutage auch Schröpfautomatiken mit automatischer Abstufung. In der Folge steigert sich die Durchblutung und heilsame Kräfte auf den Körper ausüben. Es gibt unterschiedliche Techniken (blutiges, trockenes, massierendes).
Kryotherapie (also sehr kalte Luft) ist super wirksam bei Entzündungen und bei verschiedenen Gelenkproblemen (Arthrose). Doch auch ein Muskel kann man mit Kryotherapie super behandeln.
Im klinischen Alltag wird mit einer Maschine sehr kalte Luft auf den Muskel gegeben. Das dämpft die Schmerzrezeptoren und so wird die Spannung über das Rückenmark gemindert.
Man nehme einen konischen Becher (Öffnungsseite ist weiter als der Boden). Fülle ihn zu 3/4 mit Wasser. Für die bessere Handlichkeiten einen Stock in den Becher stellen. Den Becher zum Durchfrieren in das Gefrierfach stellen. Die Eispackung wird mindestens einmal am Tag für drei bis fünf Minuten mit hohem Druck in die schmerzhaften Punkte des Muskels gedrückt. Das Eis hat direkten Kontakt mit der Haut. Ein Handtuch saugt abfliessendes Wasser auf.
Achtung: bitte keine Coolpacks, die haben eine andere Wirkung)
Meist empfohlen: Dehnen
Du kannst Deinen verspannten und verkürzten M. Trapezius natürlich dehnen. Das bringt Dir auf jeden Fall eine Entlastung. Nutze in der Technik nicht das Ziehen der Strukturen. Denn die Wirbel im Hals sind bei Zug und Bewegung empfindlich. Eine unvorsichtige Bewegung unter Spannung kann die kleinen Wirbel-Wirbel-Gelenke überlasten. Und dann ist der Trapezius erst recht in Spannung, denn aus dem Rückenmark wird der Tonus zu Deinem Schutz sofort massiv erhöht. Und es besteht bei unvorsichtiger Dehnung auch noch eine weitere Gefahr: Bei einem Problem mit Deiner Bandscheibe kannst Du diese überlasten. Das möchte ich Dir nicht empfehlen. Deshalb übe mit Deiner Atmung. Gehe in die sanfte Strukturlänge und atme bewusst und in die Richtung des Muskels. Das mag am Anfang ungewöhnlich klingen, funktioniert aber wirklich gut.
Dies zeige ich Dir in diesem Artikel: Leichte Dehnung des Trapezius. Am besten übst Du am Anfang mit einer fachlichen Anleitung.
Doch auch ich nutze gelegentlich ein Tape. Bei einigen Patienten hat er einen positiven psychologischen Effekt. Durch das Tape ist der Fokus gezielter auf die Struktur gerichtet.
Typische Tape-Anlagen
Schulterblatt Tapen: Das Tape Schulterblatt wirkt auf die Bewegungsausführung
Trapezius Tapen: Direktes Tape auf dem Muskel erhöht die Wahrnehmung
Unteren Trapezius Tagen: Direktes Tape zwischen unterem Schulterblattwinkel nach innen unten, hier gibt es Hinweise auf die Wirksamkeit{„The effect of taping applied to the lower trapezius muscle on the upper trapezius muscle tone, pain, and cervical range of motion in chronic upper trapezius pain patients(„Yang-Jin Lee, M.Sc., P.T. . Dong-Chun Park, M.Sc., P.T. . Won-Deuk Kim, M.Sc., P.T. . Sung-Yeol Kim, Ph.D. P.T.)Journal of Korean Physical Therapy Science Vol. 28, No.1, pp. 46-53}.
Klar, es gibt auch Exoten wie zum Beispiel die Low Level Lasertherapie. Sie kann auch helfen{„Conventional physical therapy with low level laser therapy on pain and functional disability in patients of upper trapezius muscle trigger point“(Iqra Waseem, Fahad Tanveer, Arooj Fatima)RMJ. 2020; 45(4): 854-856}, aber nur wenn man auch Physiotherapie macht.
Ich versuche an die Ursache zu kommen. Aber manchmal muss das warten und der Muskel erstmal gelockert werden. Da bieten sich für mich folgende Techniken an: Querfriktion nach Cyriax und Triggerpunktbehandlung{„Efficacy of integrated neuromuscular ischemic technique in the treatment of upper trapezius trigger points“(Abdul Rashad, Erum Tanveer, Seemab Mughal, Ahmed Ali Imran, Faizan Hassan, Mehak Ali Lakho and Alisha Noreen)JOURNAL OF ORTHOPAEDICS TRAUMA SURGERY AND RELATED RESEARCH 2020} an. Sehr effektiv ist auch die Anwendung einer einzelnen Sitzung der neuromuskulären Inhibitionstechnik (INIT) . Sie verringert die Aktivität in den Schultermuskeln, verbessert Schulterschmerzen und Druckschmerzschwelle (pressure pain threshold PPT) selbst bei chronischen einseitigen Schulterschmerzen{„Within-Subject Changes in Shoulder Girdle Muscle Activation After Soft Tissue Mobilization of the Upper Trapezius“( Tanmay Sathe, Anupama Prabhu, KavithaVishal)Journal of Chiropractic Medicine 23 July 2022}. Ich kombinieren diese sehr gern mit einer mobilisierenden Massage des Schulterblattes. Bei eher emotionalen Verspannungen zeigt die craniosacrale Therapie die besten Ergebnisse.
Querfriktion nach Cyriax
James Henry Cyriax war ein britischer Arzt, der als „Vater der orthopädischen Medizin“ bekannt war. Er beeinflusste maßgeblich die Sportmedizin und Physiotherapie.
Triggerpunktbehandlung
In der Triggerpunkttherapie{„PENGARUH PEMBERIAN ISCHEMIC COMPRESSION DAN CONTRACT RELAX STRETCHING TERHADAP INTENSITAS NYERI MYOFASCIAL TRIGGER POINT SYNDROME OTOTUPPER TRAPEZIUS“(Isidorus Jehaman, Sri Masyuni Berasa, Sabirin Berampu, Timbul Siahaan, Miftahul Zannah)Jurnal Keperawatan dan Fisioterapi (JKF), e-ISSN 2655-0830 Vol. 2 No.2 Edisi November 2019 – April 2020} werden myofasziale Triggerpunkte bearbeitet. Diese unterliegen keinem Schema{„Reliability of physical examination for diagnosis of myofascial trigger points: a systematic review of the literature.“(N. Lucas, P. Macaskill, L. Irwig, R. Moran, N. Bogduk)Clin J Pain., 25(1), Jan 2009, S. 80–89.} und nur ein erfahrener Therapeut kann die Punkte finden.
Craniosacrale Therapie
In der heutigen Ausprägung nach dem Osteopathen John E. Upledger „Craniosacral Therapy“ (1983). Da es kein geschützter Begriff, empfehle ich nur am Upledger-Institut ausgebildete Therapeutinnen.
Spezielle Entspannungstechniken
Es wird auch klinische Anwendung empfohlen, Patienten mit zervikogenen Kopfschmerzen Schmerzen und Behinderungen mit Myofascialen Entspannungstechniken zu behandeln{„The Effect of Myofascial Release Technique on Pain and Neck Disability Over Conventional Neck Exercises on Patients with Cervicogenic Headache“(Ramya K, Senthilkumar M, Prabhakaradoss D, Rajan Samuel A and Thiagarajan Subramanian)Indian Journal of Natural Sciences Vol.12 / Issue 65 / April / 2021}.
So wie der gesamte Schultergürtel ist der Nacken überaus dankbar für Übungen. Es sind dazu noch einfache und simple Übungen. Ich habe schon einige auf Video und auf meinem Youtube Kanal. Es sind so viele, ich zeige Dir gleich eine der besten Übungen, die ich kenne. Für Deinen Alltag. Du kannst sie fast überall üben! Hier ein Video für die wohlige Mobilisation der BWS, häufig kommen aus dieser auch Spannungen im Nacken.
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BWS Extension
Der (fast) unbekannte Übung
Tonus senken
Wie oben zu lesen, ist ein hoher Tonus sehr ungünstig für den Muskel. Auch sollten die Gegenspieler für den oberen Trapezius kräftig sein. Beides erreichst Du mit dieser Übung.
Neuronale Regulation I
Jeder Muskel hat einen Gegenspieler. Auf der einen Seite ist der Beuger, auf der anderen Seite der Strecker. Einige Muskeln zwischen diesen beiden Akteuren sind Mitspieler, sie führen die Bewegung. Der Anteil vom Trapezius, der verspannt ist, hat auch Gegenspieler. Sie spielen nicht wirklich gegeneinander, das ist nur ein sprachlicher Ausdruck. Aber neuronal können wir den Effekt schon sehr nachhaltig nutzen. Bei der Suche nach dem Muskel, der in die andere Richtung arbeitet, wird man beim Trapezius schnell fündig. Es ist die Stützmuskulatur.
Stützmuskulatur trainieren
Zu Ihnen gehören Anteile des gleichen Trapezius, die aber nach unten ziehen. Zudem werden viele Rumpfmuskeln aktiviert, die den Arm mit dem Rumpf verbinden. In erster Linie werden der M. serratus anterior (vorderer Sägemuskel) und die Mm. rhomboidei (rautenförmiger Muskel) aktiviert. Sie halten Dein Schulterblatt am Rumpf. Dazu kommen die Brustmuskeln. Der M. pectoralis major und minor (kleiner und großer Brustmuskel) leisten hier ihre Arbeit auf der Vorderseite des Rumpfes. Auf der Rückseite arbeitet der M. latissimus dorsi. Im Hintergrund wird nun auch der Rückenstrecker und weitere Muskeln im Rumpf aktiviert.
Beim Stützen haben wir die Angewohnheit den Kopf nach vorn zu bringen. Das ist nicht günstig! Lieber weiter hinten. Dann siehst Du am Hals den m. sternocleidomastoideus rechts und links vom Kehlkopf prominent erscheinen.
Das ist eine Automatik auf der Rückenmarksebene und aus dem Großhirnstamm. Und Du kannst diesen Effekt sogar noch erhöhen, wenn Du nicht nur gegen Widerstand konzentrisch (annähernd) arbeitest. Wähle ein normales Tempo für das Zusammenziehen und lasse den Muskel dann mit verringertem Tempo nachlassend (exzentrisch) arbeiten. Das senkt die Spannung im angespannten Muskel ungemein. Und diese Entspannung ist so ungeheuer wichtig.
Neuronale Reaktion III
Ab spätestens 30% der maximalen Anspannung eines Muskels wird dieser nicht mehr durchblutet. Können wir den Muskeltonus senken (Muskelgrundspannung herabsetzen), dann wird die Durchblutung besser. Ist die Durchblutung besser, dann werden Stoffwechselabfallprodukte besser abtransportiert. Und ist der Muskel gut versorgt und keine Abfallprodukte in ihm, dann ist die Gefahr einer Verspannung deutlich geringer.
Zudem wird die Kräftebalance zwischen den Muskeln besser. Und als kleiner Nebeneffekt beim Trapezius: Deine Rumpf- und Stützmuskulatur wird kräftiger!
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Mein Video für Dich🤗
Effektives Üben II
Führe die Übung exakt aus! Konzentriere Dich auf die angeforderten Strukturen. Bist Du abgelenkt, ist der Effekt kleiner. Durch Erhöhung der Aufmerksamkeit wird der Effekt besser! Und führe die Bewegung möglichst exakt aus.
Weitere Effekte
Doch die Detonierung ist nur ein Effekt. Die Muskeln sind wieder in Balance ihrer Kräfte. Ein sehr wichtiger Punkt. Ausgeglichene Muskeln arbeiten optimaler. Und die Aufrichtung des Körpers fällt Dir wieder leichter. Dein gesamter Schultergürtel wird deutlich entlastet. Besonders die beanspruchten Schultergelenke werden wieder zentriert durch den Zug nach unten. Ein wichtiger Punkt zur Prophylaxe.
Bei der Ziebeschreibung werden konkrete motorische Ziele angestrebt
Konditionsfähigkeiten
Kraft (Arbeit gegen Widerstand)
isometrisch (Halten gegen Widerstand): Vor allem am Anfang eine gute Übungsmöglichkeit
Konzentrisch/exzentrisch: Beginne soweit nach unten zu gehen, wie Du es ohne Ausweichbewegungen schaffst. Diese Form eignet sich in Kombination mit der isometrischen Technik. Da hältst Du oben oder in der Bewegung. Später gehe immer tiefer. Achte auf eine vertikale Körperlängsachse (Einnehmen der Körperlängsachse)
Weite der Bewegung (Yoga, Calisthenics): Die Weite der Bewegung erst über 90° Beugung im Ellenbogen und Schultergelenk bringen, wenn Du gut in Deiner Übung bist
Ausdauer
lokal (weniger als 1/7 der Skelettmuskulatur): Beide Arme sind mehr als 1/7 der Körpermuskulatur, Du musst also mit einer Herz-Kreislauf-Belastung rechnen. Ins. bei der isometrische Variante kann zu Pressatmung und Erhöhung des Blutdruckes kommen(Artikel zum lokalen Ausdauertraining)
allgemein (mehr als 1/7 der Skelettmuskulatur): Zur Ausdauer eignet sich am Anfang eher der gegengleiche Armeinsatz oder die Rudermaschine, doch mit ein wenig Übung ist es, vor allem als Zwischenübung beim Joggen, bei jeder Gelegenheit eine Top-Übung
Koordinationsfähigkeiten
Muskulär (auch Differenzierungsfähigkeit)
Intramuskulär: Vor allem der M. triceps und m. trapezius (unterer und mittlerer Anteil) werden hier angesprochen. Am Anfang verstärkt langsames Nachlassen (exzentrisch) den Effekt enorm.
Extra muskulär: Die Zusammenarbeit im gesamten Schultergürtel wird besonders trainiert. Dafür gibt es sogar einen Namen: das Humero-scapulo-thorakale Zusammenspiel!
Gleichgewicht, Orientierung und Kopplungsvermögen (Abstimmung der Bewegung räumlich, zeitlich und dynamisch): Die Abstimmung der Bewegung und der Kraft im gesamten Schulterbereich wird hier für Anfänger besonders angesprochen. Grundübung für Reck und andere Geräte
Reaktion
Rhythmus und Anpassung-/Umstellungsfähigkeit
Vereinigung von Bewegungen sowie die Fähigkeit zur Neugestaltung von Bewegungen
Schnelligkeit nur im Sinne von Tempokontrolle
Flexibilität
Gelenkigkeit: Die Gelenkigkeit im Schultergürtel wird nachhaltig verbessert
Strukturlängenvermögen (früher Dehnung, nur das hintere Längsband an der Wirbelsäule ist dehnfähig): Vor allem der M. Biceps mit seinem langen Kopf wird gestreckt
Beweglichkeit
aktiv (durch Muskelkontraktion): Deutliche Vergrößerung der Bewegungsweite möglich
passiv (durch das Einwirken von Kräften)
Gewebegeschmeidigkeit: Wird deutlich verbessert
Diese Ziele werden mit exakten Steuerungselementen angestrebt
Intensität (Belastung während eines Satzes)
Trainingsumfang (Wie oft mache ich eine Übung oder welche Gesamtzeitdauer)
Belastung TUT (time under tension)
Satz (Wiederholung der Bewegung)
Sätze (Wiederholung des Satzes)
Tempo oder Zeit
Dichte (Pausenlänge zwischen den Sätzen)
Einbau in die Alltags- und Gebrauchsbewegungen
Die erreichten motorischen Ziele werden in die Alltags- und Gebrauchsbewegungen integriert. Das erfordert viele therapeutische Zwischenschritte. Ich empfehle einen Integrationsplan. Ohne Einbau in die englisch „Activity of daily Live“ gehen die fein angesteuerten Ziele wieder verloren.
Der Trapeziusmuskel ist schnell verspannt und verkürzt. Das hat verschiedene Gründe. Das kann man verstehen, wenn man den Muskel „liest“.
Der M. Trapezius
Hinweis zu meinen Artikeln:
Meine Artikel für Dich sind keine schnellen und oberflächlichen Nachrichten. Statt eines kurzen Tweets oder eines kurzen Statusupdate erhälst Du bei mir einen ganzen Artikel mit viel Detailinformationen. Zudem gibt es bei gesundheitlichen Problemen selten eine einfache und schnelle Lösung. Der menschliche Organismus ist hochkomplex und da ist schon die Reduktion in einzelne Artikel schwierig.
Wie auch in meinen Artikeln so ist auch meine Therapie. Ich nehme mir Zeit für die Befundung, die Therapie, die Übungen, die Alltags- und Gebrauchsbewegungen und selbstverständlich auch die methodische und didaktische Vermittlung. Meine PatientInnen schätzen genau das: Sehr genau und ganz exakt, dabei sanft und immer herzlich, ganz nach meinem Motto in der Therapie: „Fühle Dein Wesen in Bewegung und erlebe Dein Sein in der Therapie“.
Inhaltsverzeichnis
Alles wesentliche über den Muskel hier auf meinem Video oder ausführlich im ganzen Artikel:
Im Gegensatz zu klassischen bauchigen einköpfigen Muskel ist der M. Trapezius flach und weit aufgefächert. Der unter dem Muskel liegende Schulterblattanheber (M. Levator scapulae) ist so ein Muskel von Punkt zu Punkt mit einem lang gezogenen Muskel-„Bauch“. Der M. Trapezius ist das komplette Gegenteil. Er ist flach und fächert sich im Ursprung sehr weit auf.
Er hat eine Ursprungslinie vom Hinterhaupt, dem Hinterhauptband im Halswirbelsbereich und den Dornfortsätzen der Wirbel im Brustwirbelbereich.
Sein breit aufgefächerter Ursprung läuft zusammen auf den kleineren Ansatz. Die Fasern gehen an das äußere Schlüsselbein, das Schulterdach und die Schulterblattgräte.
Dies ergibt die Form eines Trapez. Und diese Form gibt ihm seinen Namen. In deutschen Sprachraum heißt der Muskel Kapuzenmuskel. Die Fläche einer Kapuze (nicht aufgesetzt) gleicht der Muskelfläche.
Kapuzenpulli früher und heute
Der Begriff Kapuze stammt von dem italienischen „cappuccio“. Die Kappe war im Mittelalter weit verbreitet. Deutsch hieß sie Kugel und wurde erstmals der Limburger Chronik ihm Jahre 1351 erwähnt.
In den 1930er Jahren hat der Bekleidungshersteller Champion für Arbeiter die Form wieder aufgenommen. Sie wurde für die Arbeiter in den Tiefkühllagern von New York konzipiert. Dieser Kapuzenpulli wurde später als Sport- und Freizeitkleidung populär.
Es ist in der Regel ein Sweatshirt mit einer tunnelartige Bauchtasche, auch Kängurutasche. Die Kapuze kann mit Schnüren verengt werden.
Im englischen heisst er „Hoodie“ oder „Full Zip Hooded Sweatshirt“ und das kommt natürlich von Robin Hood. Andere Namen sind: Schlumpf, Kapu Kapuzi, Zipper (mit Reißverschluss)
Du kannst den Muskel gut spüren. Der ausfliegende Teil hat dickere Faserbündel. Dort spüren wir ihn besonders bei der Dehnung. Seinen Ursprung am Kopf kann schmerzhaft sein. Verspannungen in diesem Bereich können Auslöser für Kopfschmerzen sein.
M. Trapzius Palpation
Neben seiner überwiegend flachen Bauform ist ein zweiter Faktor markant: Der Muskel überbrückt viele Gelenke.
Der M. Trapezius überbrückt die Kopfgelenke, die Halswirbelsäule und das Schulterblatt/Schlüsselbein
Der obere Anteil ist tonisch. Tonische Muskeln leisten insbesondere Haltearbeit und neigen zur Verkürzung. Die Limitierung ist die Durchblutung. Die anderen Anteile sind phasisch. Phasische Muskeln leisten vorwiegend Bewegungsarbeit und neigen zur Abschwächung.
Wie kommt es zur Verspannung und Verkürzung?
Diese Balancierung mit den entsprechenden Fasertypen ist bei normalen (physiologischen) Bewegungen im Alltag unproblematisch. Bei einseitiger (pathologischer) Belastung und speziell im Sitzen kann das fatale Folgen haben. Hier hält der Muskel mit den oberen Anteilen bei Vorhaltung fall verhindernd den Kopf und ist an der anderen Seite angespannt durch Armvorhaltung oder Abspreizen im Schultergelenk.
Regulär ist der Schultergürtel parkiert. Er ruht also auf dem Thorax. Die Arme hängen herunter. Der Ellenbogen ist am Rumpf angelegt. Schon 30 % Abspreizen im Schultergelenk führt zu einer deutlichen Tonuszunahme im M. Trapezius. Dies ist leicht durch einen Test zu spüren.
Die meisten Arbeitsplätze sind nicht ergonomisch ausgerichtet. Meistens blockieren viele Akten den Schreibtisch und die Tastatur liegt weit entfernt, wie auch die Maus. Bei Laptops fehlt es häufig an einer zweiten körpernahen Tastatur.
In Folge einer solchen Arbeit schwächen die mittleren und unteren Muskelanteile sich ab. Der obere Anteil verspannt und verkürzt. Ab 30 % Muskelspannung sinkt die Versorgung und Entsorgung. Der Stoffwechsel des Muskels wird dann massiv behindert bis blockiert. Das Schulterblatt steht höher und kann nicht mehr rotieren und nach unten gleiten.
Eine portugiesische Studie hat dies genauer untersucht1. Es gab signifikante Unterschiede in der Variation des EMG-Signals zwischen den beiden Positionen für den nicht-dominanten Arm. Die Tonuserhöhung trat nicht erst nach Stunden auf, bereits nach 10 Minuten Tippen wurde sie festgestellt und wurde zuerst in der nicht-dominante Seite verzeichnet. Aufgestützte Unterarme reduzierten die elektrische Aktivität in beiden M. Trapezius (oberer Anteil), wobei der Unterschied im nicht-dominanten Seite größer war.
Die Verspannung und Verkürzung hat Folgen
Muskelschmerzen / Myalgie
In Folge von der Überbeanspruchung und Verspannung, aber auch durch Verletzungen, Traumata, bestimmte Medikamente und Krankheiten kann eine Myalgie ausgelöst werden. Die Myalgie beschreibt Muskelschmerzen und -schmerzen. Diese können Bänder, Sehnen und Faszien betreffen. Es kann aber auch das weiche Gewebe, das Muskeln, Knochen und Organe verbindet, mit betroffen sein.
In Folge der Tonusveränderung sowie Position des Schulterblattes verändert sich auch der Tonus im M. Scaleni als auch der M. Levator scapulae ihren Tonus. Beide Muskeln können dann unangenehm bis hoch schmerzhaft reagieren.
Nacken & Hinterhaupt
Die hohe Spannung stört die Bewegungsfreiheit des Hinterhauptes. Dies stört die Strukturen, welche sich dahinter befinden. Dazu gehört das Kleinhirn und der vierte Ventrikel. Für das Gleichgewicht, das Stressempfinden und das Wohlbefinden ist das sehr ungünstig.
Es kommt in Folge zu einer Wechselwirkung mit dem Grundtonus des Muskels, der Atmung, des Kreislaufs und anderen basalen Einstellungen des Körpers.
Gleichgewicht
Die Spannungen am Hinterhaupt und ihre Wirkung auf die Hirnbasis beeinträchtigen das Gleichgewicht. Aber auch der „Feineinsteller“ Halswirbelsäule für das Gleichgewicht kann nicht seiner Funktion nachkommen.
Schultergelenk
Die Verspannungen und Verkürzungen sind für das Schultergelenk ein großes Problem. Bei allen Schulterbewegungen ist eine Mitbewegung im Schultergürtel erforderlich. Ist die gestört, kommt es zu einer Fehl- und Überbelastung des Schultergelenks kommen.
Psychologisch & Emotional
Verspannungen im M. Trapezius führen zu klassischen Empfindungen und deren Ausdrücken: Eine Last auf seinen Schulter spüren, Die Last des Lebens spüren, Tonnen auf seiner Schulter haben,… Diese Gefühle belasten seelisch und emotional.
Wechselwirkungen der Folgen
Alle Folgen für Strukturen und Empfindungen wirken selbst wieder ungünstig auf die Verspannung und Verkürzung des M. Trapezius.
Maßnahmen für Entspannung und Verlängerung des M. Trapezius
Tonusregulation
Räkeln, Recken und Strecken
Entspannung
Stress abbauen
Atemübungen insb. für die Zwerchfellatmung
Dehnung für mehr Strukturlänge
Muskelaufbau insbesondere der Stützmuskulatur mit M. Trapezius aufsteigender Anteil (Pars ascendens): Hier findest Du die Übung
Alltags und Gebrauchsbewegungen besonders die Einordnung der Körperlängsachse: Hier findest Du die Übung
Übungen für die tiefe Haltemuskulatur an der Wirbelsäule.
Ergonomie im Sitzen: Entlastung für Deine Wirbelsäule!
Ausgangsstellung Bauchlage: Y-Übung für den unteren M. Trapezius
Therapie bei Verspannungen und Verkürzungen des M. Trapezius
Eine Therapie ist grundsätzlich immer individuell. Eine exakte und ausführliche Befunderhebung ermittelt die individuellen Parameter. Auf Basis des persönlichen Befundes werden exakte Ziele formuliert.
Die einzelnen therapeutischen Maßnahmen enthalten häufig folgende Übungen:
tiefe Querfriktion für den M. Trapezius
manuelle Mobilisation des Schulterblattes
Entlastungsgriffe für den Nacken
Feinstmobilisation der Halswirbelsäule und der Kopfgelenke (Dens-Atlas-Occipital)
Das Einrenken der Halswirbelsäule ist zu unterlassen. Die primären und sekundären Gefahren sind zu hoch. Zudem gibt es keinen Nachweis über eine Wirkung.
Detaillierte Analyse der Alltags- und Gebrauchsbewegungen
Anleitung für Übungen und/oder Training. Das Übungsprogramm greift primär entlastend in den Alltag.
Von der primären Befundaufnahme bis zu den Eigenübungen ist auf ein pädagogisch/psychologisch, methodisches, didaktisches und somit zielführende Begleitung durch die Therapie zu achten.
Rui José Santiago, João Santos Baptista, André Magalhães, José Torres Costa.Total forearm support during a typing task may reduce the risk of Trapezius‘ Myalgia development. International Journal of Industrial Ergonomics Volume 95, May 2023, 103449 ↩︎
Żurowska A, Malak R, Kołcz-Trzęsicka A, Samborski W, Paprocka-Borowicz M. Compression of the Fourth Ventricle Using a Craniosacral Osteopathic Technique: A Systematic Review of the Clinical Evidence. Evid Based Complement Alternat Med. 2017;2017:2974962. doi: 10.1155/2017/2974962. Epub 2017 Oct 18. PMID: 29234380; PMCID: PMC5664229. ↩︎
Sung-Yong Choi, Jung-Hyun Choi. The effects of cervical traction, cranial rhythmic impulse, and Mckenzie exercise on headache and cervical muscle stiffness in episodic tension-type headache patients. Journal of Physical Therapy Science 28.3.2016 p. 837-843 ↩︎
Manchmal ist es nur ein Jucken oder Kribbeln im Rippenverlauf der auf eine Interkostalneuralgie hindeutet. Aber die Beschwerden können auch sehr viel stärker sein. Häufig sind es deutliche Schmerzen. Diese können sehr unterschiedlich sein: ziehend, stechend, brennend oder schneidend. Manchmal sind sie kontinuierlich, aber sie können auch anfallsartig auftreten oder atemhängig, beim Husten oder Pressen.
Da alle inneren Organe auf der Hautoberfläche Symptome verursachen können, kommen als Ursache von Schmerzen im Rippenbereich auch Magenschmerzen kommen und auch Atembehinderungen.
Inhaltsverzeichnis
Texthinweis
Meine Artikel für Dich sind keine schnellen und oberflächlichen Nachrichten. Statt eines kurzen Tweets oder eines kurzen Statusupdate erhälst Du bei mir einen ganzen Artikel mit viel Detailinformationen. Zudem gibt es bei gesundheitlichen Problemen selten eine einfache und schnelle Lösung. Der menschliche Organismus ist hochkomplex und da ist schon die Reduktion in einzelne Artikel schwierig. Wie auch in meinen Artikeln so ist auch meine Therapie. Ich nehme mir Zeit für die Befundung, die Therapie, die Übungen, die Alltags- und Gebrauchsbewegungen und selbstverständlich auch die methodische und didaktische Vermittlung. Meine PatientInnen schätzen genau das: Sehr genau und ganz exakt, dabei sanft und immer herzlich, ganz nach meinem Motto in der Therapie: „Fühle Dein Wesen in Bewegung und erlebe Dein Sein in der Therapie“.
Die Beschwerden treten im Verlauf einer Rippe, meistens einseitig, auf. Die Ursache ist aber selbst keine Rippenstörung. Betroffen ist der Nerv zwischen den Rippen. Dieser verläuft direkt unterhalb der Rippe am Knochen entlang. Deshalb heißt die Störung auch Zwischenrippennervenschmerz oder kürzer und heute meistens genutzt Interkostalneuralgie, es bedeutet aber das gleiche.
Die zwei Schreibweisen der Interkostalneuralgie und der Unterschied zu einer Interkostalneuropathie
Ursprünglich schreibt man medizinisch korrekt abgeleitet Intercostalneuralgie. Doch im deutschen wird c wie zeh gesprochen. Also hat man kurzerhand für das c ein k genommen und so heißt es deutsch Interkostalneuralgie.
Die Interkostalneuralgie bezeichnet Schmerzen im Verlauf eines Nerven. Solche Nervenschmerzen sind typisch und treten zum Beispiel bei der Gürtelrose (Herpes zoster) auf.
Eine Neuropathie bezeichnet Schmerzen im Versorgungsgebiet eines Nervs. Dabei wird der Schmerz vom Nerven selbst oder vom Gehirn verursacht. Es muss also keine Schädigung des Nerven vorliegen.
Ob Neutopathie oder Neuralgie: In beiden Fällen wird der Schmerz im Gehirn verarbeitet. Dies zu verstehen ist für die moderne Therapie unerlässlich!
Zum besseren Verständnis der Interkostalneuralgie folgt ein kurzer Blick in den Aufbau unseres Nervensystem und seiner Funktion:
Die Zwischenrippennerven
Das Nervensystem der Säugetiere, zu denen ja auch der Mensch gehört, ist im Prinzip erstmal sehr einfach aufgebaut: Das zentrale Nervensystem mit Gehirn und Rückenmark sowie in die Peripherie gehenden Nervenfasern. Der Übergang von Rückenmark zum Gehirn ist dabei ohne scharfe Grenze. Über den Hirnstamm ist das Gehirn mit dem Rückenmark verbunden. Das Rückenmark geht nach unten in das verlängerte Mark (Medulla oblongata, nur noch Nervenfasern und keine Nervenzellen) über.
Das Gehirn liegt gut geschützt im Schädel und das Rückenmark im Wirbelkanal. Umhüllt ist beides von Häuten (Meningen) und befindet sich in Flüssigkeit (Liquor).
Die zerebrale Flüssigkeit ist durch die Blut-Hirn-Schranke vor dem übertitt von Stoffen besonders geschützt, was den Übertritt bestimmter Medikamente hemmt.
Das Rückenmark selbst ist eine lange, röhrenförmige Struktur aus Nervenzellen.
Die ungleiche Längenentwicklung von Rückenmark und Wirbelkanal
Bis zum zweiten Entwicklungsmonat des Fötus wird der Wirbelkanal durch das Rückenmark auf voller Länge ausgefüllt. So verlassen die Nervenwurzeln das Rückenmark durch die Wirbellöcher auf gleicher Höhe. In der weiteren Entwicklung wächst die Wirbelsäule schneller als das Rückenmark. Das Wachtstum des Rückenmarks richtet sich nach der Anzahl der Nervenzellen wohingegen die Wirbelsäule dem funktionellen Wachtstum unterliegt. Bei einem Erwachsenen endet das Mark etwa beim ersten oder zweiten lumbalen Wirbel.
Paarig aus dem Rückenmark enspringen pro Wirbelsegment Nerven. Diese Nerven heißen Spinalnerven wobei das lat. Wort Spina für das Rückenmark steht.
Dies sind die wesentlichen Anteile zentralen Nervensystems (mit Ausnahme des Kopfes). Die austretenden Spinalnerven steuern die Rumpfwand und Extremitäten (somatisch) sowie die Eingeweide von Brust-, Bauch- und Beckenhöhle (viszeral). Diese funktionelle Versorgung der Organe, der Körperteile oder der Gewebe mit Nervengewebe nennt sich Innervation.
Rückenmark und nervale Versorgung
Das Rückenmarkssegment in Detail und noch etwas zur Entwicklung der peripheren Nerven
Der hintere Strang sammelt sensorische Reize aus den Nerven, die in die Hinterwurzel aus dem Segment gehen. Der vordere sendet aus der Vorderwurzel motorische Reize in das Segment1.
Die segmentale Zuordnung war bei den ersten Wirbeltieren noch sehr exakt. Jede „Scheibe“ hat seinen eigenen Nerven. Im Laufe der Entwicklung hat sich eine angepasste Zurodnung entwickelt, ganz nach den funktionellen Bedürnissen. Weiter unten zeige ich das Oberflächenschema im Vergleich zu dem Verlauf des Zwischenrippennervens.
Grundsätzlich entspringen zwischen zwei Wirbeln jeweils ein Paar Spinalnerven aus dem Wirbelkanal. Wir besitzen so insgesamt 31 paarige Spinalnerven (also meistens). Im Bereich des Brustkorbs gibt es rechts und links jeweils 11 Zwischenrippennerven. Jedes Wirbelsegment bildet mit den Rippen eine „Scheibe“ der Versorgung, die von hinten oben nach vorne unten verläuft. Die Zwischenrippennerven verlaufen gut geschützt mit den Blutgefäßen direkt unter der Rippe. Sie sind so gut geschützt, daß sie sogar ohne eigene Umhüllung (Faszie) auskommen.
Erster Interkostalnerv und das Halsnervengeflecht
Eine funktionelle Ausnahme macht der erste Interkostalnerv. Er steht in Verbindung mit dem Halsnervengeflecht (Plexus brachialis). Aus diesem entspringen alle Nerven des Armes. Die restlichen Interkostalnerven entspringen ausschließlich segmental ohne eine Beteiligung an einem Nervengeflecht.
Versorgungsentwicklung der Extremitäten
Besonders für die Extremitäten musste die segmentale Versorgung komplex aufgeschaltet werden. Ursprüngliche Fasern für die Oberflächenversorgung wurden dafür genutzt. Zwischen dem Rückenmark und der Peripherie entstanden so das Hals-, Lenden- und Beckennervengeflecht. Erst von diesen Geflechten (bis auf einige kurze Direktverbindungen) ziehen die peripheren Nerven in die Arme und Beine.
Die Versorgungsgebiete der Interkostalnerven
Diese motorische Funktion der Interkostalnerven steuert die Muskeln zwischen den Rippen (Interkostalmuskeln) und die Muskeln der vorderen und seitlichen (anterolateralen) Bauchwand.
Die sensiblen Nervenfasern der Interkostalnerven nehmen Eindrücke auf und leiten diese weiter zum Rückenmark und von da in das Gehirn. Diese sensorische Funktion vermittelt die Wahrnehmung von
Haut
Brust
Bauch
Rippen (Costae)
Brustfell (Pleura)
Bauchfell (Peritoneum)
Die Nerven steuern auch die Schweißdrüsen und Blutgefäße der Brust- und Bauchwand. Diese autonomen Innervation ist eigenständig und unterliegt keiner bewußten Steuerung. Die sympathische Innervation des autonomen Nervensystems entspringt aus dem Rückenmark, wogegen die parasymthatische über einen Hirnnerven (außer Becken) erfolgt.
Bauch- und Brustfell
Die Pleura ist das Brustfell im Brustkorb. Sie besteht aus zwei Häuten. Die innere Haut ist das Lungenfell. Sie überzieht die Lunge. Die äußere Haut ist das Rippenfell. Sie kleidet den Brustkorb aus. Beide Häute können sich zueinander bewegen und heften durch Klebekräfte (Adhäsion) zusammen. So kann die Bewegung vom Zwerchfell und Brustkorb zu Erweiterung der Lunge führen, ohne dass diese eine Verzerrung erfährt.
Das Peritoneum ist das Bauchfell im Bauchraum. Es kleidet den Bauchraum aus. Es ist eine seröse Membran, die die Wände der Bauchhöhle auskleidet und auf Bauch- und Beckenorganen liegt. Zwischen seinen beiden Schichten – parietal und viszeral – befindet sich die Bauchhöhle. Das Peritoneum hat die Funktion, die Bauch- und Beckenorgane zu stützen und zu schützen.
Der N. subcostalis: Versorgung weit in den Bauch
Unterhalb der zwölften Rippen liegt der Nerv Subcostalis. Er ist größer als die anderen. Bei Oberbauchschmerzen ist es deshalb wichtig abzuklären, ob eine Interkostalneuralgie vorliegt2. Diese weiter unten liegenden Versorgungen werden im medizinischen Bereich häufig „vergessen“.
Versorgungsgebiet N. Subcostalis
Der Nervus Subcostales verläuft am unteren Rand der zwölften Rippe. Diesen Bogen nennt man auch Lumbokostalbogen. Er versorgt den Raum unter der Rippe weiträumig. Dieser Subkostalraum reicht bis fast in die Leiste hinein, das kann man gut auf der Abbildung sehen. Ein seitlicher Hautast geht sogar zur Haut über der Hüfte. So versorgt er dort liegende Muskeln wie den quadratischen Lendenmuskel (M. Quadratus lumborum) sowie wichtige Bauchmuskeln (zusammen mit dem siebten bis elften Interkostalnerv). Es sind der quere Bauchmuskel (M. Transversus) und der innere schräge Bauchmuskel (Musculus obliquus internus abdominis). Und noch ein kleiner Muskel für die Längsspannung der weißen Bauchfaszie wird von diesem Nerv gesteuert. Es ist der M. Pyramidalis. Zudem gibt es hier noch Verbindungen zu weiteren wichtigen vorderen Beckennerven. Diese kommen schon aus dem Nervengeflecht der Lende (Plexus lumbalis). Es ist der erste Nerv (Nervus iliohypogastricus aus lumbal 1 und thorakal 12) der Lende (Plexus lumbalis) und der Leistennerv (Nervus ilioinguinalis aus dem plexus lumbalis).
Die Nerven selber sind eher Faserbündel ohne umschließende Faszienhülle, wie bereits beschrieben. Die Bündel liegen in einem dreieckigen Raum, der durch die Rippe, die hintere Interkostalmembran und den Intercostalis-Intima-Muskel begrenzt wird.
Interkostalneuralgie oder andere Ursache
Beispiel: Schmerzen im Rippenverlauf bei der Interkostalneuralgie
Die Interkostalneuralgie treten die Beschwerden im Verlauf einer Rippe auf. Man hat das Gefühl, der Schmerz ist an der Brustwand auf Höhe der Rippe. Dagegen sind Brust oder Bauchschmerzen aufgrund von Projektionen innerer Organe wie Flecken auf der Oberfläche.
Headsche Zonen
Headsche Zonen
Die inneren Organe und Eingeweide (viscera) senden Empfindungen über Nerven an das Großhirn. Es sind die gleichen Spinalnerven wie für die Haut. Das Großhirn kann den Reizort aber nicht unterscheiden. Sonst wäre das Gehirn wahrscheinlich dreimal so groß? Also fühlt sich zum Beispiel eine Oberbauchperitonitis wie Schulterschmerzen an.
Diese Verbindung zwischen dem somatischen und dem vegetativen Nervensystem hat der englische Neurologe Sir Henry Head (1861-1940) herausgefunden. Dementsprechend heißen sie auch „Head“-Zonen. Der neuseeländische Physiotherapeut Robin McKenzie (1931-2013) ergänzte diese um die Übertragung in entsprechende Muskeln.
Bei Frauen (sehr selten bei Männern) muss auch ausgeschlossen sein, dass eine Mastodynie vorliegt.
Mastodynie
Die Mastodynie ist die Schmerzhaftigkeit der (weiblichen) Brust. Sie ist ein häufig auftretendes gynäkologisches Symptom. Sie tritt in der Regel zyklusabhängig auf. Meist ist sie prämenstruell. Dabei führt die östrogenbedingte Wassereinlagerung zu einem Spannungs- und Schweregefühl in den Brüsten. Es kann aber auch bei einer Mastopathie (Veränderungen im Gewebe der Brust) auftreten.
Symptome: Von leicht bis sehr schwer
Meist liegt ein ziehender, anhaltender Schmerz vor. Der zieht wie ein Gürtel diagonal von hinten oben nach vorne unten. Die Höhe entspricht immer einer Rippe. Husten, Pressen, Lagewechsel und Druck auf die Rippe verstärken den Schmerz. Der Schmerz kann leicht sein oder aber auch scharf wie ein Messer. Ebenfalls möglich sind Missempfindungen oder Gefühlsstörungen.
Bei starken Anfällen kann es zu Atembeschwerden, Schweißausbrüchen, Schwindel, Panikattacken bis hin zur Todesangst kommen.
Längerfristig kommt es oft zu einer Schonhaltung. Eine Behinderung der Atemmechanik und eine Einschränkung der Lebensqualität ist zu beobachten.
Ursachen: vielfältig
1. Bei einer Rippenblockade
Der Nerv kann bereits an der Wirbelsäule komprimiert werden. Häufiger liegt eine Rippenblockierung vor. Das nennt man kurz auch Rippenblockade. Bei der Rippenblockade wird der Nerv unter Druck gesetzt, weil eine Rippe mit ihren Gelenken zur Wirbelsäule blockiert ist.
Die Rippenblockade ist genau genommen eine Gelenkdysfunktion mit neuronalen, geweblichen und muskulären Veränderungen. Die miteinander verwobenen Prozesse sind hochkomplex. Zwei Komponenten sind dabei besonders zu verstehen:
Eine Gelenksfunktionsstörung wirkt auf Rückenmarksebene und zentral im Gehirn und führt unter anderem zu einer Muskelfunktionsstörung.
Lokal gibt es entzündliche gewebliche Veränderungen.
Bei Wegfall der peripheren, geweblichebn Ursache einer Funktionsstörung kann die Speicherung der Information im Rückenmarks und/oder Gehirn weiter bestehen. Eine Rolle spielen zum Beispiel Proteinmoleküle, welche an den Nerven sowohl nach zentral als auch nach peripher wandern können. Dies führt zu einer „gespiegelte“ Entzündung in den entsprechenden Projektionenbereichen im Gehirn.
Stützzellen, Immunsystem und Nervensystem arbeiten zusammen
Gliazellen sind das Stützgerüst für die Nervenzellen. Sie sorgen für die elektrische Isolation. Und die sind für die schnelle Weiterleitung von elektrischen Impulsen unabdingbar. Seit den 2010 Jahren kam eine weitere Erkenntnis hinzu. Die Gliazellen, die Nervenzellen und die Immunzellen arbeiten zusammen. Wichtig ist das zum Beispiel für ein besseres Verständnis des Überganges von akuten zu chronischen Schmerzen.
Als Reaktion auf eine Verletzung werden Immunzellen aktiviert. Sie liegen im Gewebe oder werden mit dem Blut geliefert. Die Immunzellen bekämpfen nicht nur Krankheitserreger. Sie initiieren auch die Sensibilisierung der peripheren Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren). Sie stellen Entzündungsmediatoren her und setzen diese frei. Es kommt zur Interaktion mit Nervenbotenstoffen (Neurotransmittern) und entsprechenenden Rezeptoren. So bilden die Immunzellen, Glianetzwerk und die Nervenzellen (Neuronen) ein integriertes Netzwerk, das die Immunreaktionen koordiniert und die Erregbarkeit der Schmerzbahnen moduliert3.
Eine „Gelenkblockade“ ist eine hochkomplexe funktionelle Dysfunktion. In der Regel reagieren die Weichteile aufgrund einer Gelenkfehlfunktion, seltener ist die Gelenkmechanik selbst betroffen.
Eine entsprechende Untersuchung der Rippenblockade sollte immer von gut ausgebildetem Fachpersonal durchgeführt werden.
2. Selten
Sehr selten sind Erkrankungen des Rückenmarkes. Häufiger sind Nervenwurzelirritationen.
3. Nach Operationen
– Am Herzen
Häufige Ursachen sind Operationen. Wobei die früher durchgeführte Brustöffnung bei einer Herzoperation (Thorakotomie4) heute nur in wenigen Fällen eine Rolle spielt. Zum einen wird mittlerweile häufig microinvasiv operiert als auch wesentlich besser medikamentös vorgesorgt. Trotzdem leiden rund 50 % der klassisch operierten Patienten langfristig. Es liegt an einer „Nervenverstopfung“, der Bildung eines gutartigen Knoten des Nerv (Neurombildung) oder an einer anhaltenden Nervenreizung5. In wenigen Fällen wird bei einer Bypassoperation am Herz die innere Brustwandarterie verpflanzt. Auch dies kann eine Interkostalneuralgie zur Folge haben6.
– Wirbelsäule
Andere operative Eingriffe sind zum Beispiel Wirbelsäulenoperationen. Jeder sechste hat danach eine Interkostalneuralgie7. Auch minimalinvasive Operationen bieten keinen letztendlichen Schutz8. Nach Unfällen wird gelegentlich eine Rippe entfernt. Rippenbrüche sind erstaunlicherweise keine häufige Ursache. Aber auch Rippenprellungen können solche Beschwerden hervorrufen.
4. Durch Entzündungen und Viren
Meisten tritt eine Interkostalneuralgie durch eine Gürtelrose auf. Doch auch andere Entzündungen können eine Interkostalneuralgie hervorrufen.
Herpes Zoster
Der Herpes Zoster ist eine Viruserkrankung mit Schmerzen, Hautausschlag und Bläschenbildung im Rippenverlauf. Erreger sind Varizella-Zosta-Viren. Sie gehören zur Gruppe der Herpes Viren. Die Erkrankung tritt meist bei Immunschwäche auf (Stress, AIDS, immunsuppressive Therapie). Der vorhandene Erreger wird durch die Immunschwäche reaktviert.
5. Durch Unfälle
Nach einem Trauma kann es auch zu einer Intercostalneuralgie kommen. Typisch ist die „Gurtprellung“ beim Auffahrunfall. Heute eher seltener durch den Einsatz der Airbags sowie bessere Gurtposition.
6. Veränderte Haltung und Schwangerschaft
Und auch körperliche Veränderungen können eine Ursache sein, Haltungs- und Bewegungsveränderungen bis hin zur Schwangerschaft910.
7. Sonstige Ursachen
Eine Verhärtung der Muskulatur (Myogelose) oder eine Blutung können auf den Nerv drücken. Erkrankungen der Wirbelsäule, wie zum Beispiel die Osteochondrose, können auch den Nerv irritieren.
Sehr selten sind Nervenreizungen durch Tuberkulose oder einen Tumor. Und noch seltener sind Fälle, wie zum Beispiel ein Lipom (gutartige Fettgeschwulst)11.
Medizinische Einteilung
Die hochkomplexe aktuelle Version der International Classifikation of Desease erlaubt eine breite Zuordnung. Im Prinzip wird grob unterschieden in Interkostalneuralgie und Interkostalneuropathie und welche Ursache vorliegt. Hier eine Übersicht der Codes:
NB30.5Y Sonstige näher bezeichnete Verletzung der Interkostalgefäße
NB30.5Z Verletzung der Interkostalgefäße, nicht näher bezeichnet
XA8E34 Interkostaler Lymphknoten
XA0WT1 Arteria intercostalis posterior
Hintere Interkostalarterie
XA1EE3 Untere (3. bis 11.) posteriore Interkostalarterie
XA14K0 Sechs vordere Interkostaläste der Arteria thoraica Interna
XA99C2 Obere Äste der sechs vorderen Interkostalästeder Arteria thoraica Interna
XA0QG6 Untere Äste der Raumanastomosen der sechs anterioren Interkostaläste der Arteria thoraica interna
Behandlung
Es wird in jedem Fall immer der Ursache spezifisch behandelt. Deshalb muss die Ursache gefunden werden. Dazu können folgende Untersuchungen gemacht werden:
Als Basis ist die palpatorische und manuelle Untersuchung unumgänglich und der Fragebefund. Dazu werden ergänzt:
Blutbild
Röntgenbild
Ultraschalluntersuchung
Computertomographie (Röntgenverfahren für Querschnittsbilder)
Myelographie (radiologische Kontrastdarstellung der Wirbelsäule und des Spinalkanals)
EKG (Elektrokardiogramm)
Allgemeine Möglichkeiten
Unspezifisch können Schmerzmittel oder Rheumamittel (nichtsteroidale Antirheumatika) verabreicht werden. Sie wirken in der Peripherie, also außerhalb von Gehirn oder Rückenmark. Auch kann man gezielt die Muskeln entspannen. Sind die Schmerzen stärker, kann man das Nervensystem mit starken Schmerzmitteln beruhigen. Unter Umständen können dabei auch Opioide verabreicht werden. Man kann den Nerv auch lokal betäuben, das geht leicht durch die relativ offene Struktur12.Die Gefahr von Komplikationen ist sehr gering13.
Eine andere Methode ist der ultraschallgesteuerter Serratus-Anterior-Block. Hier wird der M. Serratus anterior sediert. Es kommt reflektorisch zur Schmerzlinderung. Vor allem nach Traumen eine Möglichkeit der Behandlung14.
Zudem kann man auch das Rückenmark stimulieren. Dies nennt man peridurale Blockade. Zu berücksichtigen ist das hohe therapeutische Risiko. Deshalb empfiehlt sich dann eher die indirekte Blockade im Lendenbereich mit entsprechend höherer Dosierung.
Eine neue Technik hat sich bei einer Rippenfraktur als Fallbeispiel bewährt. Der Patient war sechs Monate schmerzfrei. Es ist die Kryolyse. Dabei wird zuerst lokal betäubt (mehrstufigen linksseitigen Interkostalnervenblockade) und dann mittels Führung unter einem Ultraschallgerät der Interkostalnerv vereist (zwei Zyklen von 2 Minuten Abkühlung auf eine Temperatur von -70 °C (Lachgas) mit 30 Sekunden Auftauen dazwischen)15.
Periadualanästhesie
Die Periduralanästhesie ist die regionale Anästhesie (Betäubung) des Rückenmarks. Der Name kommt vom griechischen περί peri = um ihn herum + ντούρος Duros = hart (für harte Hirnhaut ἀναισθησία anästhisia Anästhesie. Die Abkürzung ist PDA. Wird auch Epiduralanästhesie (EDA) genannt.
Ist der Nerv länger und nicht reversibel betroffen, so kann man den Nerv auch chirurgisch trennen. Als Ersatz für die Muskelsteuerung (Innervation) kann ein Nerv aus dem großen Rückenmuskel (M. Latissimus dorsi) genommen werden16. Dieses Verfahren wird nur in schweren Fällen angewendet.
Es wurden auch nervenzerstörende neurolytische Verfahren ausprobiert. Dabei wurde rückenmarksnah ein Nervengift gespritzt17. Es gibt keine positive Nachweise für den erfolgreichen Einsatz neurochirurgischer Eingriffen an der Nervenwurzel, wobei die Gefahr einer Komplikation sehr groß ist.
Effektiver zeigt sich die elektrische Zerstörung der Nervenwurzel18.
Chiropraktik/Chiropractic (engl.): Das Wort stammt auf dem altgriechischen χείρ(Chir). Entwickelt wurde die Technik Ende des 19 Jahrhunderts von Daniel David Palmer. Er war ein US-amerikanischer Mediziner. Ursprünglich für die Behandlung von „verrenkten“ Wirbeln ersonnen, wird sie heute am ganzen Körper angewendet.
Manuelle Therapie (MT): Auf Basis einer physiotherapeutischen Ausbildung erhält der Praktiker nach Absolvierung einer umfangreichen Fortbildung das Zertifikat für Manuelle Therapie. Standard ist der „IFOMPT“ (International Federation of Orthopaedic Manipulative Physical Therapists).
Osteopathie/Osteopathy: Das Wort stammt aus dem altgriechischem ὀστέον(Knochen) und πάθος (Leiden). Begründet wurde die Technik in den 1870er Jahren durch den US-amerikanischen Arzt Andrew Still. Er entwickelt manuelle Techniken für Schmerzen, Verdauungsprobleme, Menstruationsbeschwerden und andere Symptome.
Regionale oder weniger bekannte Richtungen der passiven Therapie:
Cranio-Sacral-Therapie: Das Wort stammt aus dem latainischen Cranium (Kopf) und Sacrum(Kreuzbein) hat ihre Wurzeln in der kraniosakralen Osteopathie (Osteopathy in the Cranial Field) von William Garner Sutherland. Er war US-amerikanischer Arzt und entwickelte die Technik in den 1930er Jahren. Führend in der heutigen Entwicklung der craniosacralen Osteopathie ist das Upledger Institut. Die Behandlung richtet sich an Mikroveränderungen in den Spannungen der Gewebe.
Naprapathie/Naprapathy wird hauptsächlich in den skandinavischen Ländern sowie den USA angewendet. Vorreiter ist Schweden. Sie ist fokussiert und behandelt die neuro-skeletomuskuläre Dysfunktionen.
Ortho-Bionomy ist eine vom Kanadier Arthur Lincoln Pauls entwickelte Methode. Sie vereint Elemente der Osteopathie, der Physiotherapie und der traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).
Rolfing Methode: Sie fokussiert insb. auf die Faszien sowie die strukturelle Integration.
Auch wenn es erstmal so aussieht, dass es konkurrierende Verfahren zur Mobilisation einer Rippenblockade gibt, so ergibt sich in der Praxis ein ganz anderes Bild: Es kommt auf die Fachfrau oder den Fachmann an. Und für die Wahl kann ein Patient auf Erfahrungswerte zurückgreifen oder auf Empfehlungen. In jedem Fall spricht die Therapeutin immer über den Ablauf der Therapie mit dem Patienten. Erst anschließend wird behandelt.
Rippenblockade und Mobilisation nur fachgerecht!
Bei einer Rippenblockade ist die fachgerechte Mobilisation das Mittel der Wahl. Es sollte nur in wirklich fachkundiger Hand durchgeführt werden. Eine Rippenblockade ist nicht gleich Rippenblockade. Es gibt viele gewebespezifischen Veränderungen zu berücksichtigen. Zudem spielen sekundäre Einschränkungen zum Beispiel in der Halswirbelsäule oder im frontalen thorakalen Bereich (Übergang Rippen zum Brustbein) eine Rolle.
The incidence of complications in endoscopic anterior thoracolumbar spinalreconstructive surgery. A prospective multicenter study comprisingthe first 100 consecutive cases (McAfee PC , Regan JR , Zdeblick T, Zuckerman J , Picetti GD 3rd , Heim S , Geis WP , Fedder IL)Spine 01 Jul 1995, 20(14):1624-1632 ↩︎
Complicationsin thoracoscopic spinal surgery (T.-J. HuangR. W.-W. HsuC.-W.SumH.-P. LiuSurgical) Endoscopy April 1999, Volume 13, Issue 4, pp346 ↩︎
Epidural phenol in the treatment of postherpetic neuralgia (Neuendorf) J Am Osteopath Assoc. 1986 Jan;86(1):34-6 ↩︎
DREZ (dorsal root entry zone) surgery for the treatment of the postherpetic intercostal neuralgia(Spaić M, Ivanović S, Slavik E, Antić B.)Acta Chir Iugosl. 2004;51(4):53-7 ↩︎
The role of cryoanalgesia for chronic thoracic pain: results of a long-term follow up (Carmen R. Green, A. Michael de Rosayro, and Alan R. Tait) J Natl Med Assoc. 2002 Aug; 94(8): 716–720 ↩︎
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